Gemini Man: Darum sieht der junge Will Smith so unfassbar echt aus

Will Smith in Gemini Man
© Paramount Pictures
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Das Drehbuch von Gemini Man existiert schon seit den Neunzigern. Dennoch hat sich lange niemand getraut, das Auftragskiller-Duell zu verfilmen. Denn die Hauptfigur wird darin von einem 27 Jahre jüngeren Klon seiner selbst gejagt, der vom selben Schauspieler verkörpert wird. Um diesen Ansatz auch nur halbwegs glaubwürdig zu vermitteln, sind ultrarealistische visuelle Effekte nötig.

Ang Lee hat sich nun an den brisanten Stoff gewagt und Will Smith gleich in zweifacher Ausführung vor die Kamera geschickt. In Gemini Man spielt dieser den Auftragskiller Henry Brogan und die verjüngte CGI-Variante Junior, den wohl authentischten komplett am Computer generierten Menschen, den das Kino je gesehen hat.

Wir haben uns mit Stuart Adcock getroffen, der an der Erschaffung des Will Smith-Klons in leitender Funktion beteiligt war. Er erklärt uns, was hinter dem Zauber steckt.

Gemini Man geht einen anderen Weg als Captain Marvel und The Irishman

Wer an Verjüngung von Schauspielern denkt, dem wird vielleicht der Auftritt von Samuel L. Jackson in Captain Marvel in den Sinn kommen oder der kommende Netflix-Mafiafilm The Irishman, der Robert De Niro einem solchen Prozess unterzieht.

Auch Gemini Man stand vor der Aufgabe, einen Darsteller deutlich jünger zu präsentieren, als er in Wirklichkeit ist. Doch Stuart Adcock und sein Team nutzen eine andere völlig andere Technik als die beiden genannten Beispiele:

Der größte Unterschied ist, dass wir keine Gesichter verjüngt haben, die mit der Kamera aufgezeichnet wurden. Wir haben die komplette Darstellung von Grund auf mit dem Computer generiert.

Das bedeutet, anstatt bestehendes Material zu manipulieren, Falten zu entfernen und so weiter, haben wir einen anderen Ansatz gewählt, der sich fast anfühlt, als würden wir eine reale Person aus dem Nichts erschaffen.


Dennoch hat Will Smith einen unverzichtbaren Teil zur Erschaffung Juniors beigetragen. Denn die kompletten Bewegungen und die Mimik des Schauspielers wurden per Motion-Capturing-Verfahren auf die CGI-Figur übertragen. Im Grunde ist es also die gleiche Technik wie bei Andy Serkis als Gollum in Der Herr der Ringe, nur dass Will Smith eben keinem Fantasiewesen, sondern einer jüngeren Version seiner selbst Leben einhaucht.

Gemini Man war nur mit einem CGI-Will Smith möglich

Stuart Adcock begründet die Entscheidung für eine reine CGI-Figur unter anderem mit den hohen technischen Anforderungen, die Ang Lee an Gemini Man hatte. Der Film wurde mit einer hohen 4K-Auflösung und in 3D gedreht. Die Captain Marvel-Methode hätte einfach nicht funktioniert, weil das Bild zu detailreich gewesen wäre, um die Täuschung echt aussehen zu lassen.

Außerdem gibt es im Film mehrere Szenen, in denen Will Smith mit seiner jungen Version direkt interagiert und sogar mit sich selbst in den Nahkampf geht. Auch das war laut Stuart Adcock ausschlaggebend für die Entscheidung:

Wenn du dieses Szenario hast, ist es sehr schwer, einen nicht vollständig am Computer erstellten 3D-Charakter zu verwenden, weil Will ja nicht zwei Mal in der gleichen Einstellung sein kann.

Der große Vorteil der Gemini Man-Methode

Es gibt allerdings noch einen weiteren Vorteil, den die CGI-Variante gegenüber der nachträglichen Bildmanipulation bietet. Bei Captain Marvel waren die Effektkünstler völlig auf Samuel L. Jacksons Darbietung angewiesen und konnten nur Details ändern wie zum Beispiel die Falten entfernen. Die Macher von Gemini Man hatten dagegen "volle Kontrolle" über ihre digitale Kreation, wie Stuart Adcock hervorhebt:

Es geht hier weniger um Verjüngung als viel mehr darum, eine authentische Darstellung eines 23-Jährigen abzubilden. Ich denke, das ist der Hauptunterschied zwischen den beiden Ansätzen. [...]


Ang sah sich manche Einstellungen ewig lange an und sagte Dinge wie: Okay, wir haben hier den Charakter eines eiskalten Auftragsmörders gut getroffen, aber gebt mir noch etwas mehr Mitgefühl für diese Figur.


Die Animationskünstler mussten die Emotionen des CGI-Will Smiths etliche Male subtil ändern, um irgendwann das Ergebnis zu bekommen, mit dem Ang Lee zufrieden war. Der Perfektionsmus des Regisseurs sorgte übrigens auch aus anderen Gründen für jede Menge zusätzlichen Aufwand.

Durch die 4K-Auflösung mussten die Gesichtsdesigner noch präziser werkeln und die hohe Framerate von 120 Frames pro Sekunde sorgte dafür, dass sie fünfmal so viele Bilder bearbeiten mussten wie in einem gewöhnlichen Kinofilm.

Gemini Man läuft seit dem 3. Oktober 2019 in den deutschen Kinos. Ihr könnt euch also selbst davon überzeugen. Doch tut euch einen Gefallen und schaut den Film in 3D und HFR (High-Frame-Rate), wenn ihr die Chance dazu habt. Denn genau dafür ist Gemini Man gemacht.

Über Stuart Adcock

Stuart Adcock ist Head of Facial Motion Department bei der Effektschmiede Weta Digital und somit hauptverantwortlich für die glaubwürdige Darstellung des Will Smith-Klons in Gemini Man. Stuart Adcock studierte Computer-Animation an Bournemouth-Universität in Großbritannien.

Nach seinem Abschluss bekam er einen Job bei Sony Playstation und arbeitete 15 Jahre lang in der Videospiel-Branche, unter anderem für das renommierte Entwicklerstudio Ninja Theory.

Durch seine dort gesammelte Expertise im Bereich der Gesichtsanimation kam er zu Industrial Light & Magic und arbeitete dort an Doctor Strange, Star Wars 8, Ready Player One und Aladdin.

Seit Juni 2018 ist er bei Weta Digital angestellt, dem Unternehmen, das bereits Gollum in Der Herr der Ringe und die blauen Na'vi in Avatar kreierte. Als Head of Facial Motion Department arbeitete Stuart Adcock für Weta Digital vor Gemini Man bereits an den Blockbustern Alita: Battle Angel und Avengers: Endgame.

Was haltet ihr von den Effekten in Gemini Man?

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