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Neu im Heimkino plus Gewinnspiel

Die Actionkomödie Midnight Run erstmals auf Blu-ray

Robert De Niro und Charles Grodin in Midnight Run – 5 Tage bis Mitternacht
© Koch Media
Robert De Niro und Charles Grodin in Midnight Run – 5 Tage bis Mitternacht
07.11.2015 - 08:50 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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An Midnight Run – 5 Tage bis Mitternacht hat der Zahn der Zeit nicht genagt: Auch 27 Jahre nach seiner Veröffentlichung ist er ein mustergültiges Beispiel für die bestechende Komik des Buddy-Kinos. Wir verlosen je eine von fünf Blu-rays zum Film.

Der Begriff Kopfgeldjäger mag an Wildwestfilme erinnern, beschreibt aber tatsächlich einen zugelassenen Beruf in den USA. Kautionsagenten haben dort das Recht, durch sie vertretene Angeklagte aufzuspüren, wenn diese nicht vor Gericht zu erscheinen und damit die hinterlegten Gelder der Agenten an den Staat zu gehen drohen. Ein Kopfgeldjäger wie der ehemalige Polizist Jack Walsh (Robert De Niro) wird also von seinem Kautionsbüro beauftragt, untergetauchte Klienten wie den diebischen Buchhalter Jonathan Mardukas (Charles Grodin) auf theoretisch legale Weise zu – das kann man eigentlich nicht anders sagen – kidnappen. Sicherlich kein ganz unproblematisches Gesetz, aber natürlich eine grandiose Prämisse fürs Kino: Der von Martin Brest gedrehte und seit seiner Veröffentlichung zu einem veritablen Genreklassiker gereifte Midnight Run - 5 Tage bis Mitternacht hat sich diese Idee so spektakulär zueigen gemacht wie vielleicht kein anderer Film.

Den flüchtigen Buchhalter schnappt sich der renitente Kopfgeldjäger zwar überraschend schnell, muss ihn aber daraufhin von New York nach Los Angeles überführen – was sich zugunsten einer haarsträubenden Roadmovie-Dramaturgie als Sisyphusaufgabe herausstellt. Nicht nur leidet dieser Mardukas unter schrecklicher Flugangst, er wird auch von skrupellosen Mafiaschergen, die er um 15 Millionen Dollar betrogen hat, sowie dem FBI-Agenten Alonzo Mosely (Yaphet Kotto) und einem anderen, allerdings ziemlich unfähigen Kopfgeldjäger (John Ashton) verfolgt. Der sehr an seiner versprochenen Provision interessierte Jack Walsh muss Mardukas deshalb quer durch die Vereinigten Staaten transportieren, immer wieder den Kautionsagenten Eddie Moscone (Joe Pantoliano) besänftigen, vor allem aber diverse Mord- und Verhaftungsversuche abwehren. Und selbstverständlich auch entpuppt sich der neurotische Gefangene als Nervensäge ohne Unterlass.

Drehbuchautor George Gallo hat die Vorlage zu Actionkomödien wie Wise Guys und Bad Boys - Harte Jungs geschrieben, und er scheint zu wissen, dass Buddy-Filme oft nur so gut sind wie die Chemie zwischen deren Protagonisten. Robert De Niro und der ewig unterschätzte  Deadpan-Comedian Charles Grodin spielen sich in Midnight Run derart aufeinander ein, dass man lediglich draufhalten muss. Die besondere Komik der Paarung ergibt sich dabei aus ihren Gegensätzen: Während De Niros leicht zu reizender Ex-Cop kursorisch unter Strom steht, legt Grodins von Recht wie Unrecht gleichermaßen bedrohter Buchhalter eine Entspanntheit an den Tag, die ihrerseits die Hysterie seines Kopfgeldjägers triggert. Mardukas, der natürlich nicht die Absicht hat, sich bereitwillig ins Gefängnis kutschieren zu lassen, macht seine Unterlegenheit auf passiv-aggressive Art produktiv. Er sucht eine menschliche Nähe zu Walsh, indem er ihn mit privaten Fragen nach Familie und Beruf löchert, um sich in dessen psychologischen Schwachstellen erst gemütlich einzurichten und anschließend jede Gelegenheit zur Flucht zu ergreifen.

Das bereitet, in einem schön altmodischen Sinn von Komödienkino, vor allem sehr viel Spaß, nutzt aber die Altmännersentimentalitäten des Buddy-Films zugleich für durchaus anrührende zwischenmenschliche Momente: Wenn das Gespann nicht gerade an verratzten Propellerflugzeugen baumelt oder souverän inszenierte Autokarambolagen verursacht, begegnet es sich im (Güter-)Zuge kurzer Verschnaufpausen allmählich auch auf Augenhöhe (obgleich mit relativierendem Zusatz: "I think even under different circumstances you and I probably still would have hated each other."). Und was da alles zusammengepafft wird! Kaum eine Szene ohne ansprechend ins Bild gerückte Fluppe, kaum ein zur gemeinsamen Flucht gewähltes (öffentliches) Transportmittel, das Robert De Niro nicht grandios zuqualmt – selbst die letzten paar Dollar gibt seine Figur, zum Leidwesen ihres hungrigen Kumpanen, für eine Schachtel Zigaretten aus.

In den US-amerikanischen Kinos startete Midnight Run im Juli 1988 eine Woche nach Stirb langsam und Ein Fisch namens Wanda. Der Film wurde ein moderater Hit, blieb aber sowohl hinter der Konkurrenz als auch den Erwartungen des Studios zurück. Erst über viele Jahre hinweg konnte er sich den Status eines Kultfilms erarbeiten, auch dank mehrerer Heimkinoauflagen und der fürs Fernsehen produzierten Fortsetzungsreihe mit Christopher McDonald als Kopfgeldjäger. Robert De Niro hat seither mehrfach versucht, seine hier großartig ausgespielten komödiantischen Fähigkeiten ins Selbstironische (Meine Braut, ihr Vater und ich) oder auch Selbstreferenzielle (Zwei vom alten Schlag) hinüberzuretten. Um den heute 80-jährigen Charles Grodin wiederum ist es schauspielerisch ruhig geworden, Regisseur Martin Brest hat sogar seit 12 Jahren überhaupt nichts mehr  von sich hören lassen. Nicht zuletzt deshalb umweht diesen Film ein glanzvoller Hauch des Vergangenen.

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