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Im Bauch des Monsters

Wir schauen True Detective - Staffel 1, Folge 6

25.02.2014 - 08:50 UhrVor 7 Jahren aktualisiert
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True Detective
© HBO
True Detective
Nach zwei atemberaubenden Folgen verpasst Haunted Houses meiner Euphorie einen kleinen Dämpfer. Maggie wirft etwas Licht auf das Zerwüfnis der True Detectives und Rust sucht weiter nach dem Yellow King.

Wenn man bei einer acht Folgen umfassenden Serie überhaupt von Füllepisoden sprechen darf, dann muss ich Haunted Houses diesen Titel leider verleihen. Die Folge beantwortet Fragen, deren Antworten erstens denkbar und zweitens schon letzte Woche impliziert wurden. Die Überraschung hält sich in Grenzen. Trotzdem kann es sich bei True Detective nur um Meckern auf hohem Niveau handeln. Atmosphärisch macht auch Haunted Houses alles richtig. Letztendlich sprechen wir hier von 60 Minuten in einem acht Stunden Film, die im Gesamtbild hoffentlich ihre Existenz rechtfertigen können.

Was ist passiert?
Zu Beginn der Folge bekommen wir abermals einen Eindruck von Martys (Woody Harrelson) zügellosem Temperament. Ohne einen Gedanken an die Konsequenzen zu verschwenden, prügelt er auf die zwei Teenager ein, die mit seiner Tocher Audrey beim Sex erwischt wurden. Dieser Zwischenfall sollte nur einer von Martys Ausfällen in dieser Folge gewesen sein. Der zweite Ausfall geschieht, als Marty die Bekanntschaft mit Beth (Lili Simmons) macht. Die junge Frau erinnert sich an Marty, als er 1995 mit Rust (Matthew McConaughey) in der Wohnwagensiedlung für Ausreißerinnen ermittelte. Natürlich wird Marty schwach, lässt sich schmeicheln, was für ein guter Mensch er sei und steigt mit ihr ins Bett. Das passiert 2002. Es ist eine Zeit, die Marty letzte Woche als die gute Zeit bezeichnete, bevor alles den Bach herunterging. Doch Martin Hart ist nichts eine Lehre. Maggie (Michelle Monaghan) fasst das treffend zusammen, als sie 2012 nach ihrer Beziehung zu Rust und Marty befragt wird: “Rust knew exactly who he was, and there was no talking him out of it. Marty’s single big problem is that he never really knew himself, so he never really knew what to want.” Weil er nicht weiß, was er will, begeht er den gleich Fehler wieder und wieder, ohne auch nur eine Lehre daraus zu ziehen. Die Ehe scheitert endgültig im Jahr 2002.

Rusts Leben seit der Erwähnung des Yellow King ist strikt dem Finden des selbigen gewidmet. Seine Wohnung gleicht der eines Besessenen. Bilder von Opfern, Verdächtigen und Hinweisen hängen an den weißen Wänden. Rust Cohle ist im Bauch des Monsters. Seine unautorisierte Ermittlung bringt ihm eine Suspendierung ein. Das Mädchen, welches Rust und Marty aus Reggie Ledouxs Verschlag retteten, beschreibt einen riesigen Mann mit vernarbtem Gesicht, der die Kinder zum Zuschauen zwang, während er andere Kinder folterte. Rust fördert immer mehr Fälle verschwundener Kinder zu Tage, die eine Sache gemein zu haben scheinen. Alle Frauen und Kinder verschwanden in den Gegenden, in denen Reverent Billy Lee Tuttle (Jay O. Sanders) sein Programm zur Finanzierung christlicher Schulen betrieb. Niemand, auch nicht Marty, glaubt Rust.

Das lange angekündigte Zerwüfnis zwischen Marty und Rust ist kein einzelnes Ereignis, sondern entstand eher graduell. Dicke Freunde waren die beiden noch nie. Nur scheint es, dass 2002 das Fass endgültig überlief. Wir haben es mit zwei Männern zu tun, die nur noch wenig Respekt für einander haben. “You know what it’s like being your partner, huh? Fuck you”, resigniert Marty, als Rust wegen seiner inoffiziellen Ermittlungen Marty den Papierkram für einen anderen Fall überlassen will. “No, buddy, without me there is no you. So type the fuckin’ report, man”, entgegnet er und geht.

Als Maggie sich für Martys erneuten Betrug rächt und bei Rust auftaucht, hält mich nur die teure Inszenierung davon ab, an eine billige Seifenoper zu denken. Mann betrügt Frau. Frau rächt sich an Mann und schläft mit Freund. Mann schlägt Freund zusammen und redet für die nächsten zehn Jahre nicht mehr mit ihm. Mann und Frau lassen sich scheiden. Freund quittiert den Dienst. Es ist so tragisch, wie es unspektakulär ist. Vielleicht habe ich auf eine weniger triviale Erklärung gehofft, weil das Jahr 2002 von der Serie als so große Zäsur aufgebaut wurde.

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