Netflix' Living with Yourself ist wie eine bessere Black Mirror-Folge

Paul Rudd in Living With Yourself
© Netflix
Paul Rudd in Living With Yourself
19.10.2019 - 12:00 UhrVor 2 Jahren aktualisiert
4
6
Auf Netflix startet die Serie Living with Yourself mit Ant-Man-Star Paul Rudd. Wir haben für euch reingeschaut und erzählen euch im Seriencheck, ob sich die Doppelgänger-Comedy lohnt.

Wenn ich in den Spiegel gucke, dann sehe ich zwei Personen. Zum Einen die ideale Version, die ich sein möchte und zum Anderen die ernüchternde Realität. Was passiert, wenn diese 2 Persönlichkeiten aufeinander treffen? Dieser Frage geht die Comedyserie Living With Yourself auf Netflix nach, in der MCU-Held Paul Rudd (Avengers: Endgame) und sein Klon in eine Existenzkrise stürzen.

Das erwartet euch bei Living with Yourself auf Netflix

  • Als Comedy hat Living with Yourself nicht allzu viel zu bieten. Vielmehr ist es ein konzentriertes Beziehungsdrama in Form einer Sci-Fi-Parabel.
  • Living with Yourself wirkt mit seiner Thematik wie eine Staffel-lange Black Mirror-Episode.
  • Die 8 um die 25 Minuten langen Folgen machen Living with Yourself zu einem kurzweiligen Binge.

Mit MCU-Star Paul Rudd: Wovon handelt Living with Yourself?

In Living with Yourself spielt Paul Rudd Miles Elliott, einen Mann in der Midlife Crisis, der in seinem eigenen Selbstmitleid ertrinkt und dabei alles um sich herum in den Abgrund mitreißt. Doch ein exklusiver Spa verspricht all seine Sorgen und Probleme zu lösen. Prompt hebt er all sein Erspartes vom Konto ab und unterzieht sich der mysteriösen Behandlung.

Paul Rudd in Living with Yourself

Und tatsächlich geht Miles als neuer und besserer Mensch aus der Behandlung hervor. Nur muss er dann leider feststellen, dass er wirklich ein neuer, sprich geklonter, Mensch ist. Sein perfektes Ich und sein depressives Ich koexistieren und müssen nun einen Weg finden, ihr Leben zu teilen. In jeder neuen Episode überrascht Living with Yourself von nun an mit neuen Twists, die den Status Quo der Serie von Folge zu Folge neu definieren.

Living with Yourself nimmt die Prämisse des Doppelten Lottchens und erzählt im Kern eine Geschichte über ein Ehepaar, das lernen muss die eigene Realität zu akzeptieren und nicht das eigene Glück anhand von Traumvorstellungen zu messen. Dabei konzentriert sich die Serie komplett auf seine drei Hauptfiguren Mile, Miles 2 und ihre Ehefrau Kate (Aisling Bea). Leider mangelt es dadurch aber an interessanten Nebenfiguren.

Erinnert an Black Mirror: Living With Yourself erzählt die Geschichte aus 3 Perspektiven

Die Inszenierung von Living With Yourself hält die Spannung der kurzweiligen Serie konstant hoch. Anachronistisch wechselt die Serie ständig die Perspektiven und springt immer wieder zu bestimmten Schlüsselmomenten zurück, an denen sich die Hauptfiguren zusammenfinden und wieder trennen, um anschließend ihre separaten Geschichten einzeln zu erforschen.

Zum einen wäre da natürlich die Geschichte von Miles, der sich den Tatendrang seine Klons zu Nutze macht, um dem Stress der Ehe und der Arbeit zu entfliehen und sich mal wirklich um sich selbst zu kümmern. Dazu gehört neben der Arbeit an seinem Drehbuch (mit dem passenden Titel "Die Gewissheit in einer ungewissen Welt finden") auch der Konsum von belanglosen Tiervideos auf Youtube und natürlich Pornos.

Paul Rudd in Living with Yourself

Interessanter ist hingegen die Existenzkrise von Miles' Klon, der sich an ein Leben zurückerinnert, dass er nie geführt hat. Will er das Leben aus seinen Träumen, also das von Miles, übernehmen oder will er eine eigene Identität entwickeln? Hierbei verfolgt Living with Yourself interessante Gedankengänge, die auch aus einer besseren Black Mirror-Folge stammen könnten.

Das Highlight von Living with Yourself ist allerdings die Figur Kate, deren Seite der Geschichte ab Folge 5 erforscht wird. Denn während ihr Ehemann in seiner Sinnkrise gefangen ist, ist sie mit ihren Sorgen und Problemen allein. Ihr Ehemann hat sich von ihr entfremdet und ihr Familienwunsch rückt in weite Ferne. Auf ihrer Suche nach der Bedeutung von Glück, Liebe und Leidenschaft trifft auch sie einige fragwürdige Entscheidungen.

Die Serie mit MCU-Star Paul Rudd ist nicht wirklich lustig, aber berührend

Die Eheprobleme von Miles und Kate und die Bewältigung dieser sind das Zentrum von Living with Yourself und sorgen für die rührendsten und emotionalsten Szenen der Serie. Aber ist die Serie denn auch lustig? Diese Frage muss ich mit einem klaren Jein beantworten.

Paul Rudd und Aisling Bea in Living with Yourself

Auch wenn Sätze wie "Wenn das Leben dir Zitronen gibt, versuch mal anal" ab und zu mal fallen, bleiben wirkliche Lachanfälle bei der Serie aus. Vielmehr gibt sich Living with Yourself der depressiven Grundstimmung hin, die hin und wieder durch schwarzhumorige Momente aufgelockert wird - ähnlich wie bei der Jim Carrey-Comedy Kidding.

Auch wenn Living with Yourself weniger lustig und am Anfang etwas lahm wirkt, wachsen einem die drei Charaktere schnell ans Herz. Ist es zu Beginn das Doppelgänger-Mysterium, lässt euch später das Beziehungsdrama von Miles und Kate mitfiebern. Vor allem sind es kleine Details in der Inszenierung, die Living with Yourself besonders machen.

So sind die Szenen in denen Paul Rudd auf Paul Rudd trifft (oder gar mit ihm kämpft) technisch makellos umgesetzt. Hier kommt zu keiner Zeit der Gedanke auf, dass diese Szenen mit Computereffekte realisiert wurden.

Paul Rudd in Living with Yourself

Auch verändert sich das zu Beginn triste und schlichte "Text auf farblosem Hintergrund"-Intro im Verlauf der Serie mit der Entwicklung der Figuren zu einem chaotischen Farbenrausch. Also lasst Paul Rudd und Aisling Bea auch ein wenig Farbe in euren tristen Herbst-Binge bringen.

Die 1. Staffel von Living with Yourself umfasst acht Episoden, die am 18. Oktober 2019 bei Netflix veröffentlicht wurden. Als Grundlage für diesen Seriencheck diente die komplette 1. Staffel.

Werdet ihr Living with Yourself auf Netflix schauen?

Das könnte dich auch interessieren

Schaue jetzt

Kommentare

Aktuelle News