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Kommentar der Woche

Der Himmel über Berlin ist voller Wunder

Wie kann es sein, daß ich, der Ich bin, bevor ich wurde, nicht war...Abspielen
© StudioCanal/moviepilot
Wie kann es sein, daß ich, der Ich bin, bevor ich wurde, nicht war...
14.02.2015 - 09:00 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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Zum Valentinstag wartet der Kommentar der Woche mit einer ganz besonderen Liebeserklärung auf, nämlich an den Himmel über Berlin!

Jeden Samstag heben wir einen ganz besonderen Kommentar in den Himmel und küren ihn Kommentar der Woche . Sollte euch irgendwo auf moviepilot oder gamespilot ein Kommentar anlächeln, euer Herz schneller schlagen lassen, euch die Gewissheit überkommen: DAS hier ist ein Kommentar der Woche - dann sagt uns unbedingt Bescheid! Egal wo er sich versteckt hat, egal wann er verfasst wurde. Schreibt einfach eine kurze Nachricht an sciencefiction  oder Kängufant , und vielleicht verliebt sich schon nächsten Samstag ganz moviepilot in ihn...

Der Kommentar der Woche 
Mit seinem Kommentar zu einem der poetischsten Filme des westdeutschen Kinos, beweist uns moviepilot-User Yowan : Es gibt Wunder - eines davon ist Der Himmel über Berlin aus dem Jahr 1987, Wim Wenders stilles Meisterwerk über die Engel unter uns.


"Wer zu Lebzeit gut auf Erden
Wird nach dem Tod ein Engel werden"
MELANCHOLIA (oder so)

"Den Blick gen Himmel fragst du dann,
Warum man sie nicht sehen kann."

Der Engel setzt seinen Stift an und schreibt, so wie ich hier schreibe:

"Als das Kind Kind war,
wusste es nicht, dass es Kind war."


Und er liest laut vor und schreibt und hebt an zum himmlischen Singsang. Im tristen Grau in Grau erscheint der titelgebende Himmel auf der Leinwand, doch interessiert sich die Kamera nicht allzu sehr dafür. Vielmehr für die Menschen, die unter ihm wohnen. Die Berliner. Genauer: Die Westberliner. Denn wir schreiben 1987 und die Mauer steht noch.
Wir Zuschauer lernen die Westberliner kennen, ihr Potpourri aus Gedanken, Wünschen, wir schweben engelsgleich von Wohnung zu Wohnung, ohne teilzuhaben an ihrem Leben. Bleiben Beobachter, unfähig zu fühlen - den Wind in den Haaren, zu schmecken - den heißen Kaffee auf der Zunge, zu spüren - den kalten Stein in der Hand.

"Erst wenn die Wolken schlafengehn
Kann man uns am Himmel sehn.
Wir haben Angst und sind allein.
Gott weiß, ich will kein Engel sein."

Verdammt zum ewigen Leben, zum geistigen Leben. Zu einem Leben ohne Angst und Schmerz, ohne Leidenschaft und Liebe. Still. Beobachtend. Schützend. Menschliche Dimensionen spielen keine Rolle. Zeit, Raum. Selbst die Mauer ist kein Hindernis für einen kurzen Spaziergang nach Osten.
Aber der Preis ist hoch: Nicht zu wissen, wie Emotionen sich anfühlen. Nicht zu wissen, was es bedeutet mit einem Menschen wahrhaft zusammen zu sein, direkt angesehen, berührt zu werden von einer zärtlichen Hand im Innersten unserer Selbst.

Doch es gibt Wunder, und so legt der Film uns von hinten die Hand auf die Schulter und zeigt uns mit seinem Zauber, mit seiner wundervollen poetischen Kraft, welchen Glanz das Menschsein bereit hält.
Doch es gibt Wunder, und so wendet der Film unser verirrtes Aug' gen Himmel, wo die Vögel pulsierend schwimmen im riesigen grauen Ozean und flatternd ihre Freiheit genießen.
Doch es gibt Wunder. Denn der Himmel kennt keine Grenzen. Keine Schranken. Keine Mauern.

Den Originalkommentar findet ihr übrigens hier .

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