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Ein Individualist ist gegangen

Filmemacher Chris Marker ist tot

31.07.2012 - 10:02 Uhr
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Szene aus Am Rande des Rollfelds von Chris Marker
© Argos Films
Szene aus Am Rande des Rollfelds von Chris Marker
Chris Marker ist tot. Der unkonventionelle französische Filmemacher starb am Sonntag im Alter von 91 Jahren. Sogar der französische Staatspräsident kondolierte.

Der französische Filmemacher Chris Marker ist am Sonntag an seinem 91. Geburtstag gestorben. Wobei wir uns über seinen Geburtstag genau so wenig im klaren sein können wie über andere Details seiner Biographie. Hieran zeigt sich schon: Chris Marker war ein komplizierter Mann. Die breite Öffentlichkeit dürfte ihn auch nur indirekt gekannt haben, obwohl einer seiner Filme erklärtes Vorbild für 12 Monkeys von Terry Gilliam war.

Chris Marker galt als Erneuerer des Dokumentarfilms, da er den sogenannten Essayfilm miterfand, in dem aus dem Off gesprochene Texte eine auf den ersten Blick unzusammenhängende Material-Collage (bestehend zum Beispiel aus Selbstgedrehtem, Nachrichten, Fotos oder Zeichnungen) zusammenhalten. So setzte sich auch sein einziger Spielfilm La Jetée – Am Rande des Rollfelds bis auf das bewegte Bild eines Augenaufschlags nur aus Standbildern zusammen. Am Randes des Rollfelds wurde von Vertigo – Aus dem Reich der Toten von Alfred Hitchcock inspiriert und diente selbst als Vorlage des Drehbuchs für Terry Gilliams Twelve Monkeys. Der Film erzählt die Geschichte eines Mannes, der durch wissenschaftliche Experimente nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch in die Zukunft blicken kann.

Chris Marker war ein Multitalent, neben Filmemacher arbeitete er auch als Autor, Aktivist, Fotograf, Kritiker und Poet. Geboren wurde er am 29. Juli 1921 als Christian-François Bouche-Villeneuve in Neuilly-sur-Seine, einem Vorort von Paris. Oder aber auch am 21. oder 22. Juli 1921, so genau weiß das keiner. Während es teilweise heißt, er sei in Belleville geboren, sagte Chris Marker selbst einmal, er stamme aus dem mongolischen Ulan Bator. Als er noch Bouche-Villeneuve hieß, studierte er Philosophie, nach dem Zweiten Weltkrieg benannte er sich in Chris Marker um und begann, Filme zu drehen; hierbei hatte er zunächst eine journalistische Herangehensweise. Auch war er Teil der Rive Gauche-Bewegung, die nonkonformistisch ausgerichtet war und mit der politischen Linken sympathisierte, sich sehr für Literatur interessierte und experimentelle Filme drehte.

Dementsprechend hielt sich auch Chris Marker nicht an überkommene Konventionen, sondern ging stets neue, eigene Wege, um sich zum Beispiel wie in Am Rande des Rollfelds mit der Subjektivität von Wahrnehmung und Gedächtnis zu befassen. Chris Marker war aber auch sozialpolitisch engagiert, so drehte er einen Film über europäischen Kunstraub in Afrika (Auch Statuen sterben), bezog filmisch Stellung für Kuba und gegen den Vietnamkrieg; in Sans Soleil – Unsichtbare Sonne werden fremde Kulturen mit der westlichen Lebensweise konfrontiert. Auch drehte Chris Marker Portraits anderer Filmemacher, zum Beispiel von Andrei Tarkowski oder Akira Kurosawa. Interviews gab Chris Marker wenige, fotografieren ließ er sich ungern. Seine Filme sollten genug sein für das Publikum und er besaß eine Katze namens Guillaume, die er in Second Life seine Werke vorstellen ließ.

Wie werdet ihr Chris Marker in Erinnerung behalten?

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