Locke & Key: Ein spektakulärer Netflix-Mix aus Harry Potter und Stephen King

Locke & Key - S01 Trailer (Deutsch) HD
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Locke & Key
08.02.2020 - 10:33 UhrVor 6 Monaten aktualisiert
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Die Mysteryserie Locke & Key ist auf Netflix gestartet. Ob sich die Serie über magische Schlüssel und mörderische Dämonen für euch lohnt, nehmen wir im Seriencheck unter die Lupe.

Man nehme eine erfolgreiche Comicvorlage, attraktive Jungdarsteller, mischt das ganze mit ein wenig Mystery und Horror und schon ist der nächste Netflix-Hit geboren. Auch Locke & Key hat alle Zutaten um den Erfolg von The Umbrella Academy oder Chilling Adventures of Sabrina zu wiederholen.

Nach 10 Jahren in der Produktionshölle erblickt die Adaption von Joe Hills erfolgreicher Graphic Novel endlich das Licht der Serien-Welt. Als Showrunner fungieren Carlton Cuse (Lost) und Meredith Averill (Spuk in Hill House). Es-Regisseur Andy Muschietti ist als Produzent mit an Bord. Aber hat sich das Warten gelohnt? Kann Locke & Key aus den Hunderten von neuen Netflix-Serien 2020 herausragen?

Die Binge-Daten zu Locke & Key bei Netflix

  • Locke & Key umfasst 10 Episoden
  • Die Folgen dauern ca. 50 Minuten
  • Ein Gesamt-Binge dauert 7 Stunden und 49 Minuten
  • Die Serie ist seit 7. Februar 2020 zum Streamen verfügbar

Die neue Netflix-Serie Locke & Key macht richtig Spaß

Auf den ersten Blick wirkt Locke & Key nicht sonderlich spektakulär. Weder der Look der Serie noch die Geschichte über drei Geschwister, die den grausamen Tod ihres Vater betrauern, schreien nach dem nächsten großen Mystery-Highlight. Doch dann hört der kleine Bode Locke (Jackson Robert Scott) ein mysteriöses Echo im Brunnen des viktorianischen Familiensitzes Keyhouse, das ihm von magischen Schlüsseln erzählt.

Gemeinsam mit seinen Geschwistern Tyler (Connor Jessup) und Kinsey (Emilia Jones) geht es fortan auf die Suche nach den kleinen Schlüsseln, von denen jeder einzigartige Fähigkeiten besitzt. Ein Schlüssel, der dich in den Kopf eines Menschen schauen lässt, ein Schlüssel, der deine Gestalt ändern kann oder ein Schlüssel, der mörderische Schatten heraufbeschwört: die unterschiedlichen Artefakte in Locke & Key zu entdecken, macht großen Spaß.

Locke & Key - Connor Jessup und Emilia Jones

Besonders, wenn die verschiedenen Schlüssel Teil von schockierenden Wendungen und zu Waffen eines übernatürlichen Krieges werden, beginnt die Serie ordentlich Fahrt aufzunehmen.

Das Highlight ist hierbei Folge 7, in der Locke & Key zu einem Home Invasion-Thriller mutiert, in dem bisherige Handlungsfäden zu einem hoch spannenden Showdown zusammenlaufen und wir die tragische Geschichte des Schülers Sam Lesser (Thomas Mitchell Barnet) erfahren.

Auch wenn Locke & Key ein jugendliches Publikum anspricht, wird die Serie teilweise sehr brutal, wenn auch nicht blutig. Vor allem die Schurkin Dodge kennt keine Grenzen, wenn es darum geht, an die magischen Schlüssel zu gelangen. Da wird dann auch gerne mal ein Kind vor eine fahrende U-Bahn geworfen.

Das beste an Locke & Key sind neben den Schlüsseln aber die vielen Twists, die die Spannung vor allem in der 2. Hälfte der Staffel hochhalten. Die finale Enthüllung der Staffel gleicht in ihrer Inszenierung glatt dem Ende eines Saw-Films - nur jugendfrei - und lässt das von Logiklöchern durchzogene Staffelfinale glatt wieder vergessen und euch sehnlichst auf eine 2. Staffel warten.

Locke & Key ist eine Stephen King-Serie ohne Stephen King

Locke & Key ist das Fantasyabenteuer, das Stephen King nie geschrieben hat. Aber immerhin wurde die Geschichte von seinem Sohn Joe Hill erdacht. Die Serie versprüht den typischen King-Charme von einer verschlafenen Kleinstadt an der US-Ostküste bis hin zu dunklen Mächten, die zwei Generationen von jungen Protagonisten mit Klub der Verlierer-Anleihen ins Unglück stürzen.

