Will Smiths umstrittenster Film wurde zu Recht von der Kritik zerrissen

14.08.2022 - 08:00 UhrVor 30 Tagen aktualisiert
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© Sony Pictures
Will Smith in Sieben Leben
Ein Film von Will Smith gilt einem Kritiker als "der grauenhafteste Film aller Zeiten". Der Flop treibt viele Zuschauer nicht ohne Grund zur Weißglut.

Diesen Artikel haben wir in ähnlicher Form bereits zur TV-Ausstrahlung am 20. Februar 2022 veröffentlicht.

Will Smith ist einer der größten Hollywood-Schauspieler. Niemand zweifelt an seinem Talent, die Oscar-Nominierung für Das Streben nach Glück war mehr als verdient. Aber auch wenn sich Will Smith mittlerweile in Demut übt, werfen ihm viele Kritiker:innen immer wieder einen gewissen Messias-Komplex in der Rollen-Auswahl vor. Das ist nirgendwo so deutlich zu sehen wie im Kritiker-Flop Sieben Leben, der heute im TV läuft. Vorsicht, Spoiler!

Will Smith erntet mit kontroversem Drama vernichtende Kritiken

Dort dreht sich alles um den hochintelligenten Ben (Smith), der für eine von ihm verursachte Tragödie Buße tun will: Bei einem Autounfall hat er sieben Menschen getötet. Um dafür zu sühnen, denkt er sich einen unkonventionellen Plan aus: Er will sieben Personen auswählen, für die er sich aufgrund ihres guten Herzens opfern kann. Indem er ihnen seine Organe spendet.

Schaut euch hier den Trailer zu Sieben Leben an:

Sieben Leben - Trailer (Deutsch)
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Also bekommt sein Bruder einen Lungenflügel, ein Dialyse-Patient seine Niere, ein weiterer Mensch sein Knochenmark, der blinde Ezra (Woody Harrelson) seine Augen und die herzkranke Emily (Rosario Dawson), genau, sein Herz. Wie das geht, ohne zu sterben? Gar nicht. Ben begeht Selbstmord, indem er zu einer giftigen Qualle in die Badewanne steigt. Kein Scherz.

Dass der Plot des Films absurd wirkt, ist kein Beinbruch. Doch nachdem Smith sich schon in I Am Legend oder Hancock so überdeutlich als Messias der Menschheit positioniert hatte, war die Opfer-Glorifizierung mit religiösen Parallelen hier vielen Kritikern einfach zu viel. A.O.Scott von der New York Times , nicht allein mit seiner Meinung (via Metacritic ), nannte es "den unfassbarsten, augenzerreißendsten, [...] wahnwitzig grauenhaftesten Film, der je gedreht wurde". Und ich finde seine Wut berechtigt.

Denn die Story ist genauso überheblich wie dumm. Das Publikum soll das Opfer eines Mannes anerkennen, der Gott spielt. Wen er mag, der darf leben. Seine Kandidaten sucht er sich quasi mit dem 2007er Äquivalent von Google. Das ist weder die Intelligenz noch die Demut, die ich von einer Messias-Figur erwarte.

Will Smith auf Tour um die Erde: Schaut den Trailer zu Welcome to Earth

Welcome to Earth - S01 Trailer (Deutsch) HD
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Außerdem ergeben sich eine Reihe von moralischen Fragen, die der Film mit seiner fehlgeleiteten Holzhammertragik einfach übergeht. Die ethischen Konditionen von Suizid sind kein einfaches Thema, aber der Film ignoriert die Konsequenzen einfach zugunsten einer perversen Beweihräucherung indiskutabler Ideen.

Der allerdümmste Aspekt, ich kann mich hier nicht zurückhalten, ist Bens post-mortem-Spende an zuvor bestimmte Empfänger. Es gibt einen Grund, warum das in der Realität nicht geht. Und zwar, weil ansonsten Menschen einfach in der Spendekette übersprungen werden und sterben. Wenn jeder mit einer solchen Überheblichkeit einfach Rezipienten bestimmen könnte, weil er sie nett findet, würden viel stärker bedrohte Personen dadurch umkommen.

Will Smiths Geschichte als Drama: Schaut den Trailer zu Bel-Air

Bel-Air - Trailer (English) HD
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Und auch wenn Teile an Sieben Leben (etwa die Leistungen von Smith, Harrelson oder Dawson) durchaus sehenswert sind, komme ich in meiner Einschätzung über ebendiesen Punkt nicht hinweg. Messias-Komplex, meinetwegen. Abstruse Drehbuch-Ideen, ok. Aber dass der Film in seiner Geilheit auf den moralischen Zeigegestus so idiotisch vorgeht, dass er zutiefst verwerflich wird, ist einfach unverzeihlich. Die Kontroverse hat er doppelt und dreifach verdient.

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