Game of Thrones beim Emmy: Eine kleine Serie stiehlt dem Titanen die Show

Phoebe Waller-Bridge in Fleabag und Kit Harington und Emilia Clarke in Game of Thrones
© BBC/HBO
Phoebe Waller-Bridge in Fleabag und Kit Harington und Emilia Clarke in Game of Thrones
24.09.2019 - 08:57 UhrVor 5 Monaten aktualisiert
5
5
Game of Thrones erhielt letzte Nacht den Emmy als Beste Dramaserie, doch der wichtigste Fernsehpreis der USA sorgte für Überraschungen, die von einer neuen TV-Ära zeugen.

Drei Stunden und gefühlt die Hälfte davon war ein einziges In Memoriam-Segment. Die 71. Verleihung der Primetime Emmys ging heute Morgen zu Ende mit dem Sieg von Game of Thrones in der Kategorie Beste Dramaserie. Damit nahm der wichtigste Fernsehpreis im englischsprachigen Raum Abschied von der einzigartigen Fantasyserie, der gelang, was heute so viel schwieriger ist als früher: Eine Masse von Zuschauern über Alters- und Ländergrenzen hinaus vor dem Bildschirm zu vereinen.

Die diesjährige Emmy-Verleihung stand im Zeichen des Abschieds von Serien wie The Big Bang Theory, Veep - Die Vizepräsidentin und auch Game of Thrones. Statt eines Moderators samt komödiantischem Monolog entschieden sich die Produzenten für mehrere lustlose Montagen. Sie verliehen den Emmy Awards beinahe die Aura einer dreistündigen Schweigeminute. Wäre da nicht die große Serien-Überraschung des Emmy-Jahres gewesen: Fleabag.

Eine kleine Tragikomödie mit mehr Emmys als Game of Thrones

Die britische Tragikomödie Fleabag gehört zu den zerfaserten Ecken und Enden des Peak-TV. Wer hier nicht per Mundpropaganda aus der überwältigenden Masse von Serien stößt, fällt hinten runter. Phoebe Waller-Bridges BBC-Produktion ist der Sprung ins Zentrum gelungen, auch weil man außerhalb von UK bei Amazon zuschauen kann, wie Waller-Bridges in den unangenehmsten Situationen Humor und Tragik vereint.

Fleabag

In der 2. Staffel potenzierte sich die Aufmerksamkeit, nicht zuletzt dank der viralen Präsenz von Sherlock-Bösewicht Andrew Scott als "heißer Priester" (das ist der Fachbegriff). So konnte Fleabag überraschend nicht nur den Emmy für die Beste Comedy-Serie abstauben, sondern auch in drei weiteren Kategorien siegen. Mehr Preise gewann bei der nächtlichen Verleihung keine andere Serie, vor allem nicht die eigentlichen Comedy-Favoriten: Amazons The Marvelous Mrs. Maisel und HBOs Dauer-Sieger Veep - Die Vizepräsidentin.

Game of Thrones erhielt beim auf zwei Wochenenden verteilten Emmy-Marathon insgesamt 12 Statuetten, doch bei der gestrigen Hauptgala waren es nur 2, nämlich jene für die Beste Dramaserie und Peter Dinklage als Bester Nebendarsteller (Drama). Ein feuriger Triumphzug war es nur auf dem Papier.

Emmy 2019: Eine schlechte Show mit guten Preisen

Die Emmys wurden nicht zum verlängerten Abschiedsspecial der Fantasyserie, auch wenn das den Quoten vermutlich gut getan hätte. Stattdessen erhielt sich die Show durch überraschende Entscheidungen am Leben.

Auf der Bühne war schließlich so gut wie nichts los. Einige wenige aufregende Dankesreden, welche die gerechte Bezahlung von Frauen (Michelle Williams) sowie die berufliche Gleichberechtigung und Repräsentation von LGBTQ+-Menschen (Patricia Arquette und Billy Porter) einforderten, halfen über die unnatürlichen Witzeleien hinweg.

Game of Thrones

Der Miniserien-Sieg von Chernobyl kam noch erwartet. Anders sah es mit ebenfalls ausgezeichneten Serien wie Ozark, Succession, The Act oder A Very English Scandal aus, die dem ein oder anderen Favoriten einen Strich durch die Rechnung machten. Die ganz großen Enttäuschungen blieben weitgehend aus, einmal abgesehen von dem TV-Film-Emmy für Black Mirror: Bandersnatch, der wesentlich verdienter im Whiskey-Regal von Deadwood: The Movie gestanden hätte.

Selbst der Kritikerliebling When They See Us von Netflix wurde mit einem verdienten Darsteller-Emmy vertröstet.

Game of Thrones bleibt einzigartig ins unserer Serien-Ära

Die Ironie der Emmys 2019 blieb natürlich, dass die großen Serien-Abschiede sich kaum in Preise umsetzten. Allen voran The Big Bang Theory, eine enorm erfolgreiche Sitcom, die vor fünf Jahren noch Hauptdarsteller-Emmys erhielt. Dieses Jahr gab es ein paar Bildschnipsel zum Abschied nach 12 Staffeln und ärmliche zwei Emmy-Nominierungen in technischen Kategorien.

The Big Bang Theory

Im ständig wachsenden und wieder verkümmernden Serien-Dschungel, das zeigten die Emmy Awards, bleibt kaum noch Zeit, um Serien 12 Staffeln bis zum Ende zu begleiten. Die Zukunft ähnelt eher dem britischen Muster von Fleabag. Wenige Folgen, wenige Staffeln, eine Explosion an Aufmerksamkeit und dann ist Schluss. Auch hier bleibt Game of Thrones eine Ausnahme, die die Regel bestätigt.

Nur wenige Serien können heute solch eine große und treue Zuschauerschaft um sich sammeln und noch weniger mutieren zu einem kulturellen Phänomen, über das jeder spricht und das bis zur allerletzten Folge von acht Staffeln.

The Big Bang Theory wurde wöchentlich von Millionen gesehen. Die Macher konnten von Einfluss und Aufmerksamkeit früherer Sitcom-Finale, wie sie Friends und Seinfeld feierten, nur träumen. Wenn Modern Family, ehemaliger Emmy-Dauerbrenner, demnächst endet, wird es ähnlich verlaufen. Die Emmys waren dieser längst bekannten Realität unserer Serienwelt selten so nah wie 2019. Eine halbwegs unterhaltsame Show hätte trotzdem nicht geschadet.

Was sagt ihr zu den Emmy-Gewinnern 2019?

Kommentare

Mehr zum Thema

Angebote zu Game of Thrones & aktuelle News

Themen: