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Was sagen die Kritiker zu...Feuchtgebiete

22.08.2013 - 08:50 UhrVor 7 Jahren aktualisiert
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Feuchtgebiete
© Majestic-Filmverleih
Feuchtgebiete
Kaum ein deutscher Film polarisiert so wie Feuchtgebiete. Das Buch sorgte wochenlang für Schlagzeilen und ging weg wie warme Semmeln. Ob der Film genauso provokativ ist, könnt ihr ab morgen im Kino sehen. Wir haben uns die Kritiker-Meinungen angeguckt.

Ab morgen wird sich zeigen ob David Wnendt Film Feuchtgebiete mit dem Erfolg des Buches mithalten kann. Wir haben uns angeguckt, welches Urteil die Kritiker gefällt haben. Helen, gespielt von Carla Juri, liegt im Krankenhaus. Sie hat sich bei einer zu hastig ausgeführten Intimrasur eine Analfissur zugezogen. Doch diesen Umstand sieht sie eigentlich als Chance ihre geschiedenen Eltern am Krankenbett wieder zu vereinen. Der Film erzählt von Helens Meinung zum Thema Hygiene, Sperma, Masturbation mit Gemüse und Menstruation. Und dann ist da noch der Krankenpfleger Robin (Christoph Letkowski), in den sich Helen verliebt. David Wnendt scheint ein Faible für kontroverse Frauenrollen zu haben. So erzählt sein letzter Film Kriegerin die Geschichte eines Neo-Nazi Mädchens. Was sagen also die Kritiker zur filmischen Umsetzung des Skandalromans?

Hier die harten Fakten zu Feuchtgebiete:
31 Community-Bewertungen mit einem Durchschnittswert von 5,0
6 Kritiker-Bewertungen mit einem Durchschnittswert von 6,0
49 Kommentare und 5 Kritiken
0 Lieblingsfilm und 4 Hassfilm
189 haben den Film vorgemerkt und 116 sind uninteressiert

Das sagen die deutschsprachigen Kritiker zu Feuchtgebiete:
Sonja Hartl von kino-zeit.de lobt den visuellen Aspekt: Ohnehin sind die Bilder des Films sehr ausdrucksstark: Mit knalligen Leuchtfarben, sepia durchzogenen Rückblenden und verwaschenen Regenbildern fasst Kameramann Jakub Bejnarowicz den seelischen Zustand seiner Protagonistin ein. Dabei verwendet er die übliche Farbgebung, jedoch sind seine Bilder durchzogen von kleinen Abweichungen, zu denen eine überraschende Perspektive und das Spiel mit Schärfentiefe gehören.

Hannah Pilarczyk von Spiegel Online findet gar, dass Feuchtgebiete zu wenig riskiert:Doch was schocken soll, nutzt sich schnell ab, schlimmer noch: Im letzten Drittel langweilt es sogar. Schließlich haben Wnendt und Juri zuvor alles daran gesetzt, die Zuschauer auf Helens Seite zu ziehen und ihre Eskapaden entweder als Lebenslust gutzuheißen oder als Folge ihrer traumatischen Kindheit zu verstehen. Leider hilft es auch nicht, dass der gebürtigen Schweizerin die Konsonanten manchmal so butterweich geraten, dass ihre Helen ins Mädchenhaft-Verspielte kippt. Wer soll diesem Zauberwesen eigentlich was übelnehmen?

Anke Sterneborg von Die Welt findet den Film besser als die Buchvorlage und schreibt: Statt exzessiv in Skandalbildern zu schwelgen, entfesselt er einen mitreißend jugendlichen Sturm und Drang und fächelt damit jede Menge frische Luft in die, nun, ein wenig muffige Geschichte, und das ganz ohne sie zu entschärfen, in einem gelungenen Mix von Werktreue und Respektlosigkeit. Was leicht ein unappetitliches Krankenhauskammerspiel hätte werden können, wird da tatsächlich zu einer flirrenden, vibrierenden, pulsierenden Coming-of-Age-Geschichte.

Das sagen englischsprachigen Kritiker zu Feuchtgebiete:
Boyd van Hoeij von The Hollywood Reporter lobt den Stil von Regisseur David Wnendt: Was den Film, trotz seines kontroversen Themas, so zugänglich macht ist Wnendts vollkommen stimmiger Stil, der nie vulgär ist oder absichtlich schockiert. Was passiert wird stattdessen durch Helens einzigartige, unschuldige, aber keineswegs kindliche Persönlichkeit gefiltert und gelegentlich durch Humor Richtung Farce getrieben.

Eric Kohn von IndieWire redet über die polarisierenden Ekel-Szenen: Zum Großteil sind diese Episoden absurd und unbeirrt eklig. Aber Feuchtgebiete ist konsequent genug – und nicht ansatzweise so düster wie die Vorlage – um mehr zu sein als Human Centipede – Der menschliche Tausendfüßler mit Herz. Im Gegenteil – der Film wertet die klischeehaften Probleme einer jungen Frau, die ihre Kindheitstraumata verarbeitet, durch die radikale Herangehensweise an seine triebhaften Ausmaße, sogar auf.

Massimo Benvegnù von cine-vue.com schreibt etwas über die Hauptdarstellerin Carla Juri: Im Endeffekt ist es die Besetzung der frischen schweizer Newcomerin [Carla] Juri die sich als Siegerkarte im Stapel erweist. Sie ist keine gefährliche Femme Fatale oder ein tätowierter Skateboard-Punk, und ihre Frisur und ihr Kleidungsstil schreien eher “Nerd von nebenan” als gewalttätiges und vulgäres Miststück. Dennoch ist man hingezogen zu ihrem verlegenen Lächeln und ihrer androgynen Figur, die im wunderbaren Gegensatz zu der dreckigen Sprache stehen, die sie nutzt um jeden um sich herum zu schockieren.

Das Kritiker-Fazit zu Feuchtgebiete:
Die Kritiker scheinen sich einig zu sein, dass die Filmumsetzung gelungen ist. Die viel zitierten Ekelszenen treten hinter dem sicheren und farbenfrohen Stil und der überragenden Schauspielerischen Leistung von Carla Juri zurück und lassen damit Platz für die Geschichte, die es zweifelsohne gibt. David Wnendt ist gar nicht daran interessiert, einen Skandal aus seinem Film zu machen. Die expliziten Szenen sind nur Beiwerk zur Charakterisierung Helens. Deswegen klingt in manchen Kritiken so etwas wie Enttäuschung oder Langeweile an, wenn sich gegen Ende des Films die vermeintlichen Tabubrüche häufen. Trotzdem ist Feuchtgebiete eine mutige, schonungslose Coming-of-Age Geschichte, die seine Trümpfe nie als Schock-Effekt ausspielt.

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