Schimanski-Kritik

Schimanski auf der Jagd nach einem Loverboy

10.11.2013 - 20:15 UhrVor 7 Jahren aktualisiert
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Schimanski - Loverboy
© WDR
Schimanski - Loverboy
Schimanski ist zurück. Auf der Suche nach einem entlaufenen Teenager legt sich Schimmi mit Zuhältern und fahrenden Autos an. Manchmal auch beidem auf einmal. Leider rettet der Körpereinsatz den schablonenhaften Krimi nicht.

Über zwei Jahre mussten die Fans Duisburger Herrenmode auf einen neuen Fall von Horst Schmianski warten. In mehrdeutig betitelten Schimanski: Loverboy kehrt Götz George in seiner berühmtesten Rolle zurück und tingelt leider nicht als Edel-Prostituierte verkleidet durchs Rotlichtmilieu des Ruhrgebiets. Stattdessen spürt er fiesen jungen Männern nach, die unsichere Mädchen in die Prostitution und nach Holland locken. Langjährige Fans des Kommissars werden ihn mit einem nostalgischen Gruß in ihre Wohnzimmermitte bitten, doch ziehen wir die rosaroten Erinnerungen an vergangene Tage ab, bleibt ein lieblos zusammengeschusterter Krimi, der seiner ikonischen Hauptfigur nicht würdig ist.

Vom inhaftierten Gangster Kaijewski wird Schimmi gebeten, sich nach dem Verbleib von dessen Tochter (stark: Muriel Wimmer) zu erkundigen. Die ist mit ihrem Freund Nils (Vladimir Burlakov) ausgebüchst und erhofft sich das Glück der großen Liebe. Nils aber ist ein Loverboy, der sich an von Selbstzweifeln geplagte Teenie-Mädels ranmacht, um sie mit falschen Versprechungen in die Prostitution zu locken. Zupackend wie gewohnt, holt der verrentete Schimanski einen seiner Parkas aus der Altkleidersammlung und nimmt sich der Sache an. Währenddessen ermittelt Hänschen (Chiem van Houweninge), frisch zum Ritter geschlagen, in einem Mordfall, der mehr Verbindungen zu Schimmis außerrentnerischen Aktivitäten aufweist, als zunächst gedacht.

Jürgen Werner schrieb schon das Drehbuch für den ähnlich gelagerten Tatort: Kinderland, der sich ebenfalls mit der Prostitution Minderjähriger befasste. Vielleicht hätte man das Loverboy-Skript lieber in die Regionalbahn nach Leipzig schmuggeln sollen, als es zum Anlass für die Rückkehr eines der beliebtesten Kommissare der TV-Geschichte zu wählen. Wer sich an unterdurschnittlichen Tatorten nicht satt sehen kann, wird hier nämlich prächtig unterhalten. Wie im Sonntagabendkrimigeschäft üblich, werden die Schlagzeilen vergilbter Zeitungen gescannt, ein Thema halbherzig bis geschmacklos aufbereitet, um der Nostalgie-Tour einen Anstrich von Relevanz zu verleihen.

Die Krimis um den zupackenden Horst Schimanski zeichnen sich zwar durch ihre unverblümten Tauchfahrten in die gern verdrängten Regionen der Gesellschaft aus. In denen fühlt sich der Duisburger schließlich Zuhause und gleicht die Polizeiarbeit gern mal den lokalen Gepflogenheiten an. Doch weder wird in Schimanksi – Loverboy den familiären Hintergründen des ausgerissenen Mädchens genug Aufmerksamkeit geschenkt – die Pubertät ist an allem Schuld. Allem. Auch verschwundenen Socken – noch das Milieu, in welches sie gelockt werden skizziert. So müssen wir Zuschauer Vorlieb nehmen mit seltsam fehlplatzierten Montagen, in denen Schimanskis Geplauder mit unangenehmen Sex-Szenen gegengeschnitten wird. Vladimir Burlakov mag zwar den nötigen Charme mitbringen, um als schmierig weicher Loverboy durchzugehen, aber letztlich bleibt er, wie die meisten Figuren in diesem Krimi, Staffage.

Abgesehen von ein paar netten Gags, wie der vom Nachbarn eingetretenen Tür, bleibt aber vor allem einer blass: Schimanski selbst. Dass der Krimi Schimanskis Alter mit ausgenudelten “Ich kapier moderne Technik nicht”-Kalauern thematisiert, ihm aber recht unbeschadet vor Autos und in Prügeleien rennen lässt, ist entweder der Eitelkeit des Stars zu verdanken oder der Unfähigkeit, die Figur für ein Fortleben im Alter weiterzuentwickeln. Was bleibt, ist der durchschaubare Versuch, à la The Expendables um einen 75-Jährigen herumzuschneiden, dessen Figur nach über 30 Jahren genügend Tiefe besitzen sollte, um auch ohne gewonnene Prügeleien für Unterhaltung zu sorgen.

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