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Die große Anime-Saison-Extravaganza - Frühling 2016 Teil 1

Kabaneri, Flying Witch, JoJo
© Amazon/ Crunchyroll
Kabaneri, Flying Witch, JoJo
03.07.2016 - 08:50 UhrVor 4 Jahren aktualisiert
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Am 30. Juni hat die diesjährige Frühlingssaison für Animes offiziell geendet, viele Serien sind in der Zeit schon fertig geworden oder gehen ab Juli in die zweite Hälfte über. Ich habe mir das zum Anlass genommen, auf die letzten drei Monate zurückzublicken.

Mit dem Ende der letzten Anime-Season will ich hier einfach mal die 8 bis 10 Serien (abhängig von meiner Effizienz bis zur Deadline von Teil 2), die ich gesehen habe, Revue passieren lassen. Heute arbeite ich davon den ersten Part ab, in einer Woche folgt dann der zweite Teil.

Ace Attorney

Ace Attorney

Als großer Fan von Capcoms Phoenix Wright-Spielen habe ich mich auf diese Serie besonders gefreut. Zugegeben, Serien, die auf Spielen basieren, haben eine ähnlich holprige Geschichte wie entsprechende Spielfilme. Aber nachdem Takashi Miike mit Ace Attorney die bisher vielleicht beste Spieleverfilmung drehte, hatte ich auch viel Hoffnung für den Anime. Leider wurden meine Erwartungen nicht erfüllt.

Das größte Problem des Ace Attorney-Animes besteht darin, dass ihm ein richtiges Gewicht fehlt. In den Spielen wurde durch das Sammeln von Beweisen, der Untersuchung aller Faktoren und einem ständigen Hin und Her ein Spannungsbogen aufgezogen, der sich mit dem Aufwickeln der Fälle gleichmäßig entlud. Dies fehlt bei der Umsetzung, die die Events aus dem Spiel geradlinig abarbeitet und dabei eher als eine nette Erinnerung für erfahrene Spieler dient, für Neueinsteiger aber ziemlich ungeeignet wirkt. Dazu kommt ein unglaublich generisches Opening, das verlässlich jedes nur erdenkliche Klischee in sich aufnimmt. Immerhin das Ending ist solide, mehr aber auch nicht.

Trotz meiner Enttäuschung würde ich Ace Attorney aber nicht als schlechte Serie bezeichnen. Es bietet ein paar amüsante Extra-Szenen, die im Spiel nicht enthalten waren, und legt ab Folge 5 ordentlich an Qualität dazu (die 3-Folgen-Regel greift hier also nicht). Außerdem mochte ich die Umsetzung von Maya besonders, die in der Miike-Verfilmung leider sehr kurz gekommen ist. Zudem schätze ich sehr, dass Crunchyroll sich die Umstände gemacht hat, gleich zwei Arten von Subs einzubauen: Eine Version, die das Original getreuer umsetzt, und eine, die sich mehr an den Spielen orientiert. Da haben sich die Übersetzer einige Freiheiten herausgenommen, den Spielen aber noch eine besondere Note verpasst. Die Videospiele bleiben die optimale Art, die Geschichte zu erleben, gefolgt von der Realverfilmung. Der Anime ist dagegen nur ein netter Bonus. Übrigens wurde in der Saison das erste Spiel komplett adaptiert, der zweite Teil, Justice for All, beginnt nächsten Freitag.

Flying Witch

Flying Witch

Kommen wir von einer ziemlichen Enttäuschung direkt zu einer angenehmen Überraschung, denn Flying Witch wurde unerwartet zu einem meiner Favoriten der letzten Season. Ich bin generell kein Freund von Slice-of-Life-Shows, aber Flying Witch hat sein Geschehen mit einem immer präsenten magischen Element aufgepeppt und so eine sehr charmante und unterhaltsame Show geschaffen, die sich toll dazu eignet, einfach mal etwas zu entspannen und runterzukommen. Durch den Einbau von Hexen-Folklore allgemein und japanischer Folklore im Speziellen bleibt die Serie dabei immer interessant, und trotz wenig Komplexität sind die Charaktere doch sehr sympathisch und passen gut in die Geschichte.

Zudem bietet Flying Witch mein liebstes Opening der Saison, das durch seinen originellen Stil zu denen gehört, die ich nie überspringen werde und mir auch gerne einfach so in meiner Freizeit gebe.


