Neu bei Amazon: Bizarrer Horrorfilm verstört mit perversen Bräuchen

27.03.2020 - 07:50 UhrVor 6 Monaten aktualisiert
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© A24 / Weltkino
Midsommar
Nie zuvor war ein Ausflug nach Schweden verstörender: Mit Midsommar erscheint nun einer der besten, aber auch bizarrsten Horrorfilme des letzten Jahres auf Amazon Prime.

Ari Aster zählt neben Get Out-Macher Jordan Peele und Robert Eggers (The Witch) zu den vielversprechendsten Horrorregisseuren der Gegenwart. Nachdem Hereditary - Das Vermächtnis Publikum wie Kritikerschaft gleichermaßen beeindruckte, steht nun mit Midsommar sein neues Meisterwerk per Stream auf Amazon Prime zur Verfügung.

Durch eine fast schon altkluge Stilsicherheit ist es Ari Aster mit seinem Spielfilmdebüt vor zwei Jahren gelungen, geradewegs in die A-Liga des gegenwärtigen Horrorkinos aufzusteigen. Die Erwartungen an sein Nachfolgewerk Midsommar waren dementsprechend gewaltig: Ari Aster allerdings wurde ihnen nicht nur gerecht, sondern übertraf sie sogar.

Schönes Wetter, perverse Bräuche: Das ist die Handlung von Midsommar

Im Zentrum der Handlung steht die Psychologie-Studentin Dani (Black Widow-Star Florence Pugh), die sich nach dem Suizidtod ihrer Familie dazu entschließt, zusammen mit ihrem Freund Christian (Jack Reynor) und dessen Kumpels nach Schweden zu reisen. Für ihre Trauerarbeit scheint die Siedlung Harga fernab der Zivilisation genau der richtige Ort.

Midsommar

Eingeladen von ihrem Freund Pelle, der in dieser Gemeinde aufgewachsen ist, dürfen Dani und Co. an den Feierlichkeiten zur Sommersonnenwende teilnehmen. Doch nach und nach scheint die ausgelassene Freundlichkeit der Dorfbewohner ins Bedrohliche zu kippen. Ihren Teil dazu bei tragen die Mittsommerrituale, die einer eigentümlichen, heidnischen und nicht zuletzt tödlichen Tradition folgen. Rette sich, wer kann bei diesem verstörenden Ende.

Düsterer Sonnenschein: Midsommar lehrt uns das Fürchten vor der Helligkeit

Die Perfidität, mit der der Horrorfilm sein Publikum zusammen mit den amerikanischen Protagonisten in die Falle lockt, ist schlichtweg beeindruckend. Ari Aster nutzt die omnipräsente Freundlichkeit der schwedischen Gemeinde und das (nur in wenigen Szenen unterbrochene) Sonnenlicht, um eine krude Atmosphäre des Gemeinschaftlichen zu kreieren. Die Gastfreundlichkeit aber ist schon nach kurzer Zeit nicht mehr als offenherzig, sondern als ungemein irritierend zu verstehen.

Midsommar

Genau damit arbeitet Midsommar über eine Laufzeit von beinahe 150 exzellent genutzten Minuten: Er gleicht den Gemeinschaftssinn der isolierten Siedlung mit jenem der amerikanischen Besucher ab - und findet dabei hochspannende wie unheimliche Antworten hinsichtlich kultureller Befindlichkeiten und zwischenmenschlicher Verwahrlosung. Dass sich der Horrorfilm letztlich noch als emanzipatorische Selbstermächtigungsgeschichte erweist, ist ein virtuoses I-Tüpfelchen.

Besser als Der weiße Hai: Auch die Moviepilot-Community ist angetan von Midsommar

Mit einem Community-Durchschnittswert von 7,2 Punkten bei 1.159 Bewertungen darf sich Midsommar auch auf Moviepilot als sehenswerter Beitrag zum modernen Horror-Kino verstehen lassen und liegt damit gleichauf mit Klassikern wie Roman Polanskis Rosemaries Baby und dem Endzeit-Schocker 28 Days Later. Um 0,5 Punkte überbietet er sogar Steven Spielbergs Meilenstein Der weiße Hai (6,7).

Obgleich Midsommar etwas gewöhnungsbedürftig erscheint, bekommen wir es hier fraglos mit einem der größten Horror-Highlights der letzten Jahre zu tun. Eine bizarr-psychedelische Folklore-Odyssee, die ebenso furchteinflößend wie grotesk das Genre durchrüttelt. Vollkommen unverständlich bleibt letztlich der Umstand, dass Florence Pugh bei der diesjährigen Oscar-Verleihung für ihre Powerperformance unberücksichtigt geblieben ist.

Midsommar ist seit heute, dem 26. März, auf Amazon Prime verfügbar.

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