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Mit Mel Gibson: Dragged Across Concrete ist die DVD-Premiere des Jahres

Dragged Across Concrete
© Universum Film
Dragged Across Concrete
Moviepilot Team
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Meint es gut mit den Menschen.

Dieser Film sei eine "abscheuliche rassistische Fantasie", schrieb The Daily Beast. Mit der Behauptung steht das Online-Magazin nicht allein da. Viele US-Filmkritiker nahmen Dragged Across Concrete nach der Premiere in Venedig gespalten auf, verrissen wurde er unter anderem von Vanity Fair, der Chicago Sun Times und dem New Yorker. Fast alle negativen Texte über ihn versuchten mehr oder weniger offensichtlich, seinen Regisseur S. Craig Zahler in der politischen Rechten zu verorten.

Ähnliche Reaktionen erhielten schon die vorangegangenen Filme Zahlers, der Kannibalen-Western Bone Tomahawk und die Splatter-Groteske Brawl in Cell Block 99. Produziert und vertrieben wurden sie vom unabhängigen Studio Cinestate, das dem Hollywood Reporter zufolge "eine Formel für profitable Genrefilme im Trump-Zeitalter" gefunden habe. Ob sich konservative und rechte Wähler bei S. Craig Zahler tatsächlich gut aufgehoben fühlen, darf jedoch bezweifelt werden.

Das komplexe Milieu von Dragged Across Concrete

Im Zentrum von Dragged Across Concrete stehen drei Männer. Henry (Tory Kittles) wurde gerade aus dem Gefängnis entlassen und ist bereits ins nächste krumme Ding verwickelt. Als Fluchtwagenfahrer arbeitet er mit einer Gruppe von Bankräubern zusammen (ihr Anführer: Thomas Kretschmann), um für seine drogenabhängige Mutter und den im Rollstuhl sitzenden Bruder aufzukommen. Henrys Vater, erfahren wir nebenher, ist mit einem anderen Mann durchgebrannt.

Der gemeinsame Coup verläuft grandios unerwartet, woran die zwei weiteren Hauptfiguren des Films einen gewissen Anteil haben. Ridgeman (Mel Gibson) und Lurasetti (Vince Vaughn) sind vom Dienst suspendierte Polizisten und kleben den Bankräubern aus eigenen finanziellen Interessen an den Fersen. Ihre Marken mussten sie abgeben, nachdem der Presse ein Video zugespielt wurde, das die Ermittler bei der brutalen Vernehmung eines mutmaßlichen Drogendealers zeigt.

Für Ridgeman und Lurasetti ist Polizeigewalt selbstverständlich. Nicht der Machtmissbrauch hat sie aus ihrer Sicht in die jetzige Lage gebracht, sondern die angebliche politische Korrektheit einer allzu empfindlichen Gesellschaft. Daher bleibe den Männern keine andere Möglichkeit als der kriminelle Weg. Der eine möchte seiner Familie ein neues Zuhause schenken, der andere schick heiraten. Und das kostet eben.

Spezielle Triggerpunkte drückt Dragged Across Concrete vor allem im ersten Drittel, als wolle S. Craig Zahler keine Gelegenheit zur Empörung verstreichen lassen. Die vorgeblichen Provokationen (von rassistischen und schwulenfeindlichen Dialogen bis zu stereotypen Figuren wie jüdischen Juwelieren und Bankmanagern) scheinen das Publikum gezielt herauszufordern. Es kann sich nur entsetzt abwenden oder der Geschichte in ihre zunehmend komplizierter ausgestalteten Milieus folgen.

Mel Gibson und Vince Vaughn als abgemeldete Männer

Dragged Across Concrete nämlich erzählt von (weißen) Männern, die in ihrer Welt nicht mehr viel zu melden haben - und das ist ganz allein deren Problem. Eingangs sitzen Ridgeman und Lurasetti im Frühstückrestaurant und rätseln, ob der dort laufende Song von einer Frau oder einem Mann gesungen wird, bevor sie sich einigen, dass das heute keinen Unterschied mehr mache. Was sich als miefiger Gag verkleidet, ist entscheidende Exposition. Die Männer haben ihre Definitionsmacht verloren.

