Taken - Pilot-Check zur Prequel-Serie, in der Liam Neeson fehlt

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01.03.2017 - 10:05 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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Nachdem Liam Neeson drei Mal auf der Leinwand als Ex-Agent Bryan Mills für Krawall sorgen durfte, wird aus 96 Hours aka Taken eine Action-Thriller-Serie, die bei NBC beheimatet ist. Wir haben uns die Pilot-Episode angeschaut - mit ernüchterndem Fazit.

Wenn wir über die Karriere definierenden Rollen von Liam Neeson reden, darf auf keinen Fall die des ehemaligen CIA-Agenten Bryan Mills in 96 Hours vergessen werden. Unter der Regie von Pierre Morel wüteter er 2008 als alternder Ehemann und Vater zum ersten Mal durch die Straßen von Paris. In den darauffolgenden Jahren sollten zwei Fortsetzungen folgen, ganz zu schweigen von einer ganzen Reihe vergleichbarer Actionthriller. Über Nacht hatte sich Liam Neeson eine neue Kino-Identität geschaffen, die in Zusammenarbeit mit Jaume Collet-Serra ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden hat. Bryan Mills ist die Blaupause eines speziellen Action-Helden, der in dieser Form zwar nicht zum ersten Mal in der Filmgeschichte auftaucht, dank Liam Neesons prägender Darstellung jedoch seine eigene Dynamik entwickelte. Doch was passiert, wenn dieser Bryan Mills eine Dekade später in Serie wütet?

NBC hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit Taken die Vorgeschichte zu den Kino-Abenteuern zu erzählen. Dieser Umstand hat leider ebenfalls zur Folge, dass Liam Neeson nicht mehr als Hauptdarsteller in Frage kommt. Clive Standen, bekannt aus der History-Serie Vikings, tritt in die Fußstapfen des Hollywood-Stars und versucht, der jüngeren Version von Bryan Mills Leben einzuhauchen. Wie in so vielen Prequels geht es also um den Anfang aller Dinge, den Ursprung der Legende. Doch bereits an diesem Punkt ignoriert Serienschöpfer Alexander Cary die rohen Möglichkeiten, die ihm zur Verfügung stehen, und erschafft nichts weiter als einen Klon der Ursprungsfigur, die sich lediglich in einem Detail unterschiedet: Der junge Bryan Mills besitzt deutlich weniger Falten. Wenngleich die Handlung der Pilot-Episode 30 Jahre vor der Filmtrilogie spielt, verändert hat sich der Protagonist keinen Deut in all der Zeit, die ihn eigentlich prägen und verändern sollte.

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Ohne das dürftige 96 Hours-Franchise überbewerten zu wollen, besaß zumindest das erste Segment eine bestimmte Ausstrahlung: Bryan Mills als heruntergekommenes Wrack, das zum Schutz seiner Familie sämtliche moralischen Grenzen überschreitet, ist durchaus ein faszinierender wie tragischer Zeitgenosse, der besonders von den unausgesprochenen, aber offensichtlich vorhandenen düsteren Flecken in seiner Vergangenheit zehrte. Wenn wir jedoch der ersten Episode des Serien-Updates Glauben schenken dürfen, dann war Bryan Mills schon immer der Typ, der sich in schwarze Pullis und Mäntel hüllte und vorzugsweise via Handy mit brummender Stimme wahlweise Warnungen oder Drohungen aussprach. Alexander Cary lässt die Chancen der Vorgeschichte völlig ungenutzt - nicht einmal die Timeline ist in diesem Quasi-Reboot von Belang: Anstelle der 1970er Jahre ist Taken der Einfachheit halber schlicht in der Gegenwart angesiedelt.

Dieser Umstand raubt der erschöpften Prämisse jegliche Kraft und zusätzlich zur unveränderten Übernahme der Bryan Mills-Figur kopiert Alexander Cary ebenfalls das Umfeld, in dem er sich bewegt. Erneut geht es um den Verlust eines Menschen, der ihm sehr am Herzen liegt, konkret handelt es sich in diesem Fall um seine kleine Schwester. Was folgt, sind unzählige Schüsse und grimmige Blicke. Bryan Mills ist genau in seinem Element, leider vermittelt die Serien-Adaption kaum ein Gefühl dafür. War in den Filmen wenigstens noch eine gewisse Härte des Gezeigten spürbar, ordnet sich das Geschehen der Pilot-Episode gehörig den Regeln eines Procedurals unter, das gleichermaßen lustlos wie lieblos die undankbarsten Facetten einer NBC-Produktion zum Ausdruck bringt. In Taken geht es bloß darum, einem Phantom hinterherzujagen - allerdings ohne die Bereitschaft, sich tatsächlich mit diesem Phantom auseinanderzusetzen.

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Obgleich für die Inszenierung der Pilot-Episode mit Alex Graves ein namhafter Regisseur gefunden wurde, der bereits im Rahmen einiger Game of Thrones-Episoden sein zweifelsohne vorhandenes Können unter Beweis stellen konnte, geht mit mit dem Auftakt von Taken ein erschreckendes Maß an Willkür einher. Wo dramaturgisch nach den ersten zehn Minuten die Luft komplett raus ist, werden wir actiontechnisch auf eine unerbittliche Geduldsprobe gestellt. Immer wieder schielt Taken zurück auf die Kinoleinwand und setzt alles daran, die Erinnerungen an nervenaufreibende Faustkämpfe und Schießereien heraufzubeschwören. Selbst im direkten Vergleich mit Serien-Kollegen - wie zum Beispiel 24: Legacy, die vor wenigen Wochen ihre Premiere auf FOX gefeiert hat - verliert Taken allerdings den Kampf um die beste Actionszene. Es ist ein trostloses Unterfangen, diesem Bryan Mills bei der Arbeit zuzusehen.

Lediglich die sadistischen bis fremdenfeindlichen Untertöne der Kinofilme werden bisweilen gekonnt ausgeklammert. Das muss jedoch nichts heißen, denn wer weiß, wohin es Bryan Mills nach dieser unspektakulären Origin-Story verschlägt. Ob es sich lohnt, überhaupt so lange durchzuhalten, ist eine andere Frage, die ausgehend von den ersten 45 Minuten negativ beantwortet werden muss. Taken fühlt sich wie die lauwarme Procedural-Version eines knalligen Actionthrillers an, der vor allem aufgrund seines Hauptdarstellers zu überzeugen wusste. Clive Standen strahlt jedoch nicht einmal ansatzweise die Präsenz eines Liam Neeson aus, der alleine mit seinem mürrischen Gesichtsausdruck mehr Leiden und Zweifeln vor der Kamera zum Ausdruck brachte, als es im gesamten Verlauf der Pilot-Episode von Taken zu sehen ist. Vielleicht weiß dieser junge Bryan Mills einfach nicht, was er mit seiner Jugend anfangen soll. Bleibt nur zu hoffen, dass er es bald herausfindet.

Taken läuft seit dem 27.02.2017 in den USA auf NBC. Wann und wie die Serie nach Deutschland kommt, ist bis dato noch unklar.

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