Nach Avengers 4: Synchronic ist ein Sci-Fi-Rausch mit Jamie Dornan & Anthony Mackie

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the gaffer Jenny Jecke
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Stellvertretende Chefredakteurin bei Moviepilot, schreibt am liebsten über Game of Thrones und Filme, die in Hongkonger Nudel-Restaurants spielen.

Die Science-Fiction ist in den letzten Jahren im US-Kino explodiert. Die Studios tun offenbar wenig lieber, als ihre größten Stars möglichst weit ins All hinaus zu schießen. Während Brad Pitt in Ad Astra zum Neptun fliegt, um die Beziehung zu seinem Vater ins Reine zu bringen, bleibt Anthony Mackie jedoch am Boden.

Nach Avengers: Endgame ist der Falcon-Darsteller in einer sehenswerten Alternative zu den interstellaren Abenteuern der letzten Jahre zu sehen. In Synchronic reist er durch durch die Zeit. Dafür braucht er keine spacigen Anzüge, keine komplexe Maschine, sondern nur eine winzige Pille.

Ihm zur Seite steht Jamie Dornan (50 Shades of Grey) in dem neusten Beweis, dass Aaron Moorhead und Justin Benson zu den aufregenderen Sci-Fi-Regisseuren in den USA zählen. Und langsam wird auch Hollywood auf sie aufmerksam.

Ein weiterer Franchise-Star beim Festival des phantastischen Films in Sitges ist Nicolaj Coster-Waldau, der nach dem Finale von Game of Thrones mit Suicide Tourist reüssiert. Dessen Handlung fast der Titel schon ganz gut zusammen.

Nach Game of Thrones, Fify Shades of Grey und Co.: Im Franchise-Schatten

Das Leben nach dem Franchise-Endgame ist hart, also abgesehen von den Millionen auf dem Konto. Den eintrudelnden Job-Angeboten. Der Terrakotta-farbenen Villa in Kalifornien. Korrigieren wir das: Es ist eine Herausforderung für die Karriereplanung.

Als Nikolaj Coster-Waldau bei der Weltpremiere von Suicide Tourist beim Festival in Sitges auf die Bühne trat, wurde er unter Jubel als Jaime Lannister aus Game of Thrones angekündigt. Ob das auch bei Premieren in 10 Jahren noch passieren wird?

Bei Coster-Waldau mache ich mir diesbezüglich wenig Sorgen, dafür ist er zu wandlungsfähig. In Suicide Tourist spielt er einen schwer kranken Versicherungskaufmann, der von Jaime Lannister in etwa so weit entfernt ist wie Westeros von einer parlamentarischen Demokratie.

Bei Jamie Dornan sieht das schon anders aus. Der ehemalige Christian Grey spielte zeitnah zur Fifty Shades of Grey-Trilogie eine vergleichbar eisige Rolle in der Serie The Fall: Tod in Belfast. Die Gefahr des Typecasting lauert.

Sci-Fi mit Avengers-Star Anthony Mackie: Synchronic

In Synchronic gibt Jamie Dornan einen Rettungshelfer mit Eheproblemen, dessen Tochter nach einen Drogen-Trip verschwindet. Auf dem Papier ist der Film eine schlaue Karriere-Entscheidung für Dornan. Das bisher größte Projekt der beiden aufstrebenden Indie-Regisseure Aaron Moorhead und Justin Benson (The Endless) vereint Dornan mit dem frisch aus Avengers: Endgame herangeflogenen Anthony Mackie.

Beide stoßen bei ihrem Job auf eine gefährliche neue Designer-Droge. Einige Nutzer enden verkohlt, andere mit Schlangenbiss in einem Hotelzimmer oder wieder andere liegen zerstückelt im Fahrstuhl - mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Dornans Filmtochter ist indes wie vom Erdboden verschluckt.

Synchronic gehört Anthony Mackie, egal wie oft die Freundschaft der beiden Rettungshelfer betont wird. Steves (Mackie) Privatleben besteht aus Schnapsflaschen und One-Night-Stands, bis bei ihm ein Hirntumor diagnostiziert wird. Von nun an erfüllt ihn die Suche nach Ursprung und Wirkung der Droge "Synchronic". Er findet heraus: Es ist eine Zeitreise-Pille. Er beginnt mit Experimenten.

