Das größte Problem der 2. Staffel von Bridgerton ist ständig da, aber nie zu sehen

© Netflix
Bridgerton: Staffel 2 ohne Simon
02.04.2022 - 09:00 UhrVor 4 Monaten aktualisiert
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In der 2. Staffel von Bridgerton fehlt der Duke of Hastings, Simon Basset, komplett. Die unzureichende Begründung seines Fehlens stört dabei die gesamte Netflix-Serie.

Ich habe die 2. Staffel Bridgerton bei Netflix immens genossen. Die Skepsis, ob eine neue Liebesgeschichte den gleichen Sog entfalten könnte, verflüchtigte sich schnell: Anthony (Jonathan Bailey) und Kate (Simone Ashley) lieferten den gleichen romantischen Eskapismus ab, der Bridgerton schon in Staffel 1 auszeichnete. Zumindest fast. Denn ein kleiner (Bienen-)Stachel im Fleisch der Serie trübte die vollständige Freunde der neuen Season leider doch. Und dieser unsichtbare Stachel trägt den Namen Simon Bassett: Die Abwesenheit des Duke of Hastings schadet der 2. Staffel von Bridgerton enorm.

Ein ärgerliches Loch klafft in Bridgertons 2. Staffel

Die 1. Staffel Bridgerton gehörte ganz der Liebe von Daphne (Phoebe Dynevor) und Simon (Regé-Jean Page) und endete damit, dass der Duke of Hastings mit seiner neuen Duchess samt erstem Kind glücklich wurde. Happy End. Fertig. Aus. Aber als Serie war Bridgerton noch längst nicht zu Ende, sondern hatte ihre Netflix-Erfolgsgeschichte gerade erst richtig begonnen.

Erinnert euch im Staffel 1-Trailer von Bridgerton an Daphne und Simon

Bridgerton - S01 Trailer (English) HD
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Dass die einzelnen Staffeln genau wie ihre 8 Romanvorlagen mit unterschiedlichen Bridgerton-Hauptfiguren den Fokus jedes Mal neu verschieben würden, ist schon lange bekannt. Und noch dazu für eine Romantik-Serie eine denkbar gute Idee: Denn so muss die Netflix-Erzählung nach einem Liebes-Höhepunkt nicht am Happy End eines Paares kratzen, sondern kann sie ihr Glück einfach in Nebenrollen ausleben lassen. Doch der Stempel "Nebenrolle" hat seine Tücken.

Der unerwartete Bridgerton-Rückschlag folgte nämlich vor etwa einem Jahr: Simon-Darsteller Regé-Jean Page verkündete nicht zu 2. Staffel zurückzukehren. Viele Fans der Netflix-Serie machten daraufhin ihrer Trauer und Empörung Luft. Dass ein Schauspieler eine Rolle aufgibt, muss jedoch erlaubt sein. Zumal verständlich ist, dass sich für einen plötzlich durchstartenden Star ein Herumscharwenzeln im Hintergrund wie ein Downgrade anfühlen muss.

Auf dem Weg zum Star: Regé-Jean Page als Simon Basset in Bridgertons 1. Staffel

Bei allem Verständnis für Regé-Jean Pages Entscheidung musste Bridgerton nun aber irgendwie damit umgehen. Leider tat die Serie das in Staffel 2 denkbar ungünstig: nämlich fast gar nicht. Doch indem Netflix der Problematik ausweicht, sabotiert sich Bridgerton erzählerisch. Denn es lässt sich nicht übersehen, dass im Bridgerton-Stammbaum jetzt ein unübersehbares Loch klafft.

Bridgerton wählt den falschen Weg: Die "Erklärung" für Simons Fehlen ist eine Farce

Versucht die 2. Staffel Bridgerton Simons auffällige Abwesenheit unter den Teppich zu kehren? Nicht ganz. Schon nach einer Minute der ersten Folge hören wir die für ihre Schwester Eloise nach London gereiste Daphne verkünden: "Ist euch bewusst, dass ich meinen Mann und das Kind hierfür allein gelassen habe?" Simon ist also mit dem Nachwuchs daheim auf dem Landsitz geblieben. Na schön.

