Neu bei Amazon Prime: Rocketman ist der bessere Bohemian Rhapsody

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Rocketman mit Taron Egerton bei Amazon Prime Video
11.04.2020 - 08:42 UhrVor 2 Monaten aktualisiert
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Das Elton John-Biopic Rocketman gibt es jetzt bei Amazon Prime. Der berauschende Film mit Taron Egerton in der Hauptrolle lässt Bohemian Rhapsody alt aussehen.

Meine Beziehung zur Musik von Elton John ist einigermaßen turbulent. Ich wurde mitten in den 80ern geboren und somit frühzeitig mit I'm Still Standing beschallt. Um es kurz zu machen: Ich hasste diesen Song. Und viel zu viele Radiostationen nahmen darauf einfach keine Rücksicht. "Yeah, yeah yeah!" Wie kann ein Lied nur so verachtenswert fröhlich klingen?

Doch was wusste mein 3- oder 4-jähriges Ich schon. Hätte man mir damals gesagt, dass Elton John nicht unbedingt das Leben, sondern vielmehr das Überleben feiert - ich hätte es ohnehin nicht verstanden. Das Musik-Biopic Rocketman ist zwar nach einem anderen Song des Sängers benannt, beschreibt aber eher eben jenen Zustand, entgegen aller Widerstände immer noch nicht eingeknickt zu sein. Und das tut der Film wirklich großartig.

Rocketman ist das bessere Bohemian Rhapsody

Regisseur Dexter Fletcher bearbeitet erzählerische Konventionen nicht mit einer Abrissbirne, stattdessen legt er sie sich gekonnt zurecht. Wir folgen Reginald Dwight aka Elton John chronologisch von der Kindheit bis zur Drogentherapie und vielleicht gerade deshalb überzeugen die wohl dosierten Ausbrüche der Inszenierung umso mehr:

Rocketman: Taron Egerton als Elton John

Wenn Elton John am Klavier buchstäblich abhebt, ein anderes Mal direkt in den Weltraum durchstartet oder sich selbst als kleiner Junge auf dem Boden seines Swimmingpools trifft, wird klar, dass dieses Werk seinem schillernden Subjekt mit herkömmlichen Mitteln nicht abschließend beikommen will. Wer sich nur ein wenig mit Elton John beschäftigt hat, weiß sowieso: Das wäre auch gar nicht möglich.

Hierin liegt einer der wesentlichen Unterschiede zwischen Rocketman und dem zuvor erschienenen Freddy Mercury-Biopic Bohemian Rhapsody, das mehr Preise gewann, mehr Geld einspielte und dem einstigen Queen-Frontmann trotzdem nicht gerecht wurde. Insbesondere die Überforderung mit dessen Sexualität und Hedonismus mündete in einer so gar nicht extravaganten Biografie, die vor falschen Zähnen nur so wimmelte und am Ende denkbar zahnlos wirkte.

Rocketman hingegen umarmt das Gesamtkunstwerk Elton John. Ja, er konsumierte alle möglichen Suchtmittel, heiratete eine Frau, die er nicht liebte, und traf weitere schwerwiegende Entscheidungen. Er erschuf eine extravagante Star-Persona, weil er den unsicheren Mensch unter den riesigen Hüten und Federkostümen kaum ertragen konnte. Nur schlechte Biopics verstehen sich als Gelegenheit für falsche Entschuldigungen, dieses gehört zum Glück nicht dazu.

Ein großer Trumpf ist außerdem Hauptdarsteller Taron Egerton, der die Hits des Briten selbst eingesungen hat, ihnen mitunter etwas wirklich Frisches hinzufügt und doch zu jeder Sekunde seinen Elton John steht. Erzwungene Authentizität macht so einen Film keineswegs automatisch besser, blindes Nachahmen noch weniger. Egerton findet den goldenen Mittelweg.

Wer Elton John nicht liebt, tut es nach Rocketman

In einer Szene von Rocketman muss sich der junge Reggie von seiner eigenen Mutter (Bryce Dallas Howard) anhören, dass er nie geliebt werden wird. Insgeheim glaubt er das auch selbst und die Frage ist nur, wie lange sein Ruhm und die Beziehung zu seinem Manager John Reid (Richard Madden) ihn davon ablenken können.

Rocketman

Wie durch ein Wunder jedoch - sogar den in Rocketman gezeigten Suizidversuch gab es wirklich - ist Elton John 2020 immer noch ein Weltstar, der Stadien füllt. Seinen größten kommerziellen Erfolg mit der Neuauflage von Candle in the Wind anlässlich des Todes von Prinzessin Diana deckt der Film nicht einmal ab.

In diesem Jahr befindet er sich auf seiner angeblich letzten Welttournee. Nicht, weil er es finanziell nötig hätte, sondern weil er es liebt, auf der Bühne zu stehen. Es mag abgedroschen klingen, aber der unscheinbare Reggie Dwight von damals hat es allen gezeigt und kann daher jetzt vielleicht viel unbeschwerter Elton John sein. Er und sein Film haben sich ihr Happy End wahrlich verdient.

Rocketman steht seit dem 10. April 2020 bei Amazon Prime als Stream bereit.

Streaming-Tipps zur Ablenkung

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Andrea, Esther und Jenny reden darüber, von welchen Filmen und Serien bei Netflix, Disney+ & Co. sie sich in dieser aufwühlenden Zeit an die Hand nehmen lassen. Egal ob Comedy oder Zeichentrick, Fantasy oder Horror, hier ist für jeden die perfekte Ablenkung dabei.

Werdet ihr Rocketman bei Amazon Prime eine Chance geben?

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