Vom Neben- zum Hauptdarsteller

Ein Rollenporträt von Jason Clarke

Der Aufstieg des Jason Clarkes zum Affenflüsterer und A-List-Schauspieler
© 20th Century Fox
Der Aufstieg des Jason Clarkes zum Affenflüsterer und A-List-Schauspieler

Am 17. Juli 1969 geboren in Australien, genauer gesagt in einem abgelegenen Teil von Queensland, trat Jason Clarke für drei Wochen in die Fußstapfen seines Vaters. Dieser ist ein professioneller Schaf-Scherer. Mit welchem Engagement er es von den haarigen Tieren eines abgeschnittenen Schäfchen-Dorfs zu den dunkelhaarigen Brusttrommlern von Planet der Affen – Revolution schaffte und ob sein Rollenprofil stringent in eine Schublade einzuräumen ist, zeigen wir euch in diesem Porträt.

Clarkes frühe Rollen
Jason Clarke beschäftigte sich in seinen jungen Zwanzigern mit Theater. 1996 erhielt er seine erste kleine TV-Rolle in der australischen Fernsehserie Mercury. Seine Kino-Premiere feierte er in einer ebenfalls unscheinbaren Rolle, die bei der IMDB lediglich als “Guy #2” angegeben ist. In den Folgejahren wirkte er als Regisseur für Bühnen-Aufführungen. Seine Berufung als Schauspieler hätte er beinahe aufgegeben, wenn nicht Regisseur Phillip Noyce gewesen wäre: Dieser rekrutierte Clarke für die Rolle als Constable Riggs im kritisch vielfach gelobten Long Walk Home (2002). Als Riggs ist er dafür zuständig, Kinder der Aborigines ihren Familien zu entreißen. Diese unsympathische Rolle ebnete ihm zugleich seinen Durchbruch durch die Mauern, die in Hollywood einen gewöhnlichen Schauspieler umgeben. Seinen ersten größeren Auftritt erhielt er in der Showtime-Serie Brotherhood , in der er von 2006-2008 einen von zwei Brüdern verkörpert, die sich für verschiedene Seiten des Gesetzes entschieden haben. Dabei ist Clarke nicht etwa der Gangster, sondern der überwiegend korrekte Politiker Tommy Caffee.

Ein Aufstieg in Etappen mit Rollen zwischen Gut und Böse
In Death Race (2008) verschwendete er nahezu sein Talent. Der Examiner hat es treffend zusammengefasst: “Nach circa 15 Minuten wurde klar, dass der Großteil seines Jobs daraus besteht, im Hintergrund irgendeines anderen Schauspielers zu stehen. Ich war erstaunt, wie ein Schauspieler seines Kalibers so verschwendet werden kann, indem er als erweiterte Ausstattung genutzt wird.” In einem Film mit Jason Statham ist es eben schwierig, dessen Schatten zu verlassen, da Statham bekanntlich schneller als sein Schatten ist.

Dennoch scheinen die Produktionsgesellschaften in der Folgezeit Clarkes Potential, auch als Bösewicht, erkannt zu haben. Ob es an seiner typischen Schurken-Nase lag? Jedenfalls zeichnete sich ein Imagewandel ab. Statt als “offizieller” Gesetzeshüter, Politiker oder Schattentänzer spielt er eine offensichtlich kriminellere Rolle als Fluchtwagenfahrer und Komplize von Johnny Depp in Public Enemies (2009). Unter dem Rollen-Namen ‘Red’ Hamilton war er in Hollywood angekommen. Es sei zu erwähnen, dass er nie in einer US-Produktion als klischeebehafteter Aussie aufgetreten ist. Grund dafür ist seine Fähigkeit, akzentfreies Englisch sprechen zu können, welche bei seinen anschließenden Rollenangeboten sicherlich von Vorteil war. Als Chef der Feds in Wall Street 2: Geld schläft nicht (2010) und einer erneuten Titelrolle in der Serie The Chicago Code (2011) als Detective Jarek Wysocki rückt er wieder auf die rechte Seite des Gesetzes.

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Charakterstarke Rollen und aufopferungsvolle Vorbereitung
Für seine Rolle als CIA-Ermittler in Zero Dark Thirty (2012), seine erste Hauptrolle in einer Kinoproduktion war, brachte Jason Clarke spezielle Erfahrungen mit. So war er zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September 2001 als Backpacker in Afghanistan unterwegs und lehrte sich schon für Chicago Code Basiswissen im Bereich der Ermittlung an. In Zero Dark Thirty bereitete er sich sehr ungewöhnlich und authentisch vor: Um nachvollziehen zu können, wie die Foltermethode Waterboarding wirkt, unterzog er sich einer abgewandelten Version dieser. Es wurde ein Abbruchszeitpunkt festgelegt. Es sei ein Gefühl wie beim Surfen, wenn einen eine Welle überrascht. Von überall ströme plötzlich Wasser vor dein Gesicht und droht dich zu ertränken, sagte Clarke dem Hollywood-Reporter. Da lässt sich nachvollziehen, warum eines seiner Mottos das Folgende ist: “Meine liebste Arbeit an jedem Projekt ist die Vorbereitung. Hier triffst du die Menschen, die Experten.”

In den vergangenen drei Jahren spielte Clarke in immer bekannteren und größeren Produktionen mit: Vertreten war er unter anderem in Lawless – Die Gesetzlosen (2012), Der große Gatsby und White House Down (beide 2013). Bei den Reviews der Kritiker, die sich zu Planet der Affen- Revolution äußerten, gehen diese nur selten auf die schauspielerische Leistung der wirklich realen Darsteller ein. Viel wichtiger scheinen in diesem Blockbuster die Sets, die Effekte, die Computeranimation zu sein. Wenn das die Ansprüche des Publikums sind, dürfte es nicht verwunderlich sein, dass Handlungsstränge und emotionale Zusammenhänge, welche die deutschen Kritiker als Mankos des Films betiteln, auf der Strecke bleiben. Im Rahmen des Möglichen liefert Clarke in der Regel jedoch eine überzeugende Charakterinterpretation ab.

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Wie Matt Reeves über seinen menschlichen Schützling im tobenden Affen-Cast zu sagen pflegte: “Jason Clarke ist ein brillanter Charakter-Darsteller, der förmlich in seinen Rollen verschwindet, eins mit ihnen wird.” Reeves wollte diese Erzeugung emotionaler Wahrheit für seinen Blockbuster und er ist sich sicher, dass Clarke nach dieser Rolle nicht mehr unbekannt sein wird. Jason Clarke ist der Schrecken der Medien: Er lässt sein Privatleben außen vor und ist Hollywood letztlich nur durch seine Rollen bekannt. Er ist ein Schauspieler, der seine Rollen in den Mittelpunkt stellt und nicht sich selbst.

Auch wenn Jason Clarke äußerlich kein Channing Tatum ist, ist er für euch trotzdem ein interessanter Schauspieler?

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