The Umbrella Academy: Der Marvel-Ersatz von Netflix ist (fast) ein Totalausfall

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Superhelden und Netflix sind mittlerweile nicht mehr zu trennen. Seit 2015 Daredevil seine Premiere auf dem Streaming-Dienst feierte, wurde die Plattform vor allem für Marvel-Serien zum Zuhause. Doch nach der Absetzung von vier Serien sind mittlerweile nur noch The Punisher und Jessica Jones übrig. Das heißt aber nicht, dass Netflix nicht mehr auf Superhelden setzt. Anfang des Jahres gab es mit DC's Titans blutigen Nachschub für Fans des Genres. Jetzt hat Netflix mit The Umbrella Academy den nächsten Pfeil im Köcher, diesmal als komplette Eigenproduktion. Doch leider kann die Comic-Adaption ihr großes Potential nie wirklich abrufen.

Das ist die verrückte Geschichte von The Umbrella Academy

Die Geschichte hinter The Umbrella Academy setzt sich erfrischend von anderen Superhelden ab. Im Jahr 1989 bekamen 43 Frauen auf der ganzen Welt Kinder, obwohl keine von ihnen schwanger war. Der exzentrische Milliardär Sir Reginald Hargreeves (Colm Feore) versuchte sofort, möglichst viele von ihnen zu adoptieren, was ihm insgesamt sieben Kinder mit Superkräften einbrachte.

Anstatt sich um seine Kinder zu kümmern, formte er sie jedoch eisern in der Akademie zu einem Heldenteam und gab ihnen lediglich Nummern anstelle von Namen. Aufgezogen wurden sie von einem sprechenden Schimpansen und einer Roboter-Mutter. Doch nach dem Zerfall der Akademie gingen die Schüler eigene Wege - bis sie der Tod ihres Vaters nach Jahren wieder zusammenbringt.

Umbrella Academys größte Stärke: Die Hauptfiguren

Die tollen Figuren sind das beste an der Serie. Keiner von ihnen fällt im Laufe der Serie groß ab.

  • Luthor (Tom Hopper) arbeitete bis zuletzt für seinen Vater auf dem Mond und besitzt Superstärke.
  • Diego (David Castaneda) ist ein perfekter Messerwerfer und wurde wegen seinem Hang zur Selbstjustiz aus der Polizeischule geschmissen.
  • Allison (Emmy Raver-Lampman) wurde zum Filmstar, wobei sie ihre Fähigkeit benutzte, die Realität durch Lügen zu verändern.
  • Klaus (Robert Sheehan) kann Kontakt zu den Toten aufnehmen, doch aufgrund seiner Drogensucht erreicht er mit seinen Kräften nur das bereits tote siebte Kind, Ben.
  • Nummer 5 (Aidan Gallagher) war für Jahrzehnte verschwunden, nachdem der Zeitreisende in der Zukunft steckenblieb. Nun kehrt er in seinem jugendlichen Körper zurück - obwohl er bereits ein alter Mann ist.
  • Vanya (Ellen Page) ist die einzige der Sieben ohne Superkräfte. Sie wurde ihr Leben lang ausgegrenzt.

Vor allem Aidan Gallagher als gefühlskalter alter Mann im Körper eines Jungen sowie der sarkastische, aber komplett kaputte Klaus sind Highlights. Ellen Pages Vanya möchte man dagegen sofort in den Arm nehmen. So ergibt sich zwischen den komplett unterschiedlichen Charakteren eine tolle Dynamik, die nur leider zu selten in gemeinsamen Szenen genutzt wird.

Umbrella Academy auf Netflix: große Mysterien, langsames Drama

Luthor ist überzeugt, dass beim Tod ihres Vaters etwas nicht stimmte. Nummer 5 berichtet, dass die Welt in acht Tagen untergeht und sie das gemeinsam verhindern müssen. Doch er wird von den skurril-mysteriösen Auftragskillern Cha-Cha (Mary J. Blige) und Hazel (Cameron Britton) gejagt, die durch die Zeit reisen. All das klingt auf dem Papier spannend. Doch die Serie selbst weiß nie so richtig, was sie damit anfangen soll.

Beim Lesen der Geschichte scheint es so, als sei diese total abgedreht. Der Einstieg in die erste Folge ist auch eine tolle Montage zu Musik, die wie eine Mischung eines My Chemical Romance-Songs und Klassik klingt. Der Frontmann der Band, Gerard Way, erschuf die Comic-Vorlage und steuerte für die Serie Songs bei. Doch dann wird schnell klar: Im Grunde ist The Umbrella Academy ein Drama. Ein sehr, sehr langsames Drama.

Umbrella Academy auf Netflix ist langgezogen und vorhersehbar

Die komplette Ernsthaftigkeit passt so gar nicht zu den mit Popmusik unterlegten, abgedrehten Action-Einschüben oder den skurril-humoristischen Charakteren. Umbrella Academy weiß nie, was für eine Serie sie genau ist und schwankt tonal stark. Das dargebotene Drama ist dann meist nicht einmal besonders gut umgesetzt.

Die jeweils fast eine Stunde langen Folgen ziehen die Geschichte ewig in die Länge - Flashbacks sind an der Tagesordnung. Das mag einer TV-Serie passieren. Bei Netflix aber brauchen Serien keinen Füllfolgen. Bestes Beispiel ist das kurze, aber durchweg starke Matrjoschka. Am schlimmsten wird es in The Umbrella Academy, als Nummer 5 durch eine Zeitreise tatsächlich einfach eine ganze Folge rückgängig macht.

Das tut besonders wegen den tollen Charakteren und guten Schauspielern weh. Leider sind die Dialoge maximal mittelmäßig, wodurch auch bei den Wortgefechten noch einmal massiv Potenzial verschwendet wurde. Überraschend ist, wie vorhersehbar die Serie trotz Zeitreisen teilweise wird. Vor allem bei Vanyas Geschichte ist dem Zuschauer sofort klar, was passiert. Durch ihre komplett dummen Entscheidungen verliert Ellen Pages Figur stark an Sympathie.

Sogar das Ende von The Umbrella Academy auf Netflix enttäuscht

Der meist nebenherlaufende Plot um die Auftragskiller hält die Serie ebenfalls auf. Da helfen auch keine Musik-Montagen am Ende jeder Folge. Besonders wütend macht dann noch einmal das Staffelfinale, das genau auf den erwartbaren Showdown hinarbeitet - und dann statt einer Auflösung einen harten Cliffhanger setzt.

Das Endergebnis ist immer noch okay, Umbrella Academy ist kein Totalausfall. Aber das sichtbare Potential wird fast nie genutzt. Und das ist unheimlich schade.

Die 1. Staffel von The Umbrella Academy erschien in Deutschland am 15.02.2019 bei Netflix. Als Grundlage für diesen Serien-Check dienten alle 10 Folgen der 1. Staffel.

Werdet ihr euch The Umbrella Academy anschauen?

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