Mein Herz für Serie

Dead Set - Zombies im Big Brother-Container

03.10.2012 - 08:50 UhrVor 10 Jahren aktualisiert
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Kranker Horror & Splatter in Dead Set
Sony Pictures
Kranker Horror & Splatter in Dead Set
Auch wenn The Walking Dead im Horror-Serien-Himmel das oberste Gebot der Stunde ist, gehört mein Herz für Serie heute der kleinen britischen Produktion Dead Set. In fünf Episoden rennt eine Horde Zombies den Big Brother-Container in England nieder.

Zombies im Fernsehen als Serienformat? Spätestens seit dem Erfolg von The Walking Dead dürfte wohl niemand mehr in Frage stellen, dass die lebenden Toten auch im Heimkino schockieren können. Nicht nur im hochbudgierten Format von AMC schlurfen die Untoten durch verlassene Landstriche und treiben gnadenlos ihr Unwesen, sondern auch abseits davon haben sich Zombies in der Serienlandschaft breit gemacht. Ein kleiner Vertreter aus dieser Sparte ist die bis dato eher unbekannte Horror-Miniserie Dead Set – Reality Bites, der heute mein Herz für Serie gehört.

Zombie-Invasion via Liveübertragung
Tag 64, 14:36 Uhr: Die britische Big Brother-Version ist live auf Sendung und während im Container die Kandidaten ihr tägliches Dasein fristen, laufen hinter den Kulissen die Vorbereitungen für die nächste große Entscheidungsshow auf Hochtouren. Wer darf bleiben? Wer muss gehen? sind die Fragen, die unter den Teilnehmern diskutiert werden und kurze Zeit später ist es auch schon soweit: Das Publikum tobt, die Emotionen liegen blank und die Stunde der Wahrheit rückt immer näher. Nachdem die Zuschauer abgestimmt haben und ein Mitglied die Big Brother-Familie verlassen musste, kehrt im Container wieder der normale Alltagstrott ein. Direkt nebenan im Studio, wo eben noch tosender Applaus herrschte und kreischende Fans ihren Star begrüßten, machen sich allerdings ganz andere Geräusche breit.

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Zwischen verzweifelten Hilferufen und kläglichen Todesschreien ist die totale Panik ausgebrochen: Wilde Kreaturen stürmen das Studiogelände und raffen jeden, der nicht schnell genug seine Beine in die Hand genommen hat, dahin und laben sich anschließend an seinen Eingeweiden. Das Blutbad nimmt unkontrollierbare Ausmaße an und schnell hat das Chaos die Überhand gewonnen. Zu allem Überfluss raffen sich die Toten wenige Minuten nach ihrem Abgang wieder auf und werden zu rasenden Bestien, die ausschließlich der Blutdurst antreibt. Während sich dieser Virus konstant weiterverbreitet, versucht Set Runner Kelly (Jaime Winstone) mit den Überlebenden Big Brother-Kandidaten im Container Kontakt aufzunehmen. Diese wollen ihr jedoch kein einzige Wort glauben, bis sie selbst einen der Untoten zu Gesicht bekommen. Doch zu diesem Zeitpunkt scheint jeder Fluchtweg bereits versperrt zu sein und der große Bruder hat den Blick ebenfalls vom grausamen Geschehen abgewendet.

Big Brother ain’t watching us
Diese Prämisse ist an und für sich ein witziger Einfall und bietet sowohl Potential für eine unkonventionelle Mediensatire als auch spannenden Survival-Horror. Während vor allem in der ersten Folge der Fokus auf dem Spiel zwischen Container-Leben und Reality liegt, weitet sich das Konzept von Dead Set im Verlauf der weiteren Episoden zur temporeichen Hetzjagd aus und die Anzahl der Überlebenden nimmt stetig ab. Dabei gerät der Satire-Kontext jedoch nie in den Hintergrund und spielt stets eine aktive Rolle, wenn beispielsweise die eine Gruppe via live aufzeichnender Kameras über das Durchhaltevermögen der anderen aufgeklärt wird. Außerdem blickt Dead Set ebenso satirisch wie kritisch auf das Big Brother-Format, indem zu Beginn die Kandidaten im Container die Kunde von einer Zombie-Invasion lediglich als weitere Prüfung auffassen und in ihrem Konkurrenzdenken die Wirklichkeit komplett ignorieren.

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Die Teilnehmer besagter Sendung neben anderen als Hauptfiguren zu verwenden, erweist sich darüber hinaus als genialer Kniff, um ein bunt gestreutes Figurenensemble agieren zu lassen. Schließlich ist es kein Geheimnis, dass möglichst unterschiedliche Teilnehmer in solch einer Show auftreten und somit kann Dead Set ebenso den Charakter der verträumten Blondine verwenden sowie den schrägen Außenseiter einführen, ohne in die Klischeefalle zu tappen. Und selbst wenn die Figuren nicht über den Horizont ihrer Vorlagen hinauswachsen, funktioniert dieser Umstand erneut als kritischer Blick auf ein Pop-Phänomen und unterstreicht den bitterbösen Unterton von Dead Set.

Ohne Rücksicht auf Verluste
Die Herangehensweise bei Dead Set ist im Gegensatz zu The Walking Dead um einiges radikaler und minimalistischer. Hier dominieren vor allem raue Bilder und eine dreckige Optik das Geschehen. Daraus resultiert eine authentische Kulisse, die natürlich auch nicht an Gore- und Splatter-Effekten spart. Das Blut fließt in Strömen und die Zombies werden ebenfalls adäquat in Szene gesetzt. Ganz im Zeichen der Zeit treten in Dead Set keine langsam schlurfenden Zombies auf den Plan. Stattdessen ähneln die Untoten den Infizierten bei 28 Days Later von Danny Boyle sowie 28 Weeks Later: Sie rennen unaufhaltsam durch die Gegend und metzeln alles nieder, was ihnen in die Quere kommt. Vermischt mit den vorher genannten Elementen ergibt das Endprodukt einen kurzweiligen Survival-Trip, der keine Gefangenen macht und auch nicht davor zurückschreckt, eine Figur aus dem Rennen zu kicken – ohne ein überflüssiges und langwieriges Drama daraus zu machen. Kurz, knapp und konsequent.

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Mit fünf Folgen ist die Miniserie eine ernstzunehmende Alternative zu The Walking Dead und funktioniert natürlich auch als einfache Ergänzung des eigenen Serienspektrums. Wer sofort einen Blick in die beschrieben Ereignisse werfen möchte, kann dies auf YouTube tun. Dort könnt ihr euch sogar die komplette erste Staffel von Dead Set anschauen.

Habt ihr Dead Set bereits gesehen oder können euch Zombies, die den Big Brother-Container aufmischen, nicht begeistern?

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