Free Fire - Das sagen die Kritiker zur Schießorgie von Ben Wheatley

Free Fire - Die Kritikermeinungen gehen auseinanderSplendid
06.04.2017 - 11:35 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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Ab heute läuft der schießwütige Film Free Fire von Ben Wheatley in den Kinos. Lest hier, was die Kritiker zum minimalistischen Kugelhagel sagen.

Free Fire ist eine Hommage an das Actionkino der 70er Jahre. Übergroße Hemdkragen, eine bunte Farbauswahl an Anzügen und spaßige Gesichtsbehaarungen gehören hier zum Setting. In dieser comichaften Szenerie begegnen sich zwei Gruppen von Gangstern, die einen Waffendeal geplant haben. In einer alten Lagerhalle sollen nun Geld und Waffen ausgetauscht werden. Doch bei den vielen supergroßen Egos im Raum kann bereits die kleinste Bemerkung zur Explosion führen. Schon beginnt eine lange Schießorgie, in der jeder und jede versucht, seine oder ihre eigene Haut zu retten und vielleicht doch noch mit Geld oder Waffen in der Hand den Laden zu verlassen.

Regisseur Ben Wheatley erklärte im Vorfeld, dass Free Fire aus seiner Liebe für abgebrühte Kriminalfilme wie Asphalt Dschungel, The Killing und French Connection heraus entstanden war. Sein Ziel sei es gewesen, einen modernen 70er-Jahre-Film zu drehen. Diese Idee konnte sogar Martin Scorsese als Ausführenden Produzenten gewinnen.

Hier die harten Fakten zu Free Fire:

  • 14 Kritiker-Bewertungen mit einem Durchschnitt von 5,6
  • 75 Community-Bewertungen mit einem Durchschnitt von 5,7
  • 10 Kritiken und 10 Kommentare
  • 0 x Lieblingsfilm und 0 x Hassfilm
  • 252 Vormerkungen, 6 sind nicht interessiert

Das sagen die englischsprachigen Kritiker zu Free Fire

Stephen Dalton von The Hollywood Reporter  zeigt sich angetan vom Konzept des Films, ist allerdings vom Ergebnis enttäuscht:

Trotz der herausragenden Fähigkeiten, die in Free Fire zusammenkommen, ist der Film ein missglückter Versuch, sich vor einem Genre zu verneigen. Eine Übung, die letztendlich ihr Ziel verfehlt. Die Umsetzung mag eindrucksvoll sein, genauso wie die Ansammlung talentierter Schauspieler, jedoch verliert die Grundidee schon gegen Mitte des Films an Fahrt. Verglichen mit Wheatleys bisherigen Werken fühlt sich dieser überzeichnete Thriller gehaltlos an.

Variety s Peter Debruge äußerte Respekt vor dem Schnitt des Films. Zudem lobte er die Aussagekraft, die sich im Handeln der Charaktere in Free Fire finden ließe:

Allein wenn man die bloße Menge an Charakteren bedenkt, muss es eine immense logistische Herausforderung gewesen sein, diesen dreidimensionalen Tumult (den Kameramann Laurie Rose aus so vielen Blickwinkeln wie möglich einfängt) zu schneiden. [...] Die Tatsache, dass alle ihre Waffen niederlegen und dann den Deal über die Bühne bringen könnten, bestärkt Wheatleys grundlegend zynische Herangehensweise. Was uns wieder einmal klarmacht, dass es nicht Waffen sind, die Menschen töten, sondern Idioten mit dem Drang zur Überkompensation.

Auch Helen O'Hara von Empire  lobte die Zeichnung der Charaktere und die Erzählweise von Free Fire:

Wheathleys minimalistische Erzählweise ist beeindruckend. Obwohl in dieser Geschichte von einem missglückten Waffendeal zehn Schlüsselfiguren und mindestens vier Gruppen vorkommen, können wir nach ca. 20 Minuten, wenn die Kugeln zu fliegen beginnen, ganz genau vorhersagen, wen die jeweilige Figur angreifen oder verteidigen wird. Das ist nur deshalb möglich, weil vorher ihre Persönlichkeiten und zwischenmenschlichen Beziehungen greifbar etabliert wurden.

Das sagen die deutschsprachigen Kritiker zu Free Fire:

Für Tim Slagmann von Filmdienst  ist der Film vor allem eine brutale Fingerübung ohne erzählerischen Gehalt.

Der mögliche Reiz dieser Dauerschießerei liegt exakt in diesen stilistischen Fingerübungen, [...]. Auch die erdigen Farben der Lagerhalle, die so satt in einem warmen Licht erstrahlen, wie es im digitalen Kinozeitalter kaum noch denkbar erscheint, sorgen für beeindruckende ästhetische Effekte.
Diejenigen Effekte allerdings, nach denen die Inszenierung so bemüht hascht, verpuffen gänzlich. Es entsteht keine Dringlichkeit, wenn ein unsympathischer Typ nach dem anderen auf der Suche nach Deckung von Schutthalde zu Schutthalde hechtet und ab und zu blind in den Raum ballert.

Frank Arnold von EPD Film  kritisiert ebenso die mangelnde Identifikation mit den Hauptfiguren von Free Fire.

Emotional wird der Zuschauer jedoch auf Distanz gehalten. Große Sympathien empfindet er nicht, vielleicht für die einzige Frau (Brie Larson), weil sie sich in dieser Männerwelt zu behaupten weiß, vielleicht auch für Armie Hammers Ord, weil er so cool ist. Ansonsten erregen die Figuren wohl eher Antipathie wie der überdrehte Junkie Stevo (Sam Riley), dessen Taten vom Abend zuvor den Auslöser des Zwists bilden.

In dieselbe Kerbe schlägt Karsten Munt von Critic , der findet, dass der Minimalismus der Handlung der Entwicklung glaubwürdiger Figuren zu sehr schadet.

[...] je mehr Figuren Wheatley vom Brett räumt, desto deutlicher wird, dass Schlagabtausch und Genre-Reduktion auf einen Patt zusteuern. [...] Lustlos arbeitet sich Free Fire durch die Spleens der einzelnen Figuren, die als reine Platzhalter seiner Humormasche immer wieder mit ironischem Gehabe die Situation kommentieren. Entsprechend dieser Platzhalterrolle ist es eben auch völlig egal, ob und wann diese Figuren mit welcher Verletzung aus dem Rennen scheiden.

Fazit zu Free Fire

Die englischsprachige und die deutschsprachige Kritik scheinen gespalten. Alle halten den Minimalismus von Free Fire für eine Fingerübung des Genrefilms. Jedoch kommen sie zu teilweise gänzlich unterschiedlich Schlussfolgerungen. Während englischsprachige Kritiker Ben Wheatley dafür loben, dass er in kurzer Zeit glaubwürdige Charaktere und Motive entwirft, wirft ihm die deutschsprachige Kritik Hang zur Plattitüde vor. Sie bemängeln, dass es schwierig sei, sich mit den einfach gestrickten, kaum entwickelten Figuren im Film zu identifizieren. Das wiederum mache das Geschehen auf der Leinwand belanglos. Eine Belanglosigkeit, die von der englischen Kritik wiederum als gut eingesetztes Stilmittel gelobt wurde.

Für einen großartigen Film scheint Free Fire kaum jemand zu halten, jedoch scheint er so speziell zu sein, dass er es vermag, ein weites Spektrum an Gefühlsäußerungen und Meinungen hervorzurufen.

Glaubt ihr, dass euch Free Fire gefallen könnte?

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