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Retrospect(re)

Teil 5: Space Race

16.09.2015 - 09:52 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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Britisch, tödlich, elegant.
© United Artists
Britisch, tödlich, elegant.
Mit Man lebt nur zweimal geht eine Ära zu Ende, Sean Connery tritt zurück. Wie schlägt sich sein fünfter Film im Vergleich mit den Vorgängern? *Spoilerwarnung*

1967: Man lebt nur zweimal
Ein mysteriöses Raumschiff “verschlingt” eine bemannte amerikanische Sonde und löst dadurch eine heftige politische Debatte aus. Die Amerikaner beschuldigen die Russen, die wiederum alles abstreiten. Der MI6 hat aber eine ganz andere Spur, die nach Japan führt. Bond (Sean Connery) der frisch von seinem inszenierten Tod wiederkehrt, soll sich der Sache annehmen und herausfinden, ob und was die Japaner mit der verschwundenen Sonde zu tun haben. In Tokio verbündet er sich mit dem dortigen Geheimdienst-Chef ‘Tiger’ Tanaka (Tetsurô Tanba) und der Agentin Aki (Akiko Wakabayashi). Hinweise lenken Bond auf den Geschäftsmann Osato (Teru Shimada), aber hinter dem steht noch eine größere Macht.

Ein Novum in der noch recht jungen Filmreihe: Erstmals erscheint ein Film im Zweijahresabstand zu seinem Vorgänger. Auf lange Sicht ist das wohl auch die richtige Entscheidung gewesen, schließlich ist ein Jahr nicht sehr lange. Und das Konzept hat sich bis 1989 auch gehalten. Zudem gibt es mit Lewis Gilbert einen neuen Regisseur und mit Roald Dahl einen Ausnahme-Drehbuchautor. Ja, richtig gelesen, Man lebt nur zweimal wurde vom Autor von Matilda und Charlie und die Schokoladenfabrik verfasst. Dahl stellte auch die Drei-Frauen-Theorie für Bond auf: Eine Frau, mit der er ein Verhältnis hat, die aber stirbt, eine Widersacherin, die auch stirbt und eine, mit der er am Ende romantisch veranlagt sein kann. So in etwa zumindest.

Auch zum ersten Mal entfernt sich die Handlung stark von der Vorlage: Du lebst nur zweimal aus der Feder von Ian Fleming stellt den letzten Kampf zwischen Bond und seiner Nemesis Blofeld dar. Das im Buch beschriebene Finale findet in einem auf einer Klippe gelegenen Schloss statt, das von einem Garten der Selbstmorde umgeben ist. Nur: Japaner bauen eigentlich keine Schlösser an Klippen, was die Filmcrew nach eingehendem Location-Scouting feststellen musste. Also wurde umdisponiert und der Unterschlupf von SPECTRE in einen erloschenen Vulkan verlegt (zumindest das; Blofelds Schloss stand auf einem solchen Vulkan). Das eigens dafür errichtete Set von Ken Adam sollte zu einem der größten Sets seiner Zeit werden, kostete eine Million Pfund und beinhaltete genug Platz, um Einschienenbahnen, Raketen und Helikopter darin zu manövrieren. Ansonsten wurde das meiste vor Ort in Japan gedreht. Das macht sich vor allem während der Luftaufnahmen bezahlt, die die schöne japanische Landschaft einfangen.

Die Geschichte hangelt sich also vor allem an Charakteren und Details der Vorlage entlang. Das macht aber nichts, erzählt sie doch eine halbwegs glaubwürdige Handlung um den Wettlauf ins All und die dadurch entstehenden Aggressionen zwischen den USA und der UdSSR. Leider sind die Weltraumsequenzen nicht allzu gut gealtert und sehen aus heutiger Sicht recht altbacken aus. Das ist aber nur bedingt schlimm, da der Hauptteil des Films nun mal auf der Erde stattfindet.

Eine Sache, die Man lebt nur zweimal in Aussicht stellt, ist, dass der Zuschauer endlich erfährt, wer der Mann hinter Dr. No, Rosa Klebb und Emilio Largo  ist. Und genau das liefert der Film: Ernst Stavro Blofeld, der glatzköpfige Mann in einer beigen Nehru-Jacke mit der weißen Katze. Donald Pleasence stellt den Erzfeind Bonds mit einer gruseligen Ruhe dar, die selbst Dr. No wie ein emotionales Bündel erscheinen lässt. Nichts scheint ihn außer Ruhe zu bringen, selbst wenn er mit ansehen muss, wie sein Plan vereitelt wird. Zudem ist er kein körperlicher Gegner, sondern eben “the man with the brains”. Für den Rest hat er Hans, den Schläger, der ohne Dialog oder Hintergrund im Vulkan damit beschäftigt ist, böse auszusehen.

Der Mann mit der Katze - berechnend und gefährlich.

Blofelds einzige wirkliche Verbündete im Film sind Mr. Osato und dessen Sekretärin, Helga Brandt (Karin Dor). Wobei Verbündete auch zu viel gesagt ist, mehr “Mittel zum Zweck”. Brandt ist immerhin ein Mitglied von SPECTRE und in der Funktion macht sie Bond auch gerne persönlich das Leben zur Hölle. Dabei ist sie fast ebenso ausgefuchst wie der smarte Engländer und gaukelt ihm erst eine Liebschaft vor, ehe sie ihn gnadenlos abserviert und in einem abstürzenden Flugzeug alleine lässt.

Bereits im Vorfeld war bekannt, dass Sean Connery nach diesem Film aufhören wollte. Natürlich war das ein großer Schock für die Fangemeinde, die sich um die Bondfilme aufgebaut hatte, aber viel ausrichten konnten sie ja trotzdem nicht. Trotzdem schmeißt Connery den Part im Film nicht in den Wind, im Gegenteil: Sein Charme und seine Art machen wieder einen wichtigen Teil der Anziehungskraft des Films aus. Das ist besonders deswegen gut, weil seine weiblichen Co-Stars (außer Karin Dor) keine allzu guten Figuren machen. Aki und Kissy Suzuku sind zwar relevante Figuren, aber die Schauspielerinnen können nicht vollständig überzeugen. Besonders bei Aki, die eine wichtigere Rolle einnimmt, ist das schade. Eine gute Besetzung hingegen ist Tetsurô Tanba als ‘Tiger’. Er macht eine gute Figur als der planende, freundliche Geheimdienst-Chef und macht mit seinem gelegentlichen Lachen viel Spaß. Die Sache mit der Rutsche, die direkt in sein Büro führt, ist allerdings diskutabel. Im Gegensatz zu seinem Privatzug, der ist einfach nur cool.

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