Die Netflix-Serie Maniac zieht die Kritiker in ihren surrealen Bann

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You want it darker, we kill the flame.

Maniac mit Jonah Hill und Emma Stone ist waghalsiges Netflix-Experiment, bei dem sich die Macher um Regisseur Cary Fukunaga (gerade heute zum Regisseur von Bond 25 gekürt) und Drehbuchautor Patrick Somerville so richtig ausgetobt haben. Darüber zumindest sind sich die Kritiker einig. Gelobt werden die detailreichen Parallelwelten, in der sich die Charaktere verlieren, diverse Vergleiche mit beispielsweise Terry Gilliams Brazil fallen jedoch nicht immer zum Vorteil der visuell überbordenden Serie aus. Interessant ist Maniac auf dem Papier natürlich bereits aufgrund seiner beiden Hauptdarsteller, deren Chemie vor der Kamera aber durchaus unterschiedlich beurteilt wird. Alles in allem erweist sich die morgen startende Serie aus Kritiker-Sicht als Wagnis, das es sich auch für den Zuschauer einzugehen lohnt - umso mehr, wenn ihr für Unkonventionelles aufgeschlossen seid.

Worum geht es in Maniac?

Bei der Teilnahme an einer Medikamenten-Studie treffen Annie Landsberg (Emma Stone) und Owen Milgrim (Jonah Hill) aufeinander. Für beide lief das Leben bislang nicht optimal, doch das soll sich nun endlich ändern. Wie der Wissenschaftler und Erfinder Dr. James K. Mantleray (Justin Theroux) verspricht, löst das mysteriöse Arzneimittel sämtliche psychischen Probleme der Probanden, von Schizophrenie bis hin zu einem gebrochenen Herzen. Allerdings verlaufen die Tests etwas anders als erwartet und schließlich müssen Owen und Annie in die entlegensten Gebiete ihres Gehirns flüchten, um einander nicht aus den Augen zu verlieren. Damit fällt der Startschuss zu einem abgefahrenen Trip.

Das sagen die englischsprachigen Kritiker zu Maniac

Darren Franich sieht für Entertainment Weekly das Potenzial der Serie nicht erfüllt:

Die bloße Tatsache, dass Jonah Hill und Emma Stone zusammen in einer Netflix-Miniserie spielen, macht hier den Reiz aus. Aber ihre Dynamik versenkt die Serie; in jedem Universum lassen sie Chemie vermissen. [...] Es macht mehr Spaß, Maniac zu beschreiben, als die Serie anzuschauen. [...] Er [ Cary Fukunaga] mag offensichtlich Terry Gilliam, aber Maniac ist das, was passieren würde, wenn der Regisseur von Brazil jede Anmerkung des Studios dahingehend, die Charaktere sympathischer zu machen, berücksichtigt hätte. [...] In Anbetracht all seiner manischen Posen ist Maniac letztlich herablassend sentimental.

Der Indie Wire-Autor Ben Travers ist von Maniac fasziniert:

Es gibt keine Antworten auf die vielen Fragen, die Maniac aufwirft, somit ist es die Aufgabe der Serie, Tiefe, Bedeutung und Menschlichkeit in der Reise ihrer Figuren zu finden. Ab und zu liefern Somerville und Fukunaga diese Antworten innerhalb ihrer vielen Spinnräder. Dann wieder wird die Monotonie der Expositionen und Wiederholungen der Handlungen einschläfernd. [...] Maniac ist seinen Wissenschaftlern sehr ähnlich. Akademisch und entfremdend und doch überraschend geerdet, dürfte die Miniserie viele Kommentare, Facharbeiten und inbrünstige Studien über ihre visuellen Fähigkeiten inspirieren.

Daniel D'Addario zieht bei Variety einen verheißungsvollen Vergleich:

Maniac ist ein Genre-Crescendo, das nicht aufhört, anzuschwellen. Der nützlichste Vergleich mag nicht der mit 'True Detective', sondern mit der Serie 'Westworld' sein, die sich weigert, auf ein einziges Thema oder eine Zeitlinie festgelegt zu werden, während sie unangenehme Aussagen über menschliche Erfahrungen in Zeiten großer Veränderungen trifft. [...] Als Versuch von etwas Neuem besteht Maniac jeden Test und steigt sofort zu einer der besten TV-Produktionen des Jahres auf. Die Beharrlichkeit der Serie, unerwartete Blickwinkel freizulegen, ist ihre große Gabe.

Das sagen die deutschsprachigen Kritiker zu Maniac

Für Hannah Pilarczyk von Spiegel Online will die Serie einfach zu viel:

Die Formate, auf die diese buchstäblichen 'Episoden' anspielen, sind hierbei offensichtlich. Es sind 'Fargo', 'Sopranos' und 'Herr der Ringe'. Auch die Rahmenhandlung im Labor hat mit 'Legion' ein direktes Vorbild. Das Problem bei 'Maniac' ist aber nicht, dass die Serie weder 'Fargo' noch 'Sopranos' noch 'Legion' ist. Das Problem ist, dass sie 'Fargo' UND 'Sopranos' UND 'Legion' sein will. Alles steht unverbunden nebeneinander, nicht zuletzt die Spielstile der Schauspieler. [...] So hängt 'Maniac' nicht wie bei Netflix-Serien üblich zur Mitte hin durch, sondern von Anfang an und in jeder Folge.

Nach Ansicht von Carolin Werthmann, die für die Süddeutsche Zeitung schreibt, übertrifft Maniac die gleichnamige Originalserie aus Norwegen:

Während sich das Original auf zwanzigminütige Fragmente von Espens Eskapaden in der Fantasiewelt beschränkt und eher kurzweilige Unterhaltung statt vielschichtiges Geschichtenerzählen ist, statten Regisseur Fukanaga und Autor Patrick Somerville die Hauptfiguren in der Netflix-Version mit einer tiefgründigen Psychologie aus. Sie schaffen damit die Grundlage für eine Geschichte in einer komplexen, aber in sich immer schlüssigen Welt. Die Handlungen der einzelnen Folgen verknüpfen sich elliptisch zu einem übergeordneten Muster, zu der großen philosophischen Frage: Was ist überhaupt Realität? So entspinnt sich eine Odyssee durch Bewusstseinsschichten und Erzählebenen, eine große Gedankenakrobatik für die Zuschauer.

Die Mischung stimmt bei Maniac, findet Katrin Nussmayr von Die Presse:

Allein die Rahmenhandlung oszilliert zwischen Mystery, Psychodrama und Science-Fiction-Dystopie. Allerlei alternative Universen, die die Protagonisten unter Medikamenteneinfluss erleben, erweitern den Genremix, grotesk bleibt es dabei immer. [...] Je mehr man sich von dieser Serie in den Bann ziehen lässt, desto mehr fällt der Detailreichtum dieser (Parallel-)Welt(en) auf. Rätselhaft, aber raffiniert: 'Maniac', das kann man nach wenigen Folgen wohl sagen, ist eines der Serienhighlights des heurigen Herbstes.

Ihr habt noch nicht genug von Maniac? Dann geht es hier weiter

Maniac ist in diesem Monat natürlich nicht die einzige Serien-Neuheit bei Netflix. Wir haben das September-Programm des Streaming-Anbieters für euch aufgelistet. Ebenfalls nachlesen könnt ihr bei uns die besten internationalen Serienstarts sowie die besten deutschen Serienstarts im September. Die 1. Staffel von Maniac ist ab dem morgigen 21.09.2018 bei Netflix zu sehen.

Werdet ihr Maniac auf Netflix gucken?

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