Eurovision-Film bei Netflix: Selbst ESC-Hasser werden hier verzaubert

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Will Ferrell und Rachel McAdams in Eurovision Song Contest: The Story Of Fire Saga
27.06.2020 - 10:36 UhrVor 12 Tagen aktualisiert
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Die Liebe zum Eurovision Song Contest wird groß geschrieben im neuen Netflix-Film The Story of Fire Saga. Der Komödie mit Will Ferrell gelingt die Gratwanderung Hommage und Parodie.

Man braucht kein Fan des ESC sein, um seine helle Freude an Eurovision Song Contest: The Story Of Fire Saga zu haben, doch ein paar Grundkenntnisse des exzentrischen Musikwettbewerbs fördern den Genuss des neuen Netflix-Films.

Darin spielen Will Ferrell und Rachel McAdams zwei isländische Musiker, deren Eurovision-Traum wahr wird. In der liebevollen Hommage sitzt nicht jeder Gag, doch die Songs und Sets wandeln so virtuos auf dem Grat zwischen authentischer Musikliebe und komischen Trash, dass einem die bizarre Mischung wider besseren Wissens in ihren Bann zieht - fast wie beim echten Eurovision Song Contest.

3 Dinge, die ihr über den Eurovision Song Content-Film wissen solltet:

  • Dass ausgerechnet US-Comedian Will Ferrell einen ESC-Film dreht, verdanken wir seiner schwedischen Ehefrau Viveca Paulin, die ihn mit dem Musikwettbewerb bekannt machte.
  • Fans des Contests sollten sich auf zahlreiche Cameos und Referenzen an frühere Teilnehmer gefasst machen.
  • Pierce Brosnan spielt Will Ferrells Vater. Ich wiederhole: Pierce Brosnan spielt Will Ferrells Vater.
Holt euch den Soundtrack des Netflix-Films
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Netflix-Komödie: Ein spaßiger Ersatz für den realen Eurovision Song Contest

Nachdem der diesjährige Eurovision Song Content auf Grund der Corona-Pandemie abgesagt wurde, füllt der Netflix-Film für zwei Stunden das notenförmige Loch im Herzen eingefleischter ESC-Zuschauer. Dabei klingt die Story zunächst absurd.

Schaut euch den Trailer für den Eurovision-Film von Netflix an:

Eurovision Song Contest - The Story of Fire Saga - Trailer (Deutsch) HD
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Musik ist Leben für Lars (Will Ferrell) and Sigrit (Rachel McAdams), seit sie als Kinder eine Übertragung des Grand Prix Eurovision de la Chanson im Fernsehen sahen. Die beiden Musiker werden von ihrer isländischen Umgebung jedoch belächelt. Nach einem tragischen (und explosiven) Zwischenfall, der alle heimischen Konkurrenten auslöscht, reisen sie als Duo Fire Saga nach Edinburgh zum Eurovision Song Contest.

Lars entpuppt sich mit seiner Wikinger-Matte schnell als waschechte Will Ferrell-Figur: Er ist ein Kind im Manne, das sich seine Umwelt der eigenen Fantasie zurechtbiegt, selbst wenn dabei für andere die Luft zum Atmen knapp wird. Wie bei Ferrells NASCAR-Fahrer Ricky Bobby zählt für den monomanen Lars ausschließlich der Sieg. Und wie in der Rennsport-Parodie auch gewinnt der Netflix-Film durch die detaillierte Nachahmung einer eigenartigen Parallelwelt.

Die wahren Highlights des Netflix-Films: Rachel McAdams und die Original-Songs

Anders als Ricky Bobby oder Die Eisprinzen stellt sich der Eurovision-Film mit dem unförmigen Titel jedoch als herzerwärmend heraus. Das verdankt die Produktion vor allem Rachel McAdams. Diese spielt Sigrit mit einem schäumenden Enthusiasmus, umwerfend, aber auch naiv und zerbrechlich.

Will Ferrell und Rachel McAdams

In Verbindung mit Ferrells typisch überspannter Art ergibt sich eine überraschend involvierende Beziehung. Lars und Sigrit machen sich lächerlich, aber ihr Glück verdienen sie trotzdem oder gerade deswegen.

Denn die Lächerlichkeit ist relativ in einem Film, der in einem hinreißenden Song-along mit einer Parade von ESC-Cameos den Wettbewerb feiert, um ihn dann durch eine Figur wie Alexander Lemtov (der an früheren ESC-Teilnehmer Filipp Kirkorow erinnert) durch den glitzernden Kakao zu ziehen. Beide Drehbuchinstinkte vereint die offensichtliche Liebe zur ESC-Popmusik.

Da geht auch Eurovision-Skeptikern das Herz auf

Selbst wenn die Dialoge wesentlich seltener zünden als in Ricky Bobby, Anchorman oder den anderen Ferrell-Höhepunkten, reißen die Originalsongs des Films mit. Produziert wurden die Lieder von Savan Kotecha. Dessen Songwriter-Vita reicht von Westlife bis zu The Weeknd, was hinreichend Vielfalt für den fiktiven Soundtrack bietet.

Dan Stevens im Eurovision-Film

Einige der Lieder von Fire Saga und Co.mausern sich zu Ohrwürmern. Der typische Plastik-Glanz eines ESC-Abends ist ihnen trotzdem zu eigen. Sie treffen diesen schwer zu beschreibenden Popmusik-Stil, der völlig überholt und zeitgemäß wirkt, austauschbar klingt und doch voll regionaler Eigenarten steckt. Ganz zu schweigen von der hanebüchenen Poesie ihrer Lyrics.

Die Original-Musik in Eurovision Song Contest: The Story Of Fire Saga klingt glaubwürdig, manchmal sogar gut, aber nicht zu gut. Das charakteristische Konserven-Aroma schüttelt der Film auch in seiner Inszenierung nicht ab, aber das muss er nicht. Der bisweilen grässliche Digital-Look wird immer dann mit Leben gefüllt, wenn die Musik in dem Film von David Dobkin den Ton angibt. Und damit komplementiert er die Figuren.

In dem erwähnten Song-along trällern dann auch alle zusammen Popsongs von Cher und Abba, die realen Eurovision-Gewinner und ihre Parodien, bis man die einen von den anderen nicht mehr unterscheiden kann. Ein größeres Kompliment kann man dieser Komödie kaum aussprechen.

Podcast für Netflix-Abonnenten: Lohnt sich Tyler Raker - Extraction?

In dieser Minifolge unseres Podcasts Streamgestöber nehmen wir den Netflix-Actionfilm Tyler Rake: Extraction unter die Lupe und diskutieren, für wen er sich lohnt.

Andrea fragt Actionfan Jenny über die Highlights des Films, die Actionszenen und den Grat der Brutalität aus. Dabei kommen auch mehrere Action- und Kriegsfilme zur Sprache, die ihr euch nach Tyler Rake vormerken könnt.

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