Science-Fiction-Geheimtipp: Devs raubt euch den Atem

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Devs
22.08.2020 - 09:00 UhrVor 3 Monaten aktualisiert
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Alex Garland, der kreative Kopf hinter Ex Machina und Annihilation, hat eine faszinierende Science-Fiction-Serie namens Devs geschaffen. Seit dieser Woche ist sie endlich in Deutschland zu sehen.

An Science-Fiction-Serien mangelt es 2020 wahrlich nicht. Vielseitig präsentierte sich das Genre in den vergangenen Monaten, etwa in Form des kurzweiligen Comedy Upload, dem stillen Drama Tales From the Loop oder der Rückkehr von Jean-Luc Picard in Star Trek: Picard. Den bisher faszinierendsten Ausflug in unbekannte Welten unternahm allerdings Alex Garland mit seinem neuen Werk Devs, einer achtteiligen Miniserie.

  • Devs feiert in Deutschland auf FOX seine Premiere und kann im Anschluss auf Sky Ticket * jeden Mittwoch um 21:00 Uhr gestreamt werden.

Die unbekannten Welten gestalten sich hier weniger als Territorien, die entdeckt oder gar erobert werden können. Vielmehr bereitet Alex Garland einen Ausflug in das Unterbewusstsein der Menschen und ihrer Geschichte(n) im kleinen wie im großen Rahmen vor, der immer tiefer in einen Kaninchenbau führt. Dieser präsentiert sich als gigantischer goldener Würfel, der schwerelos unter der Erde schlummert.

Der goldene Würfel nach Ex Machina und Annihilation

Magnetische Kräfte halten dieses Portal in der Waage, eine ausgeklügelte Konstruktion, die nicht nur geschaffen wurde, um Geheimnisse zu wahren und zu erforschen, sondern vor allem um uns Zuschauer ins Staunen zu versetzen. Nur wenige filmische Räume strahlen eine solch unwiderstehliche Anziehungskraft aus, obwohl das Erzählte mit jeder weiteren Minute das mulmige Gefühl im Bauch verstärkt.

Schaut den Trailer zu Devs:

Devs - S01 Trailer (English) HD
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Denn neben diesem Sense of Wonder setzt Alex Garland in Devs besonders stark auf bedrohliche, unbehagliche Töne. Die nahe Zukunft, von der er erzählt, ist genauso dicht mit unserer Gegenwart verzahnt, wie es auch in seinen vorherigen Regiearbeiten Ex Machina und Auslöschung der Fall war. Devs zeichnet ein Bild von bahnbrechender Technologie, zwielichtigen Unternehmen und der Ohnmacht des Individuums.

Alex Garland entführt in ein Science-Fiction-Labyrinth

Wenn Lily (Sonoya Mizuno) und ihr Freund Sergei (Karl Glusman) zu Beginn der Serie die Pforten des kalifornischen Tech-Konzerns Amaya passieren, der jenen eingangs erwähnten Würfel auf seinem Campus versteckt, wirkt es, als stünden dieser jungen, aufgeschlossenen Generation sämtliche Türen und Tore offen - besonders, als Sergei in die von Firmenchef Forest (Nick Offerman) geleitete Spezialabteilung Devs gesteckt wird.

Eine Beförderung, von der die meisten Amaya-Mitarbeiter nur träumen: Sergei hat das übliche Silicon Valley-Game durchgespielt und gehört nun zu einem Team, das bewusst mit den Regeln bricht und die Dinge neu denkt. Was genau die Devs-Abteilung macht, bleibt nicht nur für alle Außenstehenden sowie uns Zuschauer ein Rätsel: Im Grunde befinden sich auch die einzelnen Team-Mitglieder nur auf der Suche.

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Unheimliches Potential schlummert in diesem goldenen, schwebenden Raum, konkrete Informationen lässt Alex Garland aber nur zögerlich in die Seiten der allesamt von ihm geschriebenen und inszenierten Drehbücher einfließen. Stattdessen beschwört er neben der Fantasie von unerschöpflichen Möglichkeiten auch das Gefühl einer ungeheuerlichen Schaffenskraft herauf, das ab der ersten Sekunde für Gänsehaut sorgt.

Devs begeistert mit einer hypnotisierenden Stimmung

Neu sind die Eckpfeiler der Handlung keineswegs: Der Mensch, der sich selbst in seinen Schöpfungen verirrt, ist eines von vielen Motiven, die Alex Garland in Devs sicherlich nicht zum ersten Mal vorstellt. Auch die Frage nach dem freien Willen des Menschen sowie die kleine Detektivgeschichte, die sich nach einem schicksalhaften Mord wie ein moderner Film noir in San Francisco entfaltet, sind vertraute Elemente.

Doch die Art und Weise, wie sich Alex Garland seiner verschlüsselten Welt annähert, zieht ohne Umwege in einen Bann. Die vielen Enthüllungen und Wendungen, die wir dabei erfahren, werden allerdings schnell zur Nebensache: Die meisten Eindrücke hinterlässt Devs durch seine Stimmung und Gestaltung. Das Licht, die Farben, die Klangkulisse: Allein beim Anblick des goldenen Würfels vergisst man die Zeit.

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Mit Devs versetzt Alex Garland uns Zuschauer dermaßen schnell in Hypnose, dass es unmöglich ist, den Weg aus dem vor einem ausgebreiteten Labyrinth wieder herauszufinden. Natürlich kann man sich auch an den streng konzipierten Drehbuchseiten entlang hangeln, vermutlich ist es aber die deutlich unbefriedigendere Erfahrung, als sich einfach dieser unheimlichen Sci-Fi-Meditation hinzugeben und die nach und nach entfesselten Emotionen zu beobachten.

Besser war dieses Jahr noch keine Science-Fiction-Serie

Lily entpuppt sich als sehr verschlossene Protagonistin. Im Endeffekt stellen aber alle Figuren der Geschichte ein Enigma dar, das hinter seiner kühlen Fassade eine Fundgrube ungeklärter Gefühle versteckt. Anfangs scheint jeder Mitspieler in dieser langsam vor sich hin brodelnden Schachpartie wie ein perfekt aufgezogenes Uhrwerk zu funktionieren, ehe das errichtete Wunderwerk nach und nach in sich zusammenbricht.

Alex Garland vermag es zwar nicht durchgehend, diese einnehmende Atmosphäre aufrechtzuerhalten. Am Ende ist die vergehende Zeit aber auf seiner Seite, um das Schleichende des Zerfalls herauszuarbeiten und das Klirren im Finale sowie die Stille danach noch eindrucksvoller zu gestalten. Spätestens hier gewinnt die Frustration, wenn man Antworten sucht, denn alles, was uns Devs anbietet, sind Widersprüche.

Podcast-Check zu Devs: Lohnt sich die Sci-Fi-Serie?

Auch in einer kurzen Folge unseres Podcasts-Streamgestöber war Devs bereits ein Thema. Jenny fragt Matthias über Alex Garlands Science-Fiction-Serie aus.

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Devs wird bei FOX seit dem 19. August 2020 im Wochentakt ausgestrahlt und ist im Anschluss ebenfalls bei Sky Ticket * zu sehen. Als Grundlage für diesen Seriencheck dienten alle acht Episoden der Miniserie.

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Habt ihr auch schon einen Blick in Devs gewagt?

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