Community
Marvel trifft Inception

Film Review - Doctor Strange (2016)

04.11.2016 - 00:00 UhrVor 5 Jahren aktualisiert
0
0
Doctor Strange
© Walt Disney
Doctor Strange
Mit Doctor Strange begibt sich das MCU erstmals in die magische Welt der Zauberei. Der nicht ganz so alltägliche Superheldenfilm beindruckte im Trailer vor allem visuell im Stil von Christopher Nolans Inception - aber wie gut ist Doctor Strange wirklich?

You think you know how the world works. You think this material universe is all there is. What if I told you the reality you know is one of many?

Dr. Stephen Strange ist Neurochirug und ein Meister seines Faches. Während seine Arbeit als Arzt ohne Zweifel brilliant ist, lassen seine menschlichen Qualitäten eher zu wünschen übrig. An Arroganz kaum zu übertreffen, lässt Stephen Strange alle um sich herum deutlich spüren, wie wenig er von ihnen, im Gegensatz zu sich selbst, hält. Nach einem folgenschweren Autounfall jedoch (Handy weg vom Handy/Tablet beim Autofahren!), erleidet Stephen schwere Verletzungen an den Händen, die es ihm unmöglich machen seinen Beruf als Neurochirug weiter auszuüben. Seine verzweifelte Suche nach Heilung führt ihn schließlich nach Kamar-Taj in Nepal, wo er auf die Älteste (im englischen Original The Ancient One) trifft, die ihn die Kunst der Magie und Zauberei lehrt. Mit Erfolg: der skeptische Wissenschaftler wird tatsächlich zum erfolgreichen Zauberer und muss sich schon bald Kaecilius, einem ehemaligen Schüler der Ältesten stellen, der die Zerstörung der Erde plant.

In vielerlei Hinsicht erinnert Doctor Strange an Iron Man aus dem Jahre 2008. Ziemlich arrogant, in ihrem Fachgebiet allerdings brilliant, sind sich Stephen Strange und Tony Stark gar nicht so unähnlich. Erst ein einschneidendes Erlebnis, Stranges Autounfall und seine Folgen, Tonys Entführung und seine Flucht, bringt die beiden dazu ihr Leben und ihre Handlungen zu hinterfragen. Wie Iron Man gelingt es auch Doctor Strange sehr gut, diese persönliche Wandlung des Hauptcharakters darzustellen. Neben dem Visuellen ist das meiner Meinung nach Doctor Stranges größte Stärke: die überzeugende Darstellung der persönlichen Wandlung des Hauptcharakters. Das liegt auch zu großen Teilen an Benedict Cumberbatch, der Doctor Strange überzeugend spielt und dem Charakter eine gewisse Tiefsinnigkeit verleiht, was dem Drehbuch des Films nicht immer gelingt (aber dazu komme ich später noch).

Der Cast von Doctor Strange ist insgesamt top. Neben Benedict Cumberbatch sind noch Tilda Swinton (The Ancient One), Mads Mikkelsen (leider nur als Teilzeit Bösewicht Kaecilius), Chiwetel Ejiofor (Baron Mordo), Rachel McAdams (Christine Palmer) und Benedict Wong als Bibliothekar (Comic Relief des Films, und mal ehrlich, Bibliothekare sind doch wirklich so;). Alle machen ihre Sache, so weit es das Drehbuch zulässt, sehr gut.

ABER, und das ist nicht nur ein Doctor Strange spezifisches Problem, sondern ein allgemeines Marvel Problem, der Bösewicht kann nicht überzeugen. Und das will schon etwas heißen, wenn Mads Mikkelsen die Rolle des Antagonisten übernimmt. Zu wenig Screentime und wenig überzeugende Dialoge lassen Mads Mikkelsens Figur nicht wirklich zur Geltung kommen, wenn, dann nur in Ansätzen. Schade, denn hier wäre viel mehr drin gewesen. An Mads Mikkelsen lag es jedenfalls nicht, er hat aus seiner Rolle so viel wie möglich herausgeholt. Marvel sollte dieses "Bösewicht Problem" (ich nenne es einfach mal so) dringend in den Griff bekommen, Loki allein reicht nicht für das komplette MCU. Und wie wir alle wissen, braucht jede gute Geschichte einen guten Bösewicht, ansonsten macht das Ganze nur halb so viel Spaß.

