The Handmaid's Tale: Wie kann die grausame Welt so wunderschön aussehen?

The Handmaid's Tale - S02 Trailer (Deutsch) HD
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The Handmaid's Tale: Staffel 2 ist grausam und schön zugleich
06.11.2020 - 09:00 UhrVor 4 Monaten aktualisiert
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Die Serie The Handmaid's Tale ist auch in Staffel 2 leicht an ihrem einmaligen Look wiederzuerkennen. Doch wie kann eine so niederschmetternde Dystopie dermaßen ästhetisch daherkommen?

Letzten Herbst startete die 1. Staffel der dystopische Erfolgsserie The Handmaid's Tale im deutsche Free TV. Dieses Jahr kehrt Desfred aka June (Elisabeth Moss) mit Staffel 2 ins religiös-totalitäre neue Amerika zurück. Den außergewöhnlichen Look, der schon den Auftakt so besonders machte, hat die neue Season zum Glück beibehalten.

Zu sehen ist die 2. Staffel der dystopischen Qualitätsserie ab dem 6. November 2020 exklusiv auf TELE 5 als Free TV-Premiere und im Anschluss auf 5Flix. An drei aufeinander folgenden Wochenenden wird freitags und samstags ab 22:15 Uhr je eine Doppelfolge ausgestrahlt und zum großen Finale am 21.11. gibt’s das Triple bestehend aus den letzten drei Folgen. Hier erfahrt ihr mehr. 

The Handmaid's Tale zu schauen ist schaurig-schön

Beim Schauen von The Handmaid's Tale schwanke ich ständig zwischen zwei Polen: Dem Schauer über diese grausamste Art von menschlicher Science Fiction und dem bewundernden Staunen über die Ästhetik, mit der die Serie gekonnt Farben, Formen und Licht zu einem einzigartigen Look zusammenfügt.

Auch in Staffel 2, wo The Handmaid's Tale sich von der Buchvorlage von Margaret Atwood löst, bleiben wir der Welt von Gilead nicht zuletzt durch das Design verhaftet, mit dem wir in die Gesellschaftsordnung einst hineingezogen wurden.

Der Staffel 2-Trailer zeigt die grausame Schönheit von The Handmaid's Tale

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Die Serie von Bruce Miller weiß ihre schreckliche männliche Theokratie, in der Frauen unterjocht werden, mit einer Eleganz auszustatten, die zugleich beunruhigt und fasziniert. Aber schauen wir uns das im Detail an.

The Handmaid's Tale lebt auch in Staffel 2 von Farben und Kostümen

In Gilead, wo die meisten Frauen unfruchtbar sind, tragen nur die zum Gebären versklavten "Mägde" blutrote Roben, was in der bewusst gewählten Ikonografie kein Zufall ist. Mit ihren roten Umhängen und weißen Kappen sind sie außerdem kaum zu übersehen und ein Weglaufen damit fast unmöglich.

Ganz oder gar nicht, heißt die Devise bei den Kostümen von The Handmaid's Tale. Wenn Kommandanten in Schwarz, Ehefrauen in Türkis, Marthas in Grau, Tanten in Braun und Mägde in Rot auftreten, dient das der hierarchischen Unterscheidbarkeit im christlich-fundamentalistischen Staat. Zugleich unterstreicht die geniale Einfachheit dieser Farb-Kodierung neben den Funktionen der Figuren auch den Gefühlseindruck, der hier vermittelt werden soll.

The Handmaid's Tale: June / Desfred

Kommandant Fred (Joseph Fiennes) wirkt in Schwarz bedrohlich. Serenas (Yvonne Strahovski) Blauton darf dem Auge schmeicheln, da sie sich als schöne Ehefrau angenehm einfügen/unterordnen soll. Selbst, dass die grau-grünen Haushälterinnen (Marthas) farblich fast verschwinden, hat seinen ganz bestimmten Zweck, ist es doch ihr Job als Dienerinnen nicht weiter aufzufallen.

Umgekehrt wirkt es wie ein grausig-bedrohliches Ballett, wenn die roten Mägde sich in großer Anzahl versammeln. Vor den starren grauen Gebäuden des dystopischen Regimes heben sich die knalligen Farben vor der entsättigten Umgebung unübersehbar ab und lenken das Auge der Zuschauenden damit auf das menschliche Schicksal der so auffällig Eingekleideten.

Kostüme in The Handmaid's Tale: Ehefrau, Tante, Magd

In einem Interview mit Vox  verriet die Kostüm-Designerin von The Handmaid's Tale, Ane Crabtree, außerdem:

Die Idee war, diese Welt nicht zu einem rostig-verstaubten Kostüm-Drama zu machen, sondern sie so schmerzlich modern und aktuell zu gestalten, dass du dir Sorgen machen würdest. Weil die Menschen in dieser Kleidung deine Mutter, Schwester, Tante oder beste Freundin sein könnten - Frauen ohne Rechte.

Der Kontrast in den Kostümen als Abgrenzung in der starren Klassengesellschaft verleiht der Diktatur eine farbliche Linie, die in der Vergangenheit schon andere (echte) totalitäre Regime anzuwenden wussten. Ergänzend greift The Handmaid's Tale als ästhetische Serie zusätzlich zur Farbgebung auf den Einsatz von Licht zurück.

Die lichten Bilder von The Handmaid's Tale geben einen Hoffnungsschimmer

Neben den Farben, die in The Handmaid's Tale so hervorstechen, habe ich selten eine Serie gesehen, die dermaßen in das Spiel mit Licht und Schatten verliebt war.

Licht-durchwirkte Bilder in The Handmaid's Tale

Ob nun ein Sonnenstrahl schräg ins staubige Dachzimmer einfällt oder ein Lichtfleck eine ganz bestimmte Figur illuminiert: The Handmaid's Tale weiß seine Beleuchtung geschickt zu nutzen - für Hoffnungsschimmer und verräterische Scheinwerfer gleichermaßen.

Die veränderliche Architektur des Lichts durchwirkt die Serie mit einer zusätzlichen Anmut und steht als Gegenpol zu den starren Formen der Gebäude und Gesellschaft.

Wenn wir dann noch die durchdachte Bildkomposition bei der Kameraarbeit dazunehmen, die in ihrer Symmetrie häufig ein Gefängnis findet oder June im richtigen Framing Engelsflügel aufsetzt, ist das nicht immer subtil, aber stets wirksam.

The Handmaid's Tale: Elisabeth Moss

Hier schließt sich der Kreis der Serie. Denn wie The Handmaid's Tale inszeniert ist, lehnt sich bildlich natürlich an die Macht von Tyrannen und an Lichtblicken von Märtyrern an. Aber mit klaren Formen, Farben und Bild-Regeln gelingt der Serie dadurch ein ikonisches Aussehen - und entführt uns so effektiv in eine schrecklich-schöne Zukunft.

War euch der Look von The Handmaid's Tale vor Staffel 2 bei TELE 5 auch so eindrücklich?

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