Wie Dakota Johnson die 50 Shades of Grey-Fesseln abschüttelte

Fifty Shades of Grey/Suspiria
© Universal/Capelight
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"I read about this guy, gets on the MTA here, dies. Six hours he's riding the subway before anybody notices his corpse doing laps around L.A., people on and off sitting next to him. Nobody notices."

In ihrer Karriere gehört Dakota Johnson zu jenen Schauspielerinnen, denen ein bestimmter Ruf vorauseilt. Während ihr als Tochter von Don Johnson und Melanie Griffith das Schauspielen geradezu in die Wiege gelegt wurde, ist ihre familiäre Herkunft in der Industrie Fluch und Segen zugleich. Auch Johnson muss sich Vorwürfe gefallen lassen, dass sich die Tore Hollywoods für sie nur öffneten, da ihr von ihren namhaften Eltern der Weg dafür automatisch geebnet wurde. Hinzu kommt, dass die Schauspielerin jemand ist, den die Mehrheit gewöhnlicher Kinogänger aufgrund ihrer Hauptrolle in der Fifty Shades of Grey-Trilogie überwiegend unbekleidet oder in Handschellen gefesselt vor Augen hat. Aktuell ist Dakota Johnson im Kino in Suspiria zu sehen, der zeigt, dass die Schauspielerin längst neue, aufregende Wege in ihrer Karriere beschreitet.

Dakota Johnsons schmaler Weg bis zu ihrem Durchbruch mit Fifty Shades of Grey

Wer Dakota Johnsons schauspielerische Laufbahn vor Fifty Shades of Grey zurückverfolgen will, könnte sie durch ein kurzes Blinzeln manchmal schon fast verpasst haben. Neben ihrer Karriere als Model ab 2006 war Johnson nach ihrem Schauspieldebüt 1999 in Crazy in Alabama ab 2010 erstmals wieder in einigen Filmrollen zu sehen. Dabei bestanden diese zumeist aus kleineren Auftritten wie beispielsweise in Beastly, 21 Jump Street, Need for Speed oder als flüchtige Bettgespielin von Napster-Gründer Sean Parker in David Finchers The Social Network.

Diese Rolle, in der Dakota Johnson überwiegend auf ihre optischen Reize reduziert wird, ist bereits ein schlüssiger Indikator für die Figur, mit der sie ihren großen Durchbruch in Hollywood feiern würde. Als bekannt wurde, dass sie Anastasie Steele in der ersten Verfilmung von Fifty Shades of Grey spielen wird, entbrannte um Johnson ein gigantischer Hype, dem die von Natur aus eher schüchtern und sensibl wirkende Darstellerin von vornherein praktisch kaum gerecht werden konnte. Der am Valentinstag 2015 veröffentlichte Film wurde erwartungsgemäß ein riesiger Erfolg am Box Office und spielte bis heute weltweit über 500 Millionen Dollar bei einem Budget von 40 Millionen Dollar ein, wobei die beiden Fortsetzungen Fifty Shades of Grey 2 - Gefährliche Liebe sowie Fifty Shades of Grey 3 - Befreite Lust ebenfalls beachtliche Einnahmen erzielten.

Die reinen Zahlen sprachen jedoch eine andere Sprache als die Reaktionen von Zuschauern und vor allem Kritikern, bei denen die einzelnen Teile der Trilogie durchfielen und als miserabel geschriebene sowie gespielte Seifenopern abgestraft wurden, in denen der eigentliche BDSM-Aspekt der Geschichte zu völlig harmloser Soft-Erotik verkam, bei der die sexuelle Praktik des Sadomasochismus zudem als psychische Krankheit aufgefasst und somit missverstanden wurde. In den jeweiligen Filmen der Trilogie ist Dakota Johnson sichtlich darum bemüht, mit einem auffälligen Flackern in den Augen und einer gelegentlich aufblitzenden Ausgelassenheit gegen die geradezu mechanische Eindimensionalität ihres Leinwandpartners Jamie Dornan anzuspielen. Letztlich wirkt die Schauspielerin in allen drei Fifty Shades of Grey-Filmen aber noch verlorener und an ein schlechtes Drehbuch sowie eine unbeholfene Schauspielführung gefesselt als ihre Figur der Anastasie Steele.

