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Zum Welttag des audiovisuellen Erbes

Filme, die wir für die Nachwelt aufbewahren würden

27.10.2010 - 08:50 Uhr
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Sergej M. Eisenstein
© flixter.com
Sergej M. Eisenstein
Heute ist der Welttag des audiovisuellen Erbes. Er ist nicht so berühmt-berüchtigt wie andere internationale Ehrentage, aber für uns wichtig. Wir präsentieren eine kleine Auswahl an Filmen, die unbedingt der Nachwelt erhalten bleiben sollten.

Am 27. Oktober wird der Welttag des audiovisuellen Erbes begangen, die UNESCO hat ihn 1980 ins Leben gerufen, um zum Schutz und zur Erhaltung bewegter Bilder aufzurufen. Das war auch dringend notwendig, denn leider wurde und wird der Film in Sachen Archivierung sehr sträflich behandelt. Wie es auf der Website des Welttages heißt, sind noch etwa 15 Prozent aller in Deutschland produzierten Filme aus der Stummfilmzeit erhalten, auch zahlreiche Tonfilme sind verschollen. Noch prekärer ist die Situation im Bereich des Experimentalfilms. Heute in Zeiten von DVD, Blu-ray und Multimedia-Festplatten erscheint es undenkbar, dass Filme einfach verschwinden. Aber wie lange werden die Dinge wohl halten? Wer sammelt und archiviert die Filme? Wer zahlt für die Aufbereitung?

Wir sind zum Welttag des audiovisuellen Erbes mal in uns gegangen und haben einige Filme aus dem Gedächtnis gekramt, die wir für besonders bewahrenswert halten. Der Nachwelt sollten sie unbedingt erhalten bleiben.

Frühen Horror gilt es laut Till zu archivieren
Rouben Mamoulian hat mit seiner Version des Romans von Robert Louis Stevenson die vielleicht stärkste von über 50 Verfilmungen des Stoffes inszeniert. Filmhistorisch ist Dr. Jekyll und Mr. Hyde ein Meilenstein, zum einen wegen der Tricktechnik, die den Zuschauer auch nach knapp achtzig Jahren noch in Staunen versetzt, zum anderen ist Dr. Jekyll und Mr. Hyde der erste Film, der die Idee der subjektiven Kamera bzw. des Point-of-View-Shots umsetzt. Auch das Schauspiel des Films ist nicht schlecht, immerhin wurde Fredric March für Dr. Jekyll und Mr. Hyde mit dem Oscar als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet.

Ladenhüter müssen für Stefan aufbewahrt werden
Clerks – Die Ladenhüter von Kevin Smith muss für die Nachwelt aufbewahrt werden. Der Grund: Es ist der Film, der ein für allemal bewiesen hat, dass ein Regisseur mit Leidenschaft, Mut und Kreativität auch ohne Filmförderung, ohne Stars und mit einem Budget, das durch Aushilfsjobs zusammengekratzt wurde, einen Auteur-Film auf die Beine stellen kann, der es in Sachen Unterhaltung und Cleverness mit jedem Hollywood-Blockbuster aufnehmen kann. Dieser Film ist für mich das ewige Mahnmal gegen all jene, welche die Filmförderung verantwortlich für die deutsche Kino-Misere machen – denn Geld regiert nicht immer die Welt.

Vergessene Meisterwerke will Alex schützen
Die Teufelspuppe aus dem Jahre 1936 von Tod Browning ist bewahrenswert, weil er im Gegensatz zu Dracula und Freaks – Mißgestaltete vom gleichen Regisseur eher in Vergessenheit geraten ist, diesen aber in nichts nachsteht. Für mich einer der vielschichtigsten Horrorfilme der frühen Tonfilmzeit, in dem es um die magische Verkleinerung und diabolische Verkleidung von Menschen geht, und um starke Gefühle wie Rache, Aufopferung und Vaterliebe, ein vergessenes Meisterwerk, dass es unbedingt verdient, bewahrt zu werden.

Paul Wegeners Werk will Ines sehen
Paul Wegener war einer der ersten deutschen Theaterschauspieler, der um 1913 die Bedeutung des Films erkannte. Viele seine frühen Filme sind verschollen oder nur in schlechten Kopien verfügbar, dabei wurde ich gern sehen, was er aus den deutschen Sagen und Märchen um den Rattenfänger von Hamel, den Hans Trutz im Schlaraffenland oder um Rübezahls Hochzeit gemacht hat.

Orlindo schätzt Unangepasstes
Red Hot Riding Hood (1943) ist einer der wegweisensten Animationsfilme des goldenen Zeitalters von Hollywood: Tex Avery, der Schöpfer von Duffy Duck, perfektionierte mit der subversiven Rotkäppchen-Interpretation seinen Stil, der sich durch cartoonige Brutalität, sarkastische Spitzen und Zweideutigkeiten auszeichnete. Der Animationsfilm wurde damals mehrfach zensiert, inspirierte aber gerade aufgrund seiner unangepassten Art alle nachkommenden Generationen von Filmemachern nachhaltig.

Gesa will Melodramatisches für die Nachwelt sichern
Der Klassiker Der Mann, der lacht (1928) von Paul Leni ist ein melodramatischer Stummfilm über eine innige Liebe, der aufgrund seiner düsteren Atmosphäre auch dem Horrorfilm zugerechnet werden kann. Die Verlorenheit der Hauptperson, Gwynplaine, dem als Strafe für ein Vergehen seines Vaters ein immerwährendes Grinsen ins Gesicht geschnitten wird, geht zu Herzen. Denn obwohl er ein guter Mann ist, impliziert sein teuflisches Grinsen, dass er ein teuflischer Mann sein muss. Die Figur des Gwynplaine gilt als Vorbild für Batmans Erzfeind Joker.

Welche Filme haltet ihr für unbedingt bewahrenswert für unsere Nachwelt?

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