Locke & Key - Der neue Klub der Verlierer?

Oft wirkt die Serie wie ein Liebesbrief an die Werke des Horrormeisters, wenn zum Beispiel der kleine Bode mit Rollschuhen durch das Anwesen des Keyhouse streift, wie einst der kleine Danny Torrance auf seinem Dreirad im Overlook Hotel. Zu den witzigsten King-Easter-Eggs gehört jedoch die Szene, in der Jackson Robert Scott (Georgie aus Es) als Geist über dem Boden schwebt und "I'm floating!" schreit.

Auch wenn Locke & Key im Grunde eine düstere Fantasyserie ist und sogar ein paar Meta-Verweise auf Narnia und Harry Potters Zauberschule Hogwarts präsentiert, schlägt ihr Herz eindeutig für das Horrorgenre. Genrefans dürfen sich nicht nur auf eine Amateur-Filmcrew mit dem Namen Savini-Gang und einer Vorliebe für Splatter-Trash freuen, sondern auch auf einen unerwarteten Cameo eines Horror-Idols.

Hello Darkness … My Old Friend: Locke & Key ist düsteres Charakterdrama

Das Herzstück von Locke & Key sind die Charaktere, deren Schmerz sich die Serie in ihren besten Momenten annimmt. Jedes der Familienmitglieder reagiert anders auf den Mord von Vater Rendell Locke. Hierbei spielen die Schlüssel eine wichtige Rolle, denn viele der Artefakte verdeutlichen die Wünsche, Ängste und Sorgen der Figuren, wenn wir wortwörtlich in die ihre Gedankenwelt eintauchen können.

Locke & Key - Darby Stanchfield

Immer wieder wirft Locke & Key durch die Verbindung der Schlüssel und dem Leid der Charaktere interessante Fragen wie "Was würdest du tun, wenn du all deine Ängste aus deinem Kopf entfernen könntest?" auf, die zum Nachdenken anregen.

Dabei schreckt die Serie auch nicht davor zurück die düstere Seite von Trauer und Verlust zu zeigen, wenn beispielsweise Mutter Nina (Darby Stanchfield) in ihre Alkoholsucht zurückfällt und verzweifelt versucht, die Asche ihres verstorbenen Mannes mit einen Schlüssel zu "reparieren".

Ist Locke & Key eine gute Comic-Adaption?

Als großer Fan der Graphic Novel waren meine Erwartungen an Locke & Key entsprechend hoch. Und auf den ersten Blick bestätigten sich meine Befürchtungen, dass die Vorlage vernetflixt wurde, als neue Figuren den Teeniedrama- und Highschool-Anteil in den Vordergrund rückten. Auch der Horror und Nihilismus der Comics wurde arg zurückgeschraubt, um ein größeres Publikum ansprechen zu können. Glücklicherweise stellt sich dieser neue Fokus als gelungene Ergänzung heraus.

Während das Design der Schlüssel direkt aus dem Comic entspringt, wurden aber an den von Gabriel Rodriguez grandios gezeichneten Monstern und Schlüsseleffekten budgetfreundliche Änderungen übernommen, die den morbiden Horror der Vorlage stark vermissen lassen.

Locke & Key

Wer eine 1-zu-1-Adaption erwartet, könnte von Locke & Key enttäuscht werden. Die 1. Staffel basiert nur lose auf den ersten 3 von 6 Sammelbänden und remixt Schlüsselmomente der Vorlage zu etwas Neuem. Vor allem Wendungen und Twists wurden so verändert, dass auch Kenner der Vorlage noch schockiert und überrascht werden.

Einzig an der Figur von Duncan (Aaron Ashmore) scheitert die Serie gnadenlos. Während der Onkel der Lockes in der Vorlage eine herzzerreißende Liebesgeschichte durchleidet, wird seine Homosexualität in der Netflix-Version vollkommen übergangen und Duncan verkommt zu einem sinnlosen Nebencharakter, der ab und zu mal auftaucht, aber wenig Einfluss auf die Handlung nimmt.

Hier muss Netflix in einer 2. Staffel dringlichst nachbessern. Denn ein Hit wird Locke & Key ganz bestimmt.

Die 1. Staffel von Locke & Key umfasst 10 Episoden, die am 7. Februar 2020 bei Netflix erschienen sind. Als Grundlage für diesen Seriencheck diente die komplette 1. Staffel.

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Andrea, Matthias und Max diskutieren in der neuen Podcast-Folge von Streamgestöber über die besten Teenie-Serien bei Netflix:

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