Neu bei Netflix: Love. Wedding. Repeat lässt keine Peinlichkeit aus

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Neu bei Netflix: Love. Wedding. Repeat
11.04.2020 - 08:42 UhrVor 2 Monaten aktualisiert
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Der neue Netflix-Film Love. Wedding. Repeat mit Sam Claflin und Olivia Munn hat sich offenbar das Ziel gesteckt, herauszufinden, wie viel Peinlichkeiten die Streaming-Zuschauer aushalten.

Es ist schon erstaunlich, wie viel Fremdscham in einen Film passt. Der am 10. April 2020 frisch auf Netflix gestartete Love. Wedding. Repeat hat reichlich davon. Und das nicht nur gelegentlich, sondern wirklich durchgehend.

Dabei könnte alles so friedlich und freudig sein: Der Brite Jack (Sam Claflin) will in der Netflix-Komödie, dass die italienische Hochzeit seiner Schwester Hayley (Eleanor Tomlinson) perfekt über die Bühne geht. Wenn er sich dabei noch deren amerikanische Freundin Dina (Olivia Munn) anlachen kann: umso besser. Doch in Love. Wedding. Repeat stiften unerwartet auftauchende Ex-Freunde als Weddingcrasher, selbstverliebte Trauzeugen mit Schauspiel-Ambitionen und das Beruhigungsmittel im Drink der falschen Person Chaos.

Love. Wedding. Repeat -Eleanor Tomlinson & Sam Claflin

Das alles hört sich nach Witz und Romantik an. Doch Love. Wedding. Repeat will als einer der Netflix-Starts im April vor allem eines: Jede Peinlichkeit aus seinem Ensemble und seiner Story herauskitzeln.

Love. Wedding. Repeat und die britische Kunst des Fettnäpfchen-Tritts

Der von vielen britischen Darstellern geprägte Cast verrät es bereits: Love. Wedding. Repeat ist eine Komödie aus Großbritannien und hat dabei tatsächlich auch einen sehr britischen Humor ... nur eben nach Italien verlegt.

Wenn die Figuren zielgenau von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen hüpfen, als sei es eine olympische Disziplin, bleibt ein Lachen, Erschaudern und Zusammenzucken nicht aus. Keiner kann Peinlichkeiten dabei so gut in die Länge ziehen wie die Engländer, die mit unangemessenen Situationen entweder viel zu steif oder viel zu offen umgehen und dadurch gekonnt den Pegel des Schamgefühls in den tiefroten Bereich treiben.

Love. Wedding. Repeat - Sam Claflin & Olivia Munn

Sam Claflin, der als Jack nicht weiter von Paraderollen wie der des Finnick in Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 2 oder des gelähmten Will in Ein ganzes halbes Jahr entfernt sein könnte, windet sich in dem Netflix-Film in jeder Situation wie ein Aal könnte und gibt damit eine Hugh Grant-würdige Performance in Sachen stotternder Verlegenheit ab.

Mit Love. Wedding. Repeat balanciert Netflix auf Messers Humor-Schneide

Für Love. Wedding. Repeat ist das richtige Maß der Peinlichkeiten aber nicht nur der Humor-Antrieb, sondern zugleich auch eine der Herausforderungen. Denn wo liegt für jeden einzelnen die Grenze des Auszuhaltenden und wie weit ist der Netflix-Zuschauer gewillt mitzugehen? Werden wir hier gerade Teil eines Experiments?

Es gibt die subtileren Cringe-Momente, wenn ein Autoverkäufer seinen Beruf interessanter findet als eine Kriegsjournalistin. Ewig andauernde betretene Pausen in Hochzeitsreden oder eskalierenden Gesprächen werden bis zum Anschlag aufgedreht, um dann nochmal eins draufzusetzen. Das Auftauchen unterwünschter Bekannter in potenziell romantischen Momenten wird zum Running Gag. Schottenrock-Träger Sidney (Tim Key) weiß selbst nicht, warum er das Kleidungsstück als Nicht-Schotte überhaupt anhat.