Bridgerton Staffel 2, Folge 1: Da fehlt doch jemand

Es dauert bis zur 4. Folge der 2. Staffel, bis in Bridgerton dann sogar der Name "Simon" fallen darf: als Daphne mit ihrer Mutter Violet (Ruth Gemmell) über ihr erfülltes Eheleben spricht. Zwischendurch heißt es außerdem am Rande, der Duke hätte geschäftlich viel zu tun.

Doch auch wenn die Netflix-Serie offenbar glaubt, seinem Fehlen damit Genüge getan zu haben, bleiben diese Erläuterungen oberflächlich. Sie verhindern nicht, dass wir uns fragen, warum der Duke Simon Bassett zum Beispiel der Hochzeit seines Schwagers (!) fernbleibt. Bei einem so wichtigen Familien-Ereignis nicht zu erscheinen, ist ein Fauxpas, der sich nicht damit wegerklären lässt, er hätte anderweitig viel zu tun.

Bridgerton: Anthony und Simon sind in Staffel 1 gute Freunde

Die Bridgertons sind nun einmal Familienmenschen, was sie so sympathisch macht. Die gemeinsamen Staffel-2-Szenen des Pall-Mall-Spiels im Garten beweisen das. Dass Simon überall dort fehlt, wo die Familie am herzlichsten zusammenkommt, wirft umgekehrt einen Schatten auf Staffel 2.

Bridgertons 2. Staffel braucht den Duke nicht und doch stört seine Abwesenheit

Indem die Serie das Fehlen des Dukes in diesen Moment einfach ignoriert (oder sogar andeutet, dass er nicht wirklich Teil der Bridgerton-Familie ist), tritt seine Auslagerung erst unangenehm hervor. Eigentlich ist es skurril, dass jemand Abwesendes so viel unnötige Aufmerksamkeit einfordern kann. Aber durch Simons größtenteils ungeklärtes Fehlen bleibt er als nagende unbeantwortete Frage immer präsent.

Das gilt insbesondere, wenn Menschen auftauchen, die in Staffel 1 eng mit dem Duke verknüpft waren. Und das sind in Staffel 2 eine ganze Menge. Diese Charaktere erinnern durch ihre bloße Existenz ständig an sein Verschwinden und lassen ihn deshalb nie wirklich verblassen: Sei es nun seine in 5 von 8 Folgen auftretende Ehefrau Daphne, das gemeinsame Baby Augie oder seine vormalige Ersatzmutter Lady Danbury (Adjoa Andoh), die mit den Sharmas nun plötzlich neue Schützlinge unter ihre Fittiche nimmt. Insbesondere Simons alter Freund, der Boxer Will Mondrich (Martins Imhangbe), hängt nach seinem Weggang seltsam in der Luft.

Bridgerton: Simon mit Ersatz-Mama Lady Danbury

Bridgerton-Wundbrand: Hätte die Netflix-Serie in Staffel 2 besser mit Simon umgehen können?

Eine alternative Lösung für das Problem des fehlenden Simon ist zugegebenermaßen schwer zu finden. Wären eine unscharfe Reunion (mit Double) im Hintergrund oder eine dem Duke verordnete längere Geschäftsreise erzählerisch eleganter gewesen? Oder gar eine radikale Umbesetzung? Wahrscheinlich nicht. (Vielleicht kann Bridgerton den Duke in späteren Staffeln ja zumindest noch zu einem kurzen Cameo überreden, denn schon ein Gastauftritt würde hier viel nützen.)

Doch die halbgare "Erklärung" für die klaffenden Leerstelle ist wie eine schlecht behandelte Wunde, die sich nicht schließen kann: Sie stört die ansonsten wirklich schöne zweite Staffel Bridgerton enorm. Nicht nur, weil sie trotz Daphnes Glücks-Beteuerungen indirekt ihr Familien-Happy-End in Frage stellt. Sondern auch, weil der unsichtbare Simon als geisterhafte Erscheinung die Gedanken immer wieder von Anthony und Kate ablenkt. Und das hat deren eigene Liebesgeschichte nun wirklich nicht verdient.

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