Synchronic mit Anthony Mackie und Jamie Dornan ist ein Sci-Fi-Rausch

Mit Geist und Raum überwindenden Sci-Fi-Filmen haben sich Moorhead und Benson einen Namen gemacht. Dabei verbinden sie verschachtelte Sci-Fi-Konzepte mit psychologischem Drama. Zwei Brüder begeben sich im melancholisch-surrealen The Endless von 2017 auf die Spuren ihrer Kindheit in einem UFO-Kult. Zeitschleifen werden darin zum Ausdruck der Verarbeitung ihrer Vergangenheit.

In Synchronic wird es denn auch ausgesprochen: "The past sucks." Die Droge lässt einen durch die Zeit reisen und mit Äxten, Messern und Kugeln im Bauch wieder zurückkehren. Die Vergangenheit zersetzt die Gegenwart. Nach Einwurf der Pille brennen sich die Sümpfe Louisianas durch die Wände oder schießen einem Kugeln aus dem Bürgerkrieg um die Ohren. Visuell aufregend sind die Drogentrips in Synchronic, aber auch Quell der Angst. Welchem Konquistador oder Sklavenhalter wird Steve diesmal gegenüber stehen, wenn sich die Wirkung entfaltet?

Über ihr bisher größtes Budget verfügen Moorehead und Benson in Synchronic, zwei Hollywood-Stars obendrauf. Dass der Film noch nicht der große Durchbruch sein wird, liegt am fahlen menschlichen Drama im Zentrum des spannenden Abenteuers. Während die Bruderbeziehung aus Endless die Hirnzellen verknotende Story erdete, wird die Kern-Message von Synchronic mit diversen platten Dialog-Aussetzern über die Ziellinie gescheucht.

Anthony Mackie allein mit einem Hund, rotem Tape, einer Digicam und Zeitreise-Pillen fasziniert weitaus mehr als die halbtrunkenen Männeraussprachen darüber, wie wichtig zwischenmenschliche Verbindungen sind.

Game of Thrones-Star Nikolaj Coster-Waldau als Suicide Tourist

In Teilen macht Suicide Tourist richtig, was Synchronic fehlt, in anderen ist es genau umgekehrt. Nikolaj Coster-Waldaus unscheinbarer Max leidet in dem Film ebenfalls an einem Tumor im Schädel. Aus Angst vor Veränderungen seiner Persönlichkeit und einem quälend langsamen Tod will er seinem Leben ein Ende setzen.

Über die Arbeit erfährt er von einer geheimnisvollen Firma, mit deren Hilfe Willige ihre letzten Stunden in einem Luxus-Suizid-Spa verbringen können. Max fliegt hin, seine Ehefrau Lærke (Tuva Novotny) ahnt nichts.

Das in den Bergen gelegene "Hotel" sieht aus wie ein Möbelhaus für die Oberen Zehntausend. Exzellent designt mit dem Ziel, seine Bewohner in einen Zustand der Harmonie zu versetzen. Die Gäste tragen in ihren letzten Tagen auf Erden Schlafanzüge, als wollte man sie schon mal in den ewigen Schlummer wiegen. Sie können ihren Freitod mit Schauspielern inszenieren. Alles soll perfekt sein, auch für Max, der sich von den Erinnerungen an Lærke jedoch schwer lösen kann.

Die Vergangenheit bietet sich in Suicide Tourist als Rettungsring an, anders als in Synchronic. Der Film von Jonas Alexander Arnby (When Animals Dream) bleibt in der Auseinandersetzung mit dem realen Konzept des Selbstmord-Tourismus oberflächlich. Das Drehbuch eröffnet frustrierend viele Seitenwege, die unerforscht bleiben.

Seine Stärke allerdings ist die Beziehung von Max und Lærke. In wenigen Gesten und Worten wird mit beeindruckender Klarheit skizziert, was die beiden ineinander sehen und brauchen. Und wovor Max Lærke deshalb schützen will. Tuva Novotny und Nikolaj Coster-Waldau haben beträchtlichen Anteil daran, dass man bei den vielen Zeitsprüngen in Suicide Tourist den Kern der Story nicht aus den Augen verliert.

Der wahre rote Faden in Synchronic ist derweil das Sci-Fi-Konzept, das sich in den dunklen Straßen New Orleans entfaltet. Auf dem Papier eine gute Karrierewahl, ist Jamie Dornans Figur Dennis im Endeffekt kaum mehr als der besorgte Vater und Freund. Aus den Augen, aus dem Sinn. Anthony Mackie dagegen schultert die Zeitreise-One-Man-Show fast so mühelos wie Captain Americas Schild.

Habt ihr schon Filme von Aaron Moorhead und Justin Benson gesehen?

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