Auch Baron Mordos Charakter, besonders dessen Wandlung am Ende, war meiner Meinung nach nicht wirklich überzeugend dargestellt. Das Mordo nicht der fromme Diener der Ältesten bleibt war mir, dank einer kleinen Recherche vor meinem Kinobesuch, bereits bekannt, aber warum genau sich seine Ansichten zum Ende so drastisch umkehren bleibt im Film irgendwie unklar. Seine Motive werden nur in Ansätzen angedeutet, am Ende scheint Mordo nur plötzlich der Ansicht zu sein, es gäbe zu viele Zauberer auf der Welt, ein Umstand gegen den er nun entsprechend vorgehen müsse. Warum? Weil die Älteste ein paar Mal von verbotenen Zaubern Gebrauch gemacht hat? Mordos Gesinnungswandel hätte man meiner Meinung nach einfach stärker herausarbeiten müssen, so erscheint das Ganze ein wenig unglaubwürdig. Erneut muss ich jedoch betonen, dass dies ein Drehbuch geschuldetes Problem ist, Chiwetel Ejiofor liefert eine ordentliche Vorstellung ab.

Ausgesprochen gut gelungen sind hingegen die visuellen Effekte. Absolut top. Selten hat sich der 3D Aufpreis so sehr gelohnt wie hier (und ich bin normalerweise jemand, der immer meckert, dass der 3D Aufpreis völlig ungerechtfertig war). Nicht so bei Doctor Strange. Es sieht einfach toll aus, wenn sich Häuserfassaden ganzer Städte im Inception-artigen Stil verdrehen, oder wenn die Älteste Stephen Strange mithilfe von Magie durch verschiedene Dimension schickt. Einziger kleiner Kritikpunkt: manchmal übertreibt man es mit den Effekten ein wenig zu sehr, was dazu führt dass das Ganze manchmal ein wenig an Wirkung verliert. Zum CGI Overkill kommt es jedoch nie, und das rechne ich dem Film hoch an.

Michael Giacchino liefert einen gewohnt guten Soundtrack ab (mit einem kleinen Einschlag von Pink Floyd), der stimmungsmäßig gut mit dem Rest des Films harmoniert. Aber das Giacchino ein sehr guter Komponist ist, wissen wir ja schon seit längerem (Pixars Oben oder der Star Trek Reihe sei Dank). Wäre schön, wenn Giacchino nochmal im Marvel Universum randürfte.

Weiteres Highlight des Films: Stephen Stranges Cloak of Levitation (klingt irgendwie so viel cooler als "Schwebeumhang" im Deutschen). Der eigenwillige Umhang sieht nicht nur gut aus, jeder Zauberer braucht schließlich einen ordentlichen Umhang, sondern hilft Stephen Strange auch einige Male in brenzligen Situationen. Der Teppich aus Aladdin lässt grüßen! Bei einer möglichen Fortsetzung von Doctor Strange hoffe ich auf weitere Szenen mit dem Cloak of Levitation, schon allein deshalb, weil ich gern selbst einen solchen Umhang hätte.

Gut gefallen hat mir zudem die Aussage zu Ende des Films. Fehler zu machen ist normal und es hat keinen Sinn sich auf immer und ewig vor möglichen Fehlern zu fürchten. Fehler gehören zum Leben dazu und manchmal muss man Dinge eben mehrmals verkehrt machen bevor man sie richtig machen kann.

Fazit: Das Drehbuch von Doctor Strange kann nicht zu 100% überzeugen und hat hier und da seine Schwächen. So weit ich weiß wurde das Drehbuch vor dem Drehstart von verschiedenen Autoren mehrmals überarbeitet, das merkt man leider. Auch die Dialoge hätten teilwiese stärker sein können. Der Film hat viele gute Ansätze, die aber oft zu oberflächlich bleiben, besonders im Bezug auf die Charaktere von Kaecilius und Mordo.

Und doch ist Doctor Strange ist ein guter und sehenswerter Film geworden. Nicht immer perfekt, aber mit vielen guten Momenten und Ansätzen, die man bei einer möglichen Fortsetzung hoffentlich konsequenter zu Ende verfolgen wird.

Ein ordentlicher Einstieg in die Welt des Mystischen und der Magie ist Marvel mit Doctor Strange aber auf jeden Fall gelungen!

Das könnte dich auch interessieren

Angebote zum Thema

Kommentare

Aktuelle News