Akte X - Wir schauen The X-Files Staffel 10, Episode 4

Mulder und Scully auf der Spur eines mysteriösen Mörders
© Fox
Mulder und Scully auf der Spur eines mysteriösen Mörders
10.02.2016 - 09:40 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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In der letzten Folge bekamen es Mulder und Scully im Akte X-Revival mit einem Wer-Monster zu tun, diese Woche treibt ein ganz spezieller Müll-Mann sein Unwesen. Scully muss in Home Again zudem mit einem persönlichen Schicksalsschlag kämpfen.

Nachdem es in der letzten Woche bei Akte X zwar wie gewohnt nicht an Toten mangelte, diese jedoch mit reichlich Humor serviert wurden, kehrt in Episode 4, Home Again von Glen Morgan, wieder ernstere Stimmung ein. Kehren ist dabei auch das richtige Stichwort, denn zu Beginn werden wir Zeuge, wie etliche Obdachlose mittels Wasserstrahl aus ihrer Straße weggefegt werden, aus Gründen der Gentrifizierung. Ein Offizieller (Alessandro Juliani), der das Ganze ohne Mitgefühl beaufsichtigt, bekommt wenig später allerdings seinerseits ungebetenen Besuch: Ein glatzköpfiger Hüne (Tim Armstrong), der von einem Müllauto abgeladen wurde, verschafft sich Zugang zum Büro des Mannes und reißt ihm kurzerhand die Arme ab. Damit nicht genug, nimmt er die Extremitäten mit und verschwindet mit ihnen im erwähnten Müllauto, allerdings nicht im Fahrerhaus, sondern im Müllschlucker-Ende, ganz so, als wäre es eine gemütliche Hängematte.

Pflaster-Nasen-Mann

Am Schauplatz des Mordes ermittelnd, finden Mulder (David Duchovny) und Scully (Gillian Anderson) dann nicht nur die zerfetzten Reste des Opfers vor, sondern auch blutige Fußspuren ohne Zehen-Abdrücke, ein bedrohliches Street-Art-Gemälde vor dem Fenster, das (wie nur wir Zuschauer wissen) den Täter zeigt, sowie ein grandios widerliches Pflaster. Noch am Tatort wird Scully wiederum auch auf ganz persönlicher Ebene mit der Sterblichkeit konfrontiert, denn ihr Bruder William teilt ihr am Handy mit, dass ihre Mutter Margaret (Sheila Larken) nach einem Herzinfarkt im Krankenhaus liegt. Dort angekommen, erfährt Scully von einer Schwester, dass ihre Mutter, als sie für einen kurzen Moment das Bewusstsein erlangt hatte, nach Charlie fragte; Scullys anderem, entfremdeten Bruder.

Mulder trifft bei seinen Nachforschungen währenddessen zwei zankende Offizielle, von denen der eine die Obdachlosen zwecks Freiräumen für Luxus-Hausbau in ein leerstehendes Krankenhaus verfrachten möchte, während die andere sie nicht verpflanzt sehen will, denn das Hospital liegt doch direkt neben einer Schule! Ein Obdachloser steckt Mulder wiederum, das Street-Art-Bild zeige den Einzigen, der für sie spreche: Den Pflaster-Nasen-Mann. Das müssen auch zwei Ganoven schmerzlich erfahren, die das Kunstwerk gemopst haben und in ihrem Lagerhaus vom mysteriösen Rächer ebenfalls zerrissen werden. Nun sehen wir, dass das Bild mit Trash Man signiert ist. Das Pflaster vom Tatort offenbarte wiederum zuvor bei einer Analyse weder organisches noch anorganisches Material, es ist weder lebendig noch tot!

