Thor mit Bierbauch: God of War zeigt, wie langweilig Marvel-Perfektion à la Chris Hemsworth ist

Von Müll bis Meisterwerk - Wir ranken alle THOR Filme im MCU
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© Disney/Mondo
Chris Hemsworth als Thor
14.09.2021 - 18:40 UhrVor 6 Tagen aktualisiert
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God of War Ragnarok zeigt einen krassen Gegenentwurf zu Chris Hemsworths Marvel-Thor. Das Game stellt die Frage: Müssen Superheld:innen überhaupt aussehen wie Models?

Letzte Woche wurde im Rahmen einer Playstation-Präsentation neues Material zu einer der aktuell meisterwarteten Videospiel-Fortsetzungen vorgestellt: God of War Ragnarok. Das Spiel lässt Protagonist Kratos erneut einmal quer durch die nordische Mythologie metzeln. Ebenfalls mit dabei: Donnergott Thor.

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Der hat in God of War allerdings wenig mit dem Bild zu tun, das Chris Hemsworth seit 10 Jahren in den Marvel-Filmen vermittelt. Der Thor im MCU ist das ästhetische Ergebnis des Lebensstils von Chris Hemsworth, der sich jeden Tag quält, um seinen Bizeps noch schärfer hervortreten zu lassen.

Die Thor-Version von God of War: Ragnarok sieht nicht so aus, als würde sie vorm Frühstück Körpergewichtsübungen machen. Dieser Thor wirkt eher wie ein Genussmensch, der HIIT für eine isländische Biermarke hält.

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Welche Thor-Version ist realistischer: Die korpulente oder die durchtrainierte?

Die God of War-Macher:innen haben mit dem korpulenten Donnergott definitiv Staub aufgewirbelt. Viele Fans lehnen das Design der Figur ab, etwa genauso viele feiern es. Deswegen lohnt es sich, da mal genauer hinzuschauen.

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Dieser Thor sehe "nicht aus wie ein einschüchternder Krieger", meint hier jemand.

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Richtig gemein wird diese:r Nutzer:in: "Das ist Müll, fit ist nicht fett."

Auffällig: Immer wieder taucht in Argumenten gegen die korpulente Thor-Darstellung das Gemälde "Thor's Battle Against the Jötnar" aus dem Jahr 1872 von Mårten Eskil auf.

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Es zeigt eine schlanke Thor-Abbildung, die von einigen Personen als klarer Beweis dafür gesehen wird, dass der Donnergott gefälligst durchtrainiert zu sein hat. Abgesehen davon, dass Popkultur seit jeher Figuren neu interpretiert und sie dadurch immer wieder neu erfindet, wird die Frage durch derart penible Abgleichungen nur noch spannender: Wieso ist ein Gott, dessen Körper nicht wie ein V aussieht, offenbar schwer zu akzeptieren?

Warum müssen Götter wie Models aussehen?

Wahrscheinlich hängt das auch mit unserem Mindset zusammen. Eine schlanke, durchtrainierte Figur wird mit Leistungsfähigkeit gleichgesetzt, nicht nur in Comics und Comic-Adaptionen, sondern auch in unserer neoliberalen kapitalistischen Gesellschaft . Chris Hemsworth entspricht auf den ersten Blick eher dem vom Historiker Jürgen Martschukat  beschriebenen "selbstverantwortlichen, leistungsbereiten und leistungsfähigen Individuum“ als Thors God of War-Variante mit Bierbauch.

Einfacher ausgedrückt: Wir müssen schlank und trainiert sein, um im Wettbewerb zu bestehen und zu performen. Diese Botschaft hämmern uns auch Superheldenfilme ein.

Wir erinnern uns. Das MCU "wagte" vor zwei Jahren, einen übergewichtigen Thor abzubilden. Avengers 4: Endgame verpottet Thor wegen seiner Körperfülle. Sie soll seine innere Schwäche auf den ersten Blick für das gesamte Publikum sichtbar machen. Der gebrochene Thor hat nicht nur seine Ehre im Kampf gegen Thanos verloren, sondern auch seine Selbstdisziplin. Und jetzt seht ihn euch an!

Thor braucht eigentlich keine Muskeln

Wie wenig tragfähig dieser Rückschluss von Optik auf Leistungskraft ist, merkt der Film selber. Der "Fat-"Thor in Endgame ist mindestens genauso stark wie der austrainierte in Avengers 3: Infinity War. Da kann man schon mal fragen, welchen praktischen Nutzen ausgeprägte Lendenmuskeln bei einem Donnergott erfüllen sollen, der Blitze schießen und an seinem Hammer durch die Luft fliegen kann.

Ein Thor oder eine Wonder Woman brauchen ihre Fitness-Figuren nicht. Sie müssen sich nicht an die physikalischen Gesetze halten, an die wir gebunden sind. Warum also sollten sie sich dann ausgedachten physische Idealvorstellungen unterwerfen?

Da sind wir wieder bei der Gleichsetzung von gegenwärtigen optischen Idealen mit Leistungsfähigkeit. Götter wie Chris Hemsworths Thor und Gal Gadots Wonder Woman spiegeln gängige Schönheitsideale auf extreme Weise wieder. Ihre Perfektion kompensiert unsere vermeintlichen Unzulänglichkeiten.

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Die Avengers sind dort erfolgreich, wo wir versagen und sehen dabei auch noch toll aus. Es ist eben kein Zufall, dass Thor sich im Moment seiner größten Niederlage in Teile seines menschlichen Publikum verwandelt: Von Selbstzweifeln geplagt, manchmal antriebslos, Fettpolster hier und da. Der Film hält diesen Zustand, diese Spiegelung nicht lange aus. Die Thor-Wampe ist nur ein kurzer Witz und wird bald unter einer Rüstung versteckt. Das Doppelkinn, wenn überhaupt eins da ist, sehen wir unter dem Rauschebart ohnehin nicht.

God of Wars Thor kommt der nordischen Mythologie näher als Chris Hemsworth

God of War: Ragnarok setzt uns über die gesamte Spiellänge der Thor-Wampe aus, sie ist Teil des Charakters, wie die Entwickler Eric Williams und Creative Director Cory Barlog in einem Interview  sagen.

Sie [Menschen mit Körperfülle] haben sofort eine Präsenz. Und das liegt nicht immer an den Muskeln. Sie sind einfach wie eine 'menschliche Wand' [...]. Das hier ist also eine 'göttliche Wand' […]."

Es gibt Kritiker:innen dieses Thors, ja. Aber sehr viele Fans freuen sich über die authentische, nahbarere Abbildung eines Gottes, der in den Sagen bekannt ist für seinen unstillbaren Hunger und Durst. Wieso sollte so jemand denn keinen Bierbauch haben?

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Machen wir uns nichts vor: Dieser korpulente Thor allein wird nicht an festgefahrenen Schönheitsidealen rütteln. Kurz- und mittelfristig werden Heldinnen und Helden weiterhin aussehen wie Instagram-Models. Chris Hemsworth will sich in Thor 4 dem Comic-Thor mehr anzunähern als je zuvor.

Doch God of War Ragnarok beginnt gerade, eine alte, belastende Erzählung von Fitness und Leistungsfähigkeit aufzubrechen. Und das ist nicht nur erleichternd, sondern auch deutlich spannender als vermeintliche Perfektion.

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