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Akte X - Wir schauen The X-Files Staffel 10, Episode 5

Mulder während einer ganz speziellen Ermittlung in Akte X
© Fox
Mulder während einer ganz speziellen Ermittlung in Akte X
17.02.2016 - 08:50 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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Wohl nie zuvor sind bei Akte X die Schrecken der Realität und die Absurditäten der Fantasie derart unvorhergesehen aufeinandergeprallt wie in Babylon. Was Mulder und Scully nebst zwei jungen Kollegen genau erleben, lest ihr in unserem Recap.

Wer dachte, mit Mulders (David Duchovny) und Scullys (Gillian Anderson) Jagd auf das Wer-Monster vor zwei Wochen sei der Gipfel der humorigen Seltsamkeit der neuen Akte X-Folgen schon erreicht gewesen, wird durch Babylon von Serien-Schöpfer Chris Carter unerwartet eines Besseren belehrt. Dabei stehen die Dialog- und Halluzinations-Highlights der 5. Episode in deutlichem Kontrast zu ihrem eigentlichen Thema, das nach wie vor regelmäßig die Nachrichten bestimmt.

Terroristen und Einstein

Im an Sender-Kollegin 24 erinnernden Beginn sehen wir nämlich ganz klassisch, wie sich ein junger muslimischer Amerikaner ins Auto setzt, unterwegs von fies-tumben Rednecks beäugt und verhöhnt wird, einen Kollegen abholt und mit diesem in einer Galerie verschwindet, die kurz darauf in die Luft fliegt, brennend auf die Straße taumelnde Menschen inklusive.

Mulder und Scully plaudern nach dem Vorspann hingegen locker und gelöst über Bibelglauben anlässlich des Phänomens, das zahlreiche Menschen weltweit plötzlich himmlische Posaunen zu hören glauben. Doch bevor die Validität dieser Erscheinung ausdiskutiert werden kann, klopfen auch schon zwei Neuankömmlinge ans X-Akten-Büro: Agent Einstein (Lauren Ambrose) und Agent Miller (Robbie Amell), eindeutig die jüngeren Spiegelbilder des alten X-Akten-Duos. Miller bittet Mulder zunächst um Hilfe bei der Aufspürung weiterer potentieller Attentäter, denn der junge Mann vom Anfang hat die Explosion überlebt, liegt jetzt aber entstellt und komatös im Krankenhaus. Irgendwie muss man doch mit ihm kommunizieren können! Doch als 2.0-Ausgabe von Scully hat Einstein wenig übrig für Millers Begeisterung für Mulders Vorgehensweisen und drängt zum Abflug ans Krankenbett.

Ab dann fliegen auch die pointierten Dialogzeilen nur so zwischen den Beteiligten hin und her und arbeiten im selben Maße die Quintessenz der X-Akten und ihrer Protagonisten heraus, wie sie sich über diese lustig machen. David Duchovnys Mulder betrachtet die Dinge wie schon so oft in dieser neuen Staffel aus extrem belustigt-ironischer Distanz, doch auch Gillian Andersons Scully steht ihm in nichts nach. Die beiden Schauspieler haben ganz offensichtlich Spaß an ihrem Tun. Trotzdem sind ihre Figuren professionell und ehrgeizig genug, Einstein bzw. Miller jeweils ihre Hilfe anzubieten: Mulder überzeugt Einstein nach einigem Hin und Her, ihn mittels Zauberpilz-Genuss Kontakt zum Komatösen aufnehmen zu lassen, während Scully Miller überredet, streng wissenschaftlich durch ein EEG die Reaktionen des Attentäters auf Fragen zu messen.

Halluzinationen und Elektroenzephalografie

Im Krankenhaus angekommen, wollen sich Scully und Miller dann nicht mal von der auftauchenden Homeland Security von ihrem Plan abbringen lassen, müssen aber wegen einer Bombendrohung doch zunächst das Feld räumen. Doch da kommen auch schon Mulder und Einstein an, und während Einstein noch mit einer hasserfüllten Schwester diskutiert, die dem Attentäter unbemerkt die Geräte ausschalten wollte, hat Mulder schon die von ihr besorgte Pilz-Pille eingeschmissen und ... ist verschwunden. Wohin, das erleben wir Zuschauer im Gegensatz zur verdutzten Einstein sogleich: In einer ebenso ausgedehnten wie fröhlichen und bizarren psychedelischen Sequenz torkelt Mulder erst beglückt durch Krankenhausgänge und Straßen, bis er schließlich in einem Country-Schuppen landet.

