Ben Affleck als Batman: Die größte Verschwendung des DCEU

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© DC/Warner
Ben Affleck als Batman
25.09.2020 - 17:40 UhrVor 1 Jahr aktualisiert
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In Batman v Superman erleben wir Ben Afflecks beste Batman-Darbietung. Danach kam allerdings nicht mehr viel von dieser tollen Kombination. Was ist da schiefgelaufen?

Das sogenannte DCEU ist ein wunderschöner Unfall. Vielleicht verwendet es der MCU-Chef Kevin Feige irgendwann mal als Negativbeispiel in einem Handbuch für die Errichtung von Filmuniversen. In keinem anderen Filmzyklus wurden so viel Geld, Talent, Charisma und Kreativität verbrannt. Die schmerzhafteste Verschwendung ist Ben Affleck als Batman. Sein wichtigster Auftritt in Batman v Superman: Dawn of Justice läuft heute bei ProSieben um 20:15 Uhr.

Batman v Superman: Wie Warner und DC Ben Afflecks Batman verhunzten

Das alte DCEU, wie ich es verstehe, existierte von 2013 bis 2017. Es versuchte mit Zack Snyder als neuem Dirigenten, die düstere, realistische Nolan-The-Dark-Knight-Ära weiterzuführen, nur mit etwas mehr Konfetti und Nähe zu den DC-Comics, was die Hardcore-Fans liebten. Dieses DCEU schenkte uns raue, gewaltige Blockbuster (Batman v Superman, Man of Steel), scheußliche Frankensteinfilme (Justice League, Suicide Squad) und den unvollständigen Batfleck.

Das chaotische, schlecht geführte Universum ließ viele Figuren zurück: Jared Leto stürzte womöglich wegen Joaquin Phoenix' Joker-Erfolg in eine Identitätskrise, Henry Cavill hat seinen zweiten Solofilm immer noch nicht aufgegeben. Der Ärmste hängt irgendwie in der Luft, keiner weiß so richtig, wie es mit ihm weitergeht.

Batman vs Superman: Dawn of Justice - Trailer 2 (Deutsch) HD
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Aber während Henry Cavill immerhin das Franchise starten durfte, Wonder Woman, Aquaman und Harley Quinn nach Ensemble-Auftritten in ihren Einzelfilmen brillierten, kam Ben Affleck nie über die Rolle eines größeren Sidekicks hinaus. Selbst im Solofilm von The Flash, für den DC Affleck zurück aus dem sicher geglaubten Ruhestand holt, muss er sich die Bühne mit mindestens einem weiteren Batman teilen, dem von Michael Keaton.

Und überhaupt:

Wie konnte es dazu kommen, dass Ezra Millers The Flash einen Solofilm erhält - und Ben Affleck nicht?

Da gibt es verschiedene Gründe. Die eigenwillige Organisation des Universums ist schuld, dass Ben Affleck etwa nicht gleich mit einem Solofilm losgelegt hat. Der teure Schlingerkurs des Universums erzwang später die Neuorientierung zu einem anderen Darsteller und dem Reboot, der damals alle Beteiligten entlastete. Afflecks, nett ausgedrückt, unbefriedigende Batman-Biografie hängt überdies mit Faktoren zusammen, auf die Warner und DC keinen Einfluss hatten.

Das große Batfleck-Projekt, bei dem Affleck auch Regie führen sollte, wurde zu einer zähen, mühsamen Angelegenheit. Affleck kämpft seit Jahren mit Alkoholproblemen, aktuell geht es ihm wohl gut, die Corona-Zeit verbringt er an der Seite seiner neuen Liebe Ana de Armas. Lange fehlte ihm aber offenbar die Kraft für weitere Batman-Auftritte. Affleck verlor, so erklärt er, die Leidenschaft für seine Figur und übergab das Zepter seinem jüngeren Nachfolger.

Nach Batman v Superman: Was bleibt von Ben Affleck im DCEU? Was machte ihn aus?

Es spricht für Affleck, dass er selbst als marginalisierter Darsteller einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Sein prompter Einstieg in Batman v Superman ging einher mit den wohl intensivsten Minuten der alten Ära. In Afflecks Bruce Wayne wächst hier ein bitterer, gerechter Unternehmergeist heran, eine wilde Mischung aus Elon Musk und irgendeinem Extremsportler.

Ben Affleck in Dawn of Justice

Als Irdischer lehnt er sich gegen den übermächtigen, gottgleichen Außerirdischen auf. Er kämpft für die kleinen Menschen und gegen die innere Leere einer superreichen Vollwaise. Affleck paarte dabei seine manchmal aufblitzende Unbeholfenheit mit angriffslustigem Selbstvertrauen und körperlicher Wucht und Kraft.

Regie-Ehren schön und gut, doch die wahre Feuerprobe für einen kompletten männlichen Star in Hollywood ist die Batman-Verkörperung. Die Abraham Lincolns und Vincent van Goghs dürfen gerne weiterhin von den Daniel Day-Lewises dieser Welt gespielt werden. In der Leichtathletik wäre Batman der Zehnkampf (und Abraham Lincoln vielleicht der Hochsprung).

Bei Ben Affleck konnten wir gut beobachten, wie ein Schauspieler in diese fordernde Rolle hineinwächst. Ich habe das in einem anderen Ben Affleck-Text schon ausführlicher beschrieben.

Ein echter Batman-Abschluss ist noch möglich für Ben Affleck

Ben Affleck bestätigte zudem wie kaum ein Darsteller vor ihm die Formel: Je größer die Aufregung, desto besser das Casting. Derzufolge liegt Neu-Batman Robert Pattinson im guten Mittelfeld. Apropos Robert Pattinson: Dessen reizvolle Verpflichtung als Batman der Zukunft besiegelt ja scheinbar das Aus von Affleck im DCEU. Zwei Batmen parallel wird sich Warner doch nicht leisten.

Mal schauen. Zwei Bruce Wayne-Auftritte hat Affleck noch vor sich, in dem erwähnten The Flash und natürlich in dem ausgewalzten Zack Snyder's Justice League. In beiden Filmen könnte er seinen Wert für die Rolle in Erinnerung rufen und selber wieder Lust auf Batman bekommen. Vielleicht sehen wir in 10 Jahren oder so seinen wahren Abschluss als Old Batman. Das neue, flexible DCEU ist gut für Stunts dieser Art.

Würdet ihr Ben Affleck gerne in einem großen Batmen-Film sehen?

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