Love. Wedding. Repeat: Aisling Bea, Tim Key, Joel Fry

Als Gegenpol dazu geizt der Netflix-Film dann aber auch nicht mit Holzhammer-Scherzen. Genital-Humor folgt zweideutigen Positionen im Männerklo. Einzuschlafen, wenn die große Liebe vom Krebstod ihrer Mutter erzählt, ist definitiv ein Tabu beim Flirten. Und wenn Trauzeuge Bryan (Joel Fry) zugedröhnt sein berühmtes Regisseur-Vorbild anspricht, wäre die Flucht wohl die bessere Option gewesen.

Dieser Grenzgang zwischen Lustigem und schwer Erträglichem gibt Love. Wedding. Repeat einen eigentümlichen Tonfall, der sich auch in der restlichen Machart des Films wiederspiegelt.

Wie seine Figuren ist auch Love. Wedding. Repeat als Netflix-Film ungelenk

Netflix' Love. Wedding. Repeat kann sich in dem ganzen humoristischen Wechselbad der Gefühle leider auch auf filmischer Ebene bis zum Schluss zu keinem runden Gesamtwerk zusammenfügen. Das mag teilweise am beliebig wirkenden Italien-Setting, der seltsamen Musik-Auswahl, dem abrupten Ende oder den einfach nur willkürlichen nachgefeuerten Abspannszenen liegen. Sein größtes formales Problem hat Love. Wedding. Repeat allerdings mit dem, was der Titel des Netflix-Films andeutet.

Love. Wedding. Repeat: Allan Mustafa und Freida Pinto

Edge of Tomorrow trug zeitweilig den Titel Live. Die. Repeat ("Leben. Sterben. Wiederholen") und fasst damit das Prinzip vieler Zeitschleifen-Filme zusammen. Hieran will der Love. Wedding. Repeat offenbar mit den Themen Hochzeit und Liebe anknüpfen. Aber wenn das schon in der Hochzeitsschleife von Netflix' Naked auf wenig Gegenliebe der Zuschauer stieß, dann liefert der neuste Streich hier eine auf andere Weise sehr halbgare Wiederholungsschleife ab.

Netflix-Peinlichkeit: Love. Wedding. Repeat versteht das Prinzip der Zeitschleife nicht

Nachdem die Hochzeit nach einer Stunde Filmlaufzeit bis zur endgültigen Eskalation durchgespielt wurde, springen wir zurück zu dem Moment, wo an Tisch 4 die Namensschilder der Sitzordnung vertauscht wurden. Es folgt eine eigentümliche, aber in ihrer Kürze bedeutungslose Schnelldurchlauf-Montage unterschiedlichster Menschen, die das Beruhigungsmittel einnehmen. Dann schließt sich abrupt der zweite Durchlauf an.

Es ist, als hätte der Love. Wedding. Repeat als Zeitschleifen-Idee begonnen und diese dann irgendwann mittendrin aufgegeben. Statt dem abgerundeten Tryptichon von Lola rennt oder dem Wir-lernen-aus-unseren-Fehlern-Prinzip anderer Zeitschleifenfilme, in denen zumindest eine Figur sich an die vergeigte Vergangenheit erinnert, bekommen wir lediglich eine zweite Version, die ebenso große Peinlichkeiten auffährt wie zuvor, aber dabei ein Stück weit erfolgreicher verläuft.

Love. Wedding. Repeat: Eleanor Tomlinson & Jack Farthing

Von einer gelungenen Gut/Schlecht-Gegenüberstellung einer Hochzeit als Dualität ist Love. Wedding. Repeat dabei weit entfernt. Auch wenn sich natürlich argumentieren ließe, dass der unbeholfene Umgang mit der Thematik in gewisser Weise zum Rest des chaotischen Films und seiner abgedrehten Figuren passt. Bei mir halten sich das überraschte Lachen und das irritierte Kopfschütteln die Waage.

Ob es letztendlich wirklich Freude bereitet, sich das anzusehen, muss am Ende jeder mit dem eigenen Humor vereinbaren. Wenn euch Fremdscham auf allen Ebenen gefällt, dann ist Netflix' Love. Wedding. Repeat definitiv der richtige Film für euch.

Werdet ihr euch Love. Wedding. Repeat bei Netflix ansehen? Oder habt ihr das längst hinter euch?

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