Dort schwingt er in epischer Länge und Breite derart hingebungsvoll das Tanzbein, dass ein jetzt erst einschaltender Zuschauer meinen könnte, Duchovny würde nicht Fox Mulder, sondern Hank Moody aus Californication verkörpern. Zu den Besuchern des Tanzlokals gehören auch die eigentlich längst toten Lone Gunmen (Bruce Harwood, Tom Braidwood und Dean Haglund), doch das ist bei Weitem noch nicht der Höhepunkt der Seltsamkeiten. Mulder wird von einer Domina-Einstein gezüchtigt, vom Cigarette Smoking Man hingebungsvoll ausgepeitscht und findet sich unversehens auf einem Boot inmitten schwarz-berobter Ruderer wieder, wo er schließlich den komatösen Attentäter entdeckt, wie er Jesus-gleich in den Armen einer Frau liegt und Mulder Unverständliches auf Arabisch zuflüstert.

Realitätsprüfung

Währenddessen ist es in der echten Welt Scully und Miller gelungen, mittels EEG Reaktionen des Attentäters zu erhalten. Mulder bekommt wiederum, nun ebenfalls in einem Krankenhausbett erwachend, nicht nur Schimpfe von Skinner (Mitch Pileggi) für sein Verhalten, sondern auch eine überraschende Mitteilung von Einstein: Die Pille war ein Placebo, Mulder also gar nicht wirklich berauscht. Trotzdem erkennt er kurz darauf am Krankenhauseingang eine Frau als die Dame aus seiner Vision wieder, die sich als Mutter des Attentäters herausstellt.

Mit ihrem Sohn wiedervereint, eröffnet sie den Ermittlern, er sei gar nicht der Mensch für ein solches Attentat, das habe er ihr auch in Träumen und Gebeten mitgeteilt. Bestimmt habe er seine Sprengstoffweste nicht gezündet. Als sie ihn wie in Mulders Vision in den Armen hält und er kurz darauf stirbt, erinnert sich Mulder an das Geflüster, das Miller schließlich als "Hotel Babylon" übersetzt, wo ein Sondereinsatzkommando dann auch zahlreiche zukünftige Attentäter dingfest macht.

Diskussionen

Nach getaner Arbeit lassen Einstein und Miller am Flughafen staunend das Geschehene Revue passieren: Manches bleibt vielleicht auf immer unerklärlich, und das sei auch ganz gut so, lautet Einsteins Fazit. Mulder und Scully sinnieren vor seiner Hütte, was der alttestamentarisch-zornige Gott der babylonischen Sprachverwirrung wohl mit all dem sagen will, und dass die Kraft der Suggestion auch heute noch nicht zu unterschätzen sei. Da erklingen auf einmal die himmlischen Posaunen, zumindest Mulder meint, sie zu hören, während die Kamera zurück bis ins All zoomt.

Und auch als Zuschauer fragt man sich, wie Akte-X-Schöpfer Chris Carter wohl auf eine derart eigenwillige Mischung aus terroristischer Bedrohung, gut abgehangenen Weisheiten ("Nicht alle sind Extremisten"), hasserfüllten Einwanderungsgegnern, selbstironischen Dialogen, halluzinogenem Trip und Gedanken über Gott und die Welt gekommen sein mag. Könnte die Botschaft sein, dass in Glaubens- und Interpretationsfragen unverständlicher, fremder Dinge und Menschen etwas mehr fröhliche Gelassenheit, und die eine oder andere Scheuklappe weniger, allen gut tun würde?

In der nächsten Woche dürfte mit der 6. und letzten Folge der 10. Akte-X-Staffel, My Struggle II, dann wieder gewohnteres Territorium betreten werden, denn Chris Carter wird hier wohl an die Verschwörungsgeschichte aus Folge 1 anknüpfen.

Aktennotizen:

- "Just the FBIs most unwanted!" Scullys Antwort auf die Frage, ob jemand im X-Akten-Büro zugegen sei.

- "I don't do woo woo." Mulders Antwort auf einen Vorwurf Einsteins.

- Eine Akte-X-Folge mit einer Agent Einstein nur wenige Tage, nach der die von ihrem Namensvetter vorhergesagten Gravitationswellen erstmals nachgewiesen wurden. Zufall oder Anzeichen einer Verschwörung?

Wie hat euch die neueste Akte-X-Folge Babylon gefallen?

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