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Die Goldene Himbeere – Hollywoods böser Filmpreis?

18.01.2014 - 08:50 UhrVor 7 Jahren aktualisiert
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Lone Ranger
© Walt Disney Studios Motion Pictures
Lone Ranger
Die traditionell am Vorabend der Oscarzeremonie verliehene Goldene Himbeere könnte eine interessante Alternative zum alljährlichen Preis-Zirkus in Hollywood sein. Wäre dieser vermeintliche Anti-Award nur nicht selbst vollkommen brav und belanglos.

An und für sich ist das ja eine schöne Idee, Hollywood-Filmschaffenden ein vergiftetes Lob auszusprechen, indem sie ausgerechnet am Abend vor der dusseligen Oscarzeremonie zu einer Negativpreisverleihung zitiert werden. Um inmitten all des unverhältnismäßigen Trubels aus Gewerkschaftsauszeichnungen, Kritikerpreisen, Golden Globes, Independent Spirit und eben Academy Awards nicht nur die besten, sondern auch schlechtesten Leistungen zu prämieren. Das ist als Konzept begrüßenswert, sogar unverzichtbar – allein um das alljährliche hiesige Eiergeschaukel, das ganze große Selbstbestätigungstheater wenigstens kurzzeitig mit einer inoffiziellen Gegenstimme zu unterbrechen. Sei es auch nur eine augenzwinkernde, harmlos-hämische Stimme, solange es im Kern eine der Vernunft ist. Und sei es auch nur ein Kunststoffpreis mit billigem Goldüberzug: Vollkommen richtig und wichtig, im besten Fall sogar subversiv kann das allemal sein. Eine Würdigung des Scheiterns, um den Hollywood-Hochmut nicht vor dem Fall zu schützen. Um vielleicht sogar ironische Kritik zu üben am System, um Falschheiten aufzudecken, um ein bisschen fruchtbare Sabotage zu betreiben. In etwa das, was zum Beispiel der Goldene Windbeutel innerhalb der Lebensmittelindustrie leistet.

Die langweilige Bestätigung des Ist-Zustands
Wie gesagt, als Idee ganz wunderbar. Würde die Goldene Himbeere, der Golden Raspberry beziehungsweise Razzie Award also, sich in der Auswahl der Preisträger nicht ähnlich festgefahrener, langweiliger Muster bedienen wie jene Filmpreis-Chosen, die sie eigentlich zu unterlaufen meint. Die G.R.A.F. (Golden Raspberry Award Foundation), der Filmkritiker- und Schaffende zahlreicher Staaten (unter anderem auch Deutschland) angehören, hat es in den vier Jahrzehnten ihres Bestehens wahrlich bemerkenswert versäumt, sich als tatsächlicher Anti-Award, als Gegen-Oscar, als selbsternannter Scheltenpreis zu etablieren. Statt eigentliches Grauen beim Namen zu nennen, schleudern die Verantwortlichen ihre Himbeeren meist gegen Menschen, die sowieso schon am Boden liegen. Lachen sie sich selbstherrlich einen Ast über Filme, die ohnehin schon Zielscheibe umhertrollender Zuschauer, Nerds und Internet-Gestalten sind. Bestätigen sie also Hatertum, Kassenflops und vermeintliches künstlerisches Versagen – und versuchen angestrengt witzelnd dort Gift zu streuen, wo es doch eh längst nichts mehr zu holen gibt.

Ein Preis, der vollständig versagt hat
Bereits 1980, im Rahmen ihrer ersten Preisverleihung für angebliche Zelluloidverschwendung, nominierte die G.R.A.F. allen Ernstes (heutige) Klassiker wie Freitag der 13. oder Cruising als schlechteste Filme des Jahres. 1981 ging diese fragwürdige Auszeichnung sogar an das sagenhafte Camp-Meisterwerk Meine liebe Rabenmutter und setzte sich, ich traue es mich gar nicht zu schreiben, gegen den ebenfalls vorgeschlagenen Heaven’s Gate – Das Tor zum Himmel durch – ein Film, der heute bei Criterion vertrieben und von manch einem als der beste des Jahrzehnts bezeichnet wird. Schon in den Anfangstagen der Goldenen Himbeere also richtete sich ihr Blick einzig auf finanzielle Misserfolge, Kritikerenttäuschungen und Filme, hinter deren vermeintliche Schlicht- und Schlechtheit schon seinerzeit hätte geblickt werden können. Zwar fanden diese Produktionen zum Teil erst im filmhistorischen Wandel der Zeit zu neuen Urteilen, das ändert aber nichts daran (oder bestätigt sogar vielmehr), dass der Preis als Institution vollständig versagt hat.

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