Sci-Fi-Action bei Netflix: Nach genau 3 Tagen hast du diesen Film vergessen

Outside the Wire
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Outside the Wire
18.01.2021 - 16:46 UhrVor 1 Monat aktualisiert
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Seit Freitag gibt es den Sci-Fi-Film Outside the Wire neu bei Netflix. Allerdings wirst du diesen Action-Streifen mit Marvel-Star Anthony Mackie nach genau 3 Tagen vergessen. Versprochen.

Es ist Freitag, es ist Neu-bei-Netflix-Tag und da musst du jetzt durch. Der Streaming-Dienst wird dieses Jahr (mindestens) 70 neue Filme veröffentlichen. Der dazugehörige Mega-Trailer für die neuen Netflix-Filme bereitete darauf vor. Schon heute lässt sich erahnen, wie manch Freitag der kommenden 50 Kalenderwochen aussehen wird.

Der Grund dafür ist der futuristische Actionfilm Outside the Wire. Marvel-Star Anthony Mackie spielt darin eine charismatische Maschine. Allerdings nicht vom Formate des Terminators. Der brannte sich ein und brennt weiter, auch Jahrzehnte nach seinem letzten guten Film-Auftritt.

Ich prophezeie vielmehr: Du wirst Outside the Wire genau drei Tage nach der ersten Sichtung vergessen. Spätestens.

24 Stunden nach der Outside the Wire-Sichtung bei Netflix: Es geht um irgendwas

Ich habe den Science-Fiction-Film gestern Abend geschaut, währenddessen nicht ein Mal auf mein Handy angefasst und bei jedem Snack-Nachfüll-Trip vorbildlich auf den Pause-Button geklickt. Was ist von meiner unmittelbaren Erinnerung an die Handlung geblieben? Noch einiges.

Schaut euch den deutschen Trailer für Outside the Wire an:

Outside the Wire - Trailer (Deutsch) HD
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Outside the Wire spielt im Jahr 2036, was uns zahlreiche Texttafeln am Anfang erklären. In der Ukraine herrscht ein Bürgerkrieg, in den die USA, Russland und ukrainische Widerstandskämpfer*innen verwickelt sind. Ein zeitgemäßes Szenario!

Damson Idris (Black Mirror) spielt den kühl kalkulierenden Drohnenpiloten Thomas. Der soll nach einer folgenschweren Entscheidung das "Leben am Boden" kennenlernen, statt nur aus der Ferne Bomben abzuwerfen. Im Kriegsgebiet wird er dem Einzelgänger Leo (Anthony Mackie a.k.a. der Falcon neben dem Winter Soldier) zugeteilt.

Leo ist eine echte Anthony-Mackie-Rolle: Er klopft Sprüche, stutzt seine Kolleg*innen mit einem Satz zusammen und wirkt beseelt von einer stählernen Moral. Was auch daran liegt, dass Leo ein Android ist: schnell, stark und doch mit einem ultramenschlichen Äußeren versehen. Beide machen sich auf zu einer geheimen Mission, die einen Impfstoff gegen Cholera, Atombomben-Codes und Pilou Asbæk (Ghost in the Shell) als Bösewicht beinhaltet. Grob gesagt.


Ist das wirklich alles, was der Film zu bieten hat?

48 Stunden nach dem Netflix-Klick: Anthony Mackie ballert und ballert und ballert

Während die Handlungsdetails langsam im Gedächtnis zerfallen, krallt sich die Erinnerung - so meine Prophezeiung für Tag 2 - an die Schauwerte des Films. Outside the Wire bietet zwar überraschend viele Diskussionen über das Wesen des Menschseins und die unersättliche US-amerikanische Kriegsmaschinerie. Im Vordergrund steht aber das Geballer.

Outside the Wire

48 Stunden nach der Erstsichtung hallt die Action in den Gehörgängen dumpf nach. Vor dem inneren Auge flackern wirre Erinnerungen an furchtbar unübersichtlich geschnittene Schießereien auf.

Die ungleichen Buddys Leo und Thomas werden aus demolierten Plattenbauten und auf engstem Raum beschossen. Aber frage bitte nicht nach Details. Rhythmus, Timing und Inspiration blieben nämlich auf dem Boden des Schnittraums zurück.

Das mangelnde handwerkliche Geschick wird im Film von Regisseur Mikael Håfström (Zimmer 1408) mit altbekannten Sci-Fi-Action-Elementen vertuscht. So stampfen beispielsweise zahlreiche Robo-Kampfmaschinen durch die Straßen, welche das Budget an seine sichtbaren Grenzen bringen.

Eine der halbwegs erinnerungswürdigen Action-Ideen zeigt eine 360-Grad-Schießerei mit Mackies Androiden im Zentrum. Vergleichbare Szenen aus dem Genre-Klassiker Matrix oder selbst Passwort: Swordfish sahen vor 20 Jahren trotzdem besser aus. Genau, ich erinnere mich sogar noch an Passwort: Swordfish.

72 Stunden nach Outside the Wire: Was vom Sci-Fi-Film mit Anthony Mackie übrig bleibt

Drei Tage sind fast rum: Die Action ist nur noch eine beige Wolke, die Handlung lässt sich allenfalls durch "der Netflix-Film mit Anthony Mackie als Roboter" zusammenfassen. Sofern deine Erinnerung an Outside the Wire nicht schon vollständig verblasst ist, bleibt vermutlich ein leichtes Stirnrunzeln, dessen Ursache du nicht greifen kannst.

Outside the Wire

Liegt es daran, dass Anthony Mackie am Ende von Outside the Wire erschreckend verschwendet wird? Oder daran, dass das Finale alle spannenden moralischen Fragen des Films mit einem "¯\_(ツ)_/¯" beantwortet?

Oder vielleicht sitzt die Wurzel der gerunzelten Stirnmuskulatur noch tiefer: Es formen sich Netze und wiedererkennbare Muster, die klammheimlich die Vorstellung eines "Netflix-Films" ergeben.

Du kannst dich nach Ablauf von drei Tagen nicht mehr an Outside the Wire erinnern. Aber tief in deinem Herzen weisst du, dass in diesem Jahr noch Dutzende andere austauschbare Actionfilme mit Franchise-Stars wie Anthony Mackie kommen werden.

Eigentlich - und daher rührt die tiefe Verunsicherung - hast du sie alle schon gesehen. Ganz ohne Zeitreise.

Wirst du dir Outside the Wire anschauen (trotz allem)?

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