Trash Man

Diesen von den X-Akten gewohnten Szenen unerklärlicher Vorgänge stellt die Episode äußerst effektiv Scullys Ratlosigkeit und Verzweiflung am Bett ihrer bewusstlosen Mutter gegenüber: In einer Szene telefoniert sie mit ihrem Bruder William, während sie und wir in ebenso ruhigen wie schonungslosen Gegenschnitten beobachten, wie der Monitor eines Patienten nebenan dessen Herzstillstand anzeigt und der Tote professionell-emotionslos eingewickelt und weggeschoben wird. Wenig später erfährt Scully auch noch, dass ihre Mutter ihre Patientenverfügung geändert hat und nicht künstlich am Leben erhalten werden will.

Der Trash Man holt sich in gewohnter Manier wiederum auch die streitlustige Offizielle, die sich in ihrer schicken Villa gerade noch einen Kapselkaffee gebrüht hatte. Mulder hat sich derweil an Scullys Seite im Krankenhaus begeben, wo Scully zwar endlich ihren Bruder Charlie via Handy zu ihrer Mutter sprechen lässt, diese daraufhin auch die Augen öffnet, nach einem "Mein Sohn heißt auch William" zu Mulder jedoch sogleich verstirbt.

Eltern

Ihrer Machtlosigkeit kann Scully nur entkommen, indem sie sich mit neuem Eifer in die Ermittlungen stürzt. Durch die Zusammensetzung der Farbe der Bild-Signatur machen sie und Mulder bald darauf den Urheber des Kunstwerks in einem ebenso dunklen wie gruseligen, Verlies-artigen Keller ausfindig, in dem allerlei Gestalten umgehen. Der Künstler eröffnet ihnen reichlich wirr, dass er den Rächer der Obdachlosen zwar irgendwie erschaffen hat, aber wie das mit Golem-artigen Geschöpfen oft so ist: Er habe unbeabsichtigte Eigeninitiative entwickelt, die Morde seien nie Teil des Plans gewesen. Diese Entschuldigung lässt Scully, die während der Erzählung des Mannes via Flashbacks nur an ihren Sohn William denken kann, aber nicht gelten: Er habe ihn mit seiner Idee "geboren", sich dann nicht weiter drum gekümmert, also unterstehe er auch seiner Verantwortung!

Doch auch diese Erkenntnis hilft nicht, den dritten Beteiligten an der Obdachlosen-Vertreibung vor dem Trash Man zu retten, er wird ebenso wie die anderen zerrissen. Am Ende ist sich Scully, mit Mulder neben der Urne ihrer Mutter auf einem Baumstamm an einem See sitzend, jedenfalls sicher: Auch wenn Mulder eines Tages Antworten auf all seine Fragen erhalten wird, sie werde niemals erfahren, wie es William all die Jahre erging, was er dachte, hoffte, fühlte.

Die Moral des Monster-der-Woche-Handlungsstrangs kommt zwar ebenso wenig subtil daher wie die Vorgehensweise des Trash Man; diesen mit zwei abgerissen Armen nonchalant in der Klappe eines Müllautos verschwinden zu sehen ist trotzdem ein beeindruckendes Bild. Scullys Trauer um ihre Mutter und ihren weggegebenen Sohn sowie Mulders Beistand nutzen Anderson und Duchovny hingegen grandios, um die einzigartige Beziehung ihrer beiden Figuren zu vertiefen und uns daran zu erinnern, dass es ein Paar wie Mulder und Scully eigentlich kein zweites Mal gibt.

In der nächsten Woche übernimmt dann Akte X-Schöpfer Chris Carter wieder das Ruder, bei der vorletzten Folge namens Babylon.

Aktennotizen:

- Scully nennt Mulder am Ende Fox, eine Seltenheit in der Serie

- Während der Trash Man die Offizielle tötet, hören wir in bester X-Akten-Kontrapunkt-Tradition Petula Clarks Downtown

- Ikonische Momente: Mulder und Scully strecken am Anfang ihre FBI-Ausweise der Kamera entgegen, im Keller lassen sie die Taschenlampen ein X strahlen

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