Am schönsten sind die daran anschließenden Beschattungsszenen im Auto, wenn der allerorts Verweichlichung beklagende Vince Vaughn seinem Partner Mel Gibson Reinigungstüchlein für die Hände und Pfefferminzbonbons gegen schlechten Atem verordnet. Solcher Humor ist treffsicherer als jede plumpe Verhöhnung, zumal S. Craig Zahler ein bemerkenswerter Spagat gelingt. Er führt die reaktionären Kerle vor und gibt sie trotzdem nicht zum Abschuss frei.

Gegenüber Männern wie Ridgeman und Lurasetti musste der schwarze Ex-Knacki Henry - die Schlüsselfigur des Films - Überlebensstrategien entwickeln. Er hat sich einen defensiven Handlungs- und Sprachmodus angeeignet, durch den seine Umwelt ihn konsequent unterschätzt (besonders die ihn schikanierenden Komplizen). Und den Bankeinbruch absolviert er in Verkleidung eines weißen (!) Geldtransportfahrers, weil er somit weniger verdächtig wirke. Dragged Across Concrete ist kein rassistischer Film, es ist ein Film über Rassismus.

An Dragged Across Concrete verzweifelt die Ideologiekritik

Ärgerlich sind daher Kritiken wie jene von The Daily Beast, bei denen die Details der nacherzählten Handlung immer schon Beweis für eine angebliche Verkommenheit des Films sein sollen. Offenbar geht es in derart ideologiekritischen Texten allein darum, den eigenen politischen Standpunkt deutlich zu machen - und schließlich ein Kino, das von diesem Standpunkt abweicht oder auch nur von abweichenden Standpunkten erzählt, mit wüsten Vorwürfen zu überziehen.

Solcherlei Kritik führt unweigerlich zur irrigen Annahme, dass ein Film, der von Arschlöchern handelt, selbst ein Arschloch sein muss. Allzu leichtfertig kann S. Craig Zahler durch die Aufhebung der Differenz von Darstellung und Bekräftigung zum Right-Wing-Regisseur erklärt werden: Wer fragwürdige Inhalte präsentiert, ohne sich unter Verwendung vordergründigster Mittel von ihnen zu distanzieren, macht sich automatisch verdächtig.

Folglich kritisiert Manohla Dargis in der New York Times, Zahler lasse "Rassismus unbeantwortet im Raum stehen", weil sich Ridgemans Ehefrau (Laurie Holden) in einer Szene abwertend über schwarze Jugendliche äußert und dafür keine Widerrede von ihrem Mann erhält. Kaum auszudenken, wie Filme gestaltet sein müssten, die dieser intellektuellen Verkürzung gerecht würden. Spazierten dann permanent Figuren ins Bild, die falsche Aussagen anderer Figuren korrigierten?

Für so unmündig hält Dragged Across Concrete sein Publikum glücklicherweise nicht, und womöglich sind es gerade die Ambivalenzen, an denen manche Kritiker verzweifeln. Alles, was sie gegen den Film ins Feld führen, kann mühelos zu seinem Vorteil gewendet werden. Mit Gelassenheit steuert er auf einen fulminanten Schlussakt zu, in dessen absurder Gemengelage sich einmal mehr offenbart, dass alle Filme von S. Craig Zahler hintersinnige Komödien sind.

Dragged Across Concrete ist ab 23. August 2019 als DVD, Blu-ray und über Video-on-Demand erhältlich.

Zur Heimkino-Premiere des Films verlosen wir jeweile eine von 2 DVDs und 2 Blu-rays. Um am Gewinnspiel teilzunehmen, müsst ihr die Frage im Formular richtig beantworten und angeben, welches Format ihr gern hättet.


Das Gewinnspiel endet am 6. September 2019 um 23:59 Uhr.

Es gelten unsere allgemeinen Teilnahmebedingungen für Gewinnspiele, die ihr HIER nachlesen könnt. Wir bedanken uns bei der Universum Film GmbH. © 2019 Universum Film GmbH. All Rights Reserved.

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