Wie ein junger Nolan: Moritz Bleibtreu traut sich in seinem Regiedebüt viel

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© Warner Bros.
Moritz Bleibtreu in Cortex
22.10.2020 - 15:40 UhrVor 1 Monat aktualisiert
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Mit seinem Regiedebüt Cortex ist Moritz Bleibtreu nicht den sicheren Weg gegangen. Sein Film erinnert an Christopher Nolan und David Lynch als verwirrendes Puzzle zwischen Realität und Albtraum.

Als Schauspieler ist Moritz Bleibtreu schon seit rund 20 Jahren einer der größten Namen aus Deutschland. Mit Rollen in Filmen wie Lola rennt, Das Experiment, Lammbock, Chiko, Der Baader Meinhof Komplex, Stereo und vielen mehr ließ er sich dabei nie so richtig auf einen Figurentyp festlegen.

Im Oktober 2020 bringt Moritz Bleibtreu jetzt seinen ersten Film ins Kino, in dem er nicht nur vor der Kamera stand. Für Cortex war er erstmals auch als Regisseur und Drehbuchautor verantwortlich.

Das Ergebnis ist mutiges deutsches Kino, das den sicheren Weg von vergleichbaren Weggefährten wie Til Schweiger, Matthias Schweighöfer und Co. komplett umschifft. Der düstere Psychothriller kommt stattdessen als verwirrendes Puzzle zwischen Albtraum und Realität daher und erinnert an große Vorbilder wie Christopher Nolan und David Lynch.

In Cortex hebt Moritz Bleibtreu die Realität komplett aus den Angeln

Das Regiedebüt des deutschen Stars handelt von dem Sicherheitsmann Hagen, den Bleibtreu auch spielt. Die Hauptfigur von Cortex leidet unter besonders intensiven Träumen, die sich so real anfühlen, dass Hagen den ganzen Tag über von extremer Müdigkeit geplagt wird.

Schaut euch den Trailer zu Cortex an

Cortex - Trailer (Deutsch) HD
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Schon in den ersten Szenen wird deutlich, dass Moritz Bleibtreu in seinem Film auf düstere Verwirrung und psychotische Abgründe setzt. Wer ist der junge, gutaussehende Mann (Jannis Niewöhner), von dem Hagen immer träumt? Hat seine Frau wirklich eine Affäre mit ihm? Und ist dieser Niko, der geradewegs in sein Verderben läuft, ein Verbrecher?

Cortex wechselt unentwegt zwischen verschiedenen Handlungsebenen und hüllt die Geschichte in Bilder, die nie ganz erkennen lassen, was triste Realität oder finsterer Albtraum ist.

Cortex ist von großen Vorbildern geprägt

Moritz Bleibtreus Regiedebüt erinnert dadurch stark an die Werke von David Lynch, speziell Lost Highway. Ähnlich wie die Hauptfigur Fred Madison, der seine Frau ermordet hat oder vielleicht auch nicht und sich in der Todeszelle plötzlich in eine ganz andere Person verwandelt, schiebt Cortex die Handlungsfäden von Hagen und Niko immer stärker ineinander.

David Lynchs Lost Highway

Dabei wird Cortex zunehmend verwirrender und wirft irgendwann die Frage auf, wer gerade von wem erträumt ist. Simplen Antworten geht Moritz Bleibtreu dabei mutig aus dem Weg. Sein Film ist kein seichtes Prestigeprojekt eines angesehenen deutschen Schauspielers geworden, der sich in seinem Regiedebüt mit möglichst viel Star-Power und kommerzieller Massentauglichkeit anbiedern will.

Der Einfluss von Inception und Memento in Cortex

Der Hamburger inszeniert Cortex vielmehr als surreales Puzzle, das neben David Lynch auch an Christopher Nolan erinnert. Inception diente aufgrund der ausufernden Traumwelten als unübersehbare Inspiration, was in einem Dialog des Films auch fast augenzwinkernd angesprochen wird. Um sich der eigenen Realität sicher zu sein, sollte die Figur doch einen regelmäßigen Check machen. So wie der Kreisel in Inception.

Cortex ist aber ein viel kleinerer Film als Inception und lässt sich eher mit den Anfängen von Nolan vergleichen. Vor allem Memento wirkt wie ein offensichtliches Vorbild für Moritz Bleibtreus Regiedebüt. Ähnlich wie Leonard Shelby, der sein Kurzzeitgedächtnis verloren hat und in Nolans chronologisch rückwärts wie vorwärts erzähltem Film nach der Wahrheit sucht, ist auch Hagen in Cortex ein Getriebener mit fragwürdiger Zurechnungsfähigkeit.

Cortex

Ein David Lynch oder Christopher Nolan ist Moritz Bleibtreu mit seinem Regiedebüt aber noch nicht geworden. Immer wieder verkommt der düstere Stil der Handlung zur oberflächlichen Pose, während die viel zu ernsten Dialoge manchmal an der Grenze zur unfreiwilligen Komik vorbeischrammen.

Als Erstlingswerk eines Schauspielers, der es sich so viel einfacher hätte machen können, entpuppt sich Cortex trotzdem als konsequent finsterer Psychothriller mit Mindfuck-Potenzial. Hier erinnert der Film dann doch nochmal an Nolan. Ähnlich wie bei dessen aktuellem Kinofilm Tenet wird eine Zweitsichtung bei Cortex für viele unausweichlich sein.

Wollt ihr euch Moritz Bleibtreus Regiedebüt Cortex anschauen?

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