Angriffe auf Marvel und Star Wars: Wie Hasskampagnen jetzt bekämpft werden

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Chefredakteurin von Moviepilot, sozialisiert von Gerippchen Unsterblich, David Lynch und Kirk aus Stars Hollow. Einziges Redaktionsmitglied, welches Mathe mag. Wertet deshalb am liebsten Daten aus.

Rotten Tomatoes ist eine der einflussreichsten Filmseiten der Welt. Nun ändert die Website, die es seit 1998 gibt und die zum US-amerikanischen Ticketverkäufer Fandango gehört, ihr Prozedere bei den Bewertungen, wie unter anderem Variety berichtet. In Zukunft werden auch die Bewertung von Nutzern widergespiegelt, die nachweisen können, dass sie ein Kinoticket gekauft haben.

Wir berichteten in der Vergangenheit, wie rechte Gruppe in den USA beim Kinostart von Black Panther die Zuschauer spoilern und Rotten Tomatoes sabotieren wollten. Star Wars: Episode VIII - Die letzten Jedi hatte gegen ähnliche Gruppierungen zu kämpfen, hier gab ein Kollektiv offen zu, den Zuschauer-Score manipuliert zu haben.

Rotten Tomatoes will mit der Änderung Trolle und Hass bekämpfen

Die Betreiber argumentieren, dass mit dieser Änderung ein weiterer Schachzug gegen die Trolle und den Hass im Internet getätigt wird. Bereits im Februar 2019 hatte Rotten Tomatoes ihren Zuschauer-Score-System umgestaltet. Nutzer haben seitdem keine Möglichkeit mehr, Blockbuster vor ihrer Veröffentlichung zu bewerten.

Nun gehen die Betreiber noch einen Schritt weiter und wollen mit der neuen Änderung koordinierte "Review-Bomben" eindämmen. Diese würden darauf abzielen, den Zuschauer-Score eines Films zu senken, weil eine bestimmte Gruppe etwas gegen den Film hat, sei es, weil ihr ein Darsteller, die Geschichte oder die politische Botschaft nicht passt.

So werden jetzt "Verified Ratings" in absoluten Zahlen angezeigt, also jene Bewertung von Nutzern mit einem Kinokarten-Kauf wie auch der alte Zuschauer-Score, den alle Nutzer produzieren. Es kann also weiterhin jeder Nutzer Filme bewerten, seine Bewertung fließt auch in den Zuschauer-Score ein.

Sichtbar wird nun aber ein Unterschied zwischen jenen Nutzern, die aller Wahrscheinlichkeit eine Kinokarte gekauft haben und jenen, bei denen dies zumindest nicht nachgeprüft werden kann.

Als Beispiel habe ich einen aktuellen Rotten Tomatoes-Screen-Shot vom gestern gestarteten Aladdin für euch (Stand: 24.05.2019 / 12.00 Uhr):

Das Geschmäckle bei der Rotten Tomatoes-Änderung

Todd Sprangler, Autor des Variety-Artikels, stellt zu Recht fest, dass bei der Zuschauer-Score-Änderung auch ein anderer Grund eine Rolle gespielt haben dürfte. Bis dato ist es nämlich nur über einen Kinokarten-Kauf bei Fandango möglich, eine verifizierte Bewertung bei Rotten Tomatoes abzugeben. Da Fandango der Eigentümer von Rotten Tomatoes ist, gehen Analysten davon aus, dass der Ticketverkauf über den Anbieter erhöht werden soll.

Dem widerspricht Fandango. Jeder Partner würde begrüßt und könne mit an Bord kommen, um das Bewertungssystem besser zu machen. Es ginge besonders um die Transparenz, die sich die Nutzer von Rotten Tomatoes wünschen würden. Damit wollen die Verantwortlichen das Vertrauen in den Zuschauer-Score erhöhen. So heißt es:

Wir denken, dass dies mehr Informationen, mehr Transparenz und mehr Verbrauchervertrauen rund um die Bewertung selbst liefert. Das Nebenprodukt, Trolle davon abzuhalten, die Fan-Stimmung zu beeinflussen, ist sicherlich ein Teil davon.

Konsequenzen für Moviepilot? Wohl eher nicht

Abgesehen vom Geschmäckle ist die Änderung beim Zuschauer-Score zweckdienlich. Als Nutzer kann jeder sehen, wie Kinoticket-Käufer den Film bewerten. Das Vertrauen in die Durchschnittswertung wird dadurch wohl wirklich erhöht.

Aber die Datenerhebung ist komplexer:

  • Ob in Europa eine derartige Verbindung zwischen verifiziertem Kauf und Bewertung nach der neuen Datenschutz-Grundverordnung überhaupt möglich ist, müsste geprüft werden.
  • Zudem stellt sich die Frage, was der Kauf eines Kinotickets noch aussagt, wenn der Film bei einem Streamingdienst, im Fernsehen oder auf DVD/Blu-ray verfügbar ist.
  • Dadurch taucht natürlich sofort die Frage auf, wie bei Serien vorgegangen werden soll.

So gut die Änderung auf den ersten Blick erscheint, ist sie in der Konsequenz bei uns noch schwer zu verkaufen.

Was haltet ihr davon, wenn eine Bewertung an einen Ticketkauf geknüpft ist?

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