Kabaneri of the Iron Fortress

Kabaneri of the Iron Fortress

Ein weiterer meiner Favoriten dieser Saison war eine düstere, utopische Action-Serie von Tetsuro Araki. Die Welt wurde von willenlosen, nahezu unzerstörbaren Zombies überrannt, und die wenigen verbliebenen Menschen ziehen sich in Städte mit riesigen Mauern zurück, die schon öfter unter einem Ansturm nachgaben. Inmitten dieses Überlebenskampfes muss unser Hauptcharakter lernen, wie durch einen einfachen Fehltritt sein Leben ohne weiteres verwirkt sein kann. Doch als alles scheinbar zu Ende geht, erhält er unerwartet die Kräfte dieser willenlosen Kreaturen und kann damit auch endlich seine Mitstreiterin in Sachen Kampffertigkeiten einholen. Unterlegt wird das alles mit einem atemberaubenden Soundtrack von Hiroyuki Sawano. Aber erstmal genug von Attack on Titan, ich bin hier, um über Kabaneri of the Iron Fortress zu reden.

Eigentlich nehme ich der Serie die starken Parallelen zu AoT gar nicht übel, nicht zuletzt weil wir da schon seit drei Jahren auf eine Fortsetzung warten. Somit ist Kabaneri dank des beteiligten Talents zum einen eine adäquate Füllung für diese Lücke in meinem Herzen, trotzdem schafft es mit seinem eigenen World Building und einer Interpretation des mittelalterlichen Japans mit im Gegensatz zu Titans stark europäischer Note, sich von seinem spirituellen Vorgänger abzugrenzen. Was es ihm dagegen völlig gleichtut, ist die Qualität der Musik. Denn Sawanos Score ist wieder überragend.

JoJo's Bizarre Adventure: Diamond is Unbreakable

Ich habe vor einigen Tagen schon die Gelegenheit genutzt, ausführlich über die Gesamtheit von JoJo's Bizarre Adventure zu schreiben. Daher kann ich direkt auf den Artikel verweisen und mich an dieser Steller kurz halten: Diamond is Unbreakable (oder im Original Diamond is not crash, denn Japan kann einfach besser mit Englisch umgehen als der Rest der Welt) ist bis jetzt mein liebster Teil der Serie, die bisher in jeder Season zu den Highlights gehörte.

Big Order

Wie kann eine Serie glaubwürdig rüberbringen, dass ein scheinbar allmächtiger Charakter trotz seiner Fähigkeiten in Schwierigkeiten steckt? Man denke zum Beispiel an One Punch Man, das auf jegliche Art von Spannung verzichtet und das mit einem großartigen Humor und einem tollen Cast an Nebencharakteren ausgleicht. Oder JoJo (nein, ich war noch nicht ganz fertig), in dem jede Fähigkeit auch an gewisse Eingrenzungen gebunden ist. Big Order hat dafür auch einen sehr originellen Ansatz gefunden. Hier haben wir es mit einem Charakter zu tun, der alles in seiner direkten Umgebung unter seine Kontrolle bringen kann. Und sämtliche Konflikte entstehen dadurch, dass er seine Fähigkeit vergisst.

Charaktere kriegen ähnlich zu Madoka Stands à la JoJo mit furchtbaren Computergrafiken und geben sich gegenseitig auf die Mütze. Wenn Big Order auch keine absolute Katastrophe ist, würde ich es schon als Tiefpunkt der Saison bezeichnen. Eine unsinnige und willkürliche Story mit Charakteren, die kurzerhand ihre Motivation und Fertigkeiten komplett außer Acht lassen, macht Big Order zu einem sehr öden Anime, den ich eigentlich nur aus morbider Neugier weitergeschaut habe.

Vielleicht hat sich diese Neugier im Hinblick auf eine der absurderen Szenen auch ausgezahlt, die mir vielleicht als einzige länger im Gedächtnis bleiben wird: In der Mitte der gnädigerweise nur 10 Folgen langen Serie wird uns als Zuschauer versichert und schriftlich bestätigt, dass es sich bei den beiden Geschwistern tatsächlich nicht um Blutsverwandte handelt. Das ist sehr wichtig, denn direkt darauf folgt das (Bitte für den vollen Effekt spielen ):

Und mit diesem Beispiel traditionelle Quasi-Inzest beende ich meinen ersten Teil des Saison-Rückblicks. Hier geht es gleich weiter.

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