Der bemerkenswerte Karriereweg von Dakota Johnson zwischen Fifty Shades of Grey

Abseits von Fifty Shades of Grey lohnt sich ein Blick auf die Werke, in denen Dakota Johnson zwischen den Franchise-Blöcken mitwirkte. Noch vor der Veröffentlichung von Fifty Shades of Grey 2 und 3 war die Schauspielerin beispielsweise in der Komödie How to Be Single zu sehen. Auch wenn diese kaum mehr als ein harmloser Spaß für zwischendurch ist, wirkt es so, als habe Johnson ihre Rolle in dem Film exakt mit der gleichen Einstellung angenommen. Zwischen all der Ernsthaftigkeit, die gerade im ersten Fifty Shades of Grey-Film noch so krampfhaft erzwungen schien, ist How to be Single vielmehr ein schauspielerischer Kurzurlaub, der die Darstellerin angenehm gelassen zeigt.

Noch interessanter ist der temperamentvoll aufgeladene Erotik-Thriller A Bigger Splash von Luca Guadagnino, für den Dakota Johnson vor ihrer Hauptrolle im neuen Suspiria erstmals mit dem Regisseur zusammenarbeitete. Wie kaum ein Filmemacher zuvor gelang es Guadagnino, die starke Ausstrahlung der Schauspielerin zu bündeln und Johnson als reizvolle, verführerische Lolita mit offensichtlichen Geheimnissen unter der makellosen Oberfläche zu inszenieren, die immer dort auftaucht, wo sie eigentlich nichts zu suchen hat. Mit körperbetontem Spiel und lasziven, durchdringenden Blicken zeigt die Schauspielerin in dem sommerlich erhitzten Reigen aus knisterndem Verlangen, ungezügelten Trieben und später mörderischen Abgründen ungeahnte Tiefe.

Dakota Johnsons Karriere auf den Spuren von Jennifer Lawrence und Kristen Stewart

Nachdem im Februar noch der letzte Teil der Fifty Shades of Grey-Trilogie in den deutschen Kinos lief, gestaltet sich das Kinojahr 2018 weiterhin als aufregender Abschnitt in Dakota Johnsons Karriere. Mit ihren Rollen in Drew Goddards gesprächig-entschleunigtem Thriller-Mosaik Bad Times at the El Royale und Luca Guadagninos höchst eigensinnigem Suspiria-Remake stellt die Schauspielerin weiterhin unter Beweis, dass sie sich nach ihrem großem Durchbruch viel lieber neuen Herausforderungen stellt, die eher dem Indie-Bereich zuzuordnen sind.

Damit beschreitet Dakota Johnson einen Karriereverlauf, der an ihre Schauspielkolleginnen Jennifer Lawrence und Kristen Stewart erinnert. Erstere drehte nach Anfängen im Indie-Bereich mit ihrem Durchbruch in Winter's Bone nach dem Erfolg der Tribute von Panem-Reihe schwierig zu vermarktende, kommerziell kaum funktionierende Filme wie Darren Aronofskys mother! und Francis Lawrences Red Sparrow. Die lange unterschätzte Kristen Stewart steht hingegen mittlerweile für Arthouse-Größen wie Olivier Assayas und Kelly Reichardt vor der Kamera. Auch Dakota Johnson scheint diesen Weg neuerdings einzuschlagen.

Zuschauer dürfen sie dabei als geheimnisvolle junge Frau mit Sekten-Vergangenheit und geladener Waffe in Bad Times at the El Royale beobachten oder in Luca Guadagninos Suspiria in Höchstform erleben. Der aktuell im Kino laufende Film zeigt Johnson als ebenso ambitionierte wie talentierte Ballettschülerin, die an einer Tanzakademie im Berlin des Jahres 1977 von bösartigen Mächten durch Hexen heimgesucht wird. Im Einklang mit ihrem Körper, den der Regisseur in bewundernswerten Szenen zum Tanzen bringt, und ihrer Persönlichkeit, die sich schließlich der dunklen Seite hingibt und aus der etwas ganz Neues erwächst, wird Dakota Johnson in Suspiria vor den Augen des Zuschauers förmlich wiedergeboren. Ihrer Zukunft kann sich nichts und niemand mehr in den Weg stellen.

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