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Meine glorreichen Sieben

7 Filmtipps aus Tschechien von Marek zum Abschied

24.01.2013 - 08:50 UhrVor 7 Jahren aktualisiert
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© Prominent Films / Space Films / Euro Video
Mit einer Referenz an das Heimatland meiner Mutter verabschiede ich mich heute. Hier sind sieben tschechische Filme abseits von Märchen und Oscargewinnern, die mir über die Jahre ans Herz gewachsen sind und auch für Nicht-Tschechen funktionieren dürften.

Drei Monate redaktionelles Praktikum neigen sich dem Ende zu und mir verbleibt nun, mich zu verabschieden. Dabei bediene ich mich der Sprache meiner Mutter und sage einfach Ahoj, was nämlich nicht nur unter Seeleuten verwendet wird, sondern auch tschechisch ist und dort sowohl Begrüßung als auch Abschiedsgruß bedeutet. In diesem Sinne möchte ich euch 7 Filme näher bringen, in denen unsere benachbarten Filmemacher unter Beweis stellen, dass sie zu den ganz Großen ihrer Zunft gehören.

Ich habe den englischen König bedient von Jirí Menzel
Ähnlich wie seine oscarprämierte Tragikomödie Liebe nach Fahrplan von 1966 ist dieser Film die Adaption eines Romans des Schriftstellers Bohumil Hrabal, Zeit seines Lebens ein etwas wunderlicher Geselle, der vornehmlich in einer Kneipe seiner Heimatstadt Prag vorzuzfinden war und dessen Werk sich in Tschechien bis heute großer Beliebtheit erfreut. Erzählt wird die Geschichte eines ehrgeizigen Kellners, der es in der von den Nazis besetzten Tschechoslowakei als schamloser Opportunist bis zum millionenschweren Hotelbesitzer bringt. Jiri Menzel beendete 2007 mit diesem aufwendigen Epos eine fast 15-jährige Schaffenspause und erzählt das Jahrzehnte umspannende Stück tschechowlowakischer Geschichte sowohl brüllend komisch als auch mit der notwendigen Ernsthaftigkeit und bedient sich somit eines für die Filme seiner Heimat typischen Stilmittels, der Vermischung von Tragischem, Komischem und Absurdem.

Mehr: Jiri Menzel und meine süße, süße Heimat

Leergut von Jan Sverák
Nicht erst seit dem Oscar für die Komödie Kolya von 1995 über die Irrfahrt eines kleinen russischen Jungen durch das Prag der Wendezeit ist Zdenek Sverák einer der bekanntesten Komiker des Landes, der regelmäßig die Hauptrollen in den Filmen seines Sohnes Jan spielt. War mir persönlich Kolja mit Niedlichkeit viel zu überzuckert, geht es hier zwölf Jahre später zwar auch warmherzig zu, dabei aber erfrischend unkitschig. Vom Unterrichten frustriert hängt ein älterer Lehrer seinen Beruf an den Nagel und wird zum Entsetzten seiner Familie als Mitarbeiter einer Leergutannahmestelle in einem Supermarkt glücklich. Als er von einem Automaten ersetzt werden soll, flüchtet er sich zwar wie so oft in seinem Leben in erotische Fantasien, beginnt dann aber, für seine Vorstellung eines würdevollen Lebens im Alter zu kämpfen.

Das Jahr des Teufels von Petr Zelenka
Jaromir Nohavica ist vielleicht der in Tschechien momentan bekannteste Singer-Songwriter und vermag dort nur mit Gitarre und Zieharmonika ausgerüstet ganze Stadien auszuverkaufen. Dieser Film verwirrte vor gut zehn Jahren die Fans des Liedermachers, da er ebenso dessen Aufenthalt in einer Alkohol-Entziehungsanstalt dokumentiert wie auch seinen Neuanfang mit der Folk-Punkband Tschechomor beschreibt. Doch es handelt sich hier um eine Mockumentary und die Geschichte ist rein fiktiv. Das erklärt auch die in der Fake-Doku auftretenden Geister, die eine Reminiszenz an die mystischen Ursprünge der slawischen Volkslieder darstellen. Sehenswert ist das Spiel mit der Realität auch wegen der musikalischen Untermalung von Jaromir Nohavica, die ganz ohne Schwindel ihren Zauber entfaltet.

Die Liebe einer Blondine von Milos Forman
Vor seiner Flucht in die USA und den Welterfolgen Einer flog über das Kuckucksnest und Amadeus drehte Milos Forman 1965 dieses melancholische Porträt einer einfachen Fabrikarbeiterin vom Lande, die auf einen Prager Hallodri reinfällt und ihm vergeblich in die große Stadt nachreist. Statt des unbekümmerten Musikers trifft sie nur dessen perplexe Eltern an, die sie nur widerwillig in ihrer Wohnung übernachten lassen. Nicht so grotesk wie die Regimeabrechnung Der Feuerwehrball über ein lächerlich inkompetentes Gremium eines Schönheitswettbewerbes ist Die Liebe einer Blondine ein leiser Film über die Monotonie von Fabrikarbeit, überholte Konventionen und die ernüchternd erfolglose Suche nach etwas privatem Glück.

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