Nashville oder wie das Country-Drama zum Guilty Pleasure wurde

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Eigentlich bin ich kein großer Country-Fan, radiogerechte Popmusik löst in mir höchstens einen Abschaltreflex aus und mit Zickenkriegen von auftoupierten Sängerinnen habe ich auch nichts am Hut. So habe ich zunächst das Gesicht verzogen, als eine Freundin mir die Serie Nashville ans Herz legte. Die erste Episode schaute ich, um ihr einen Gefallen zu tun und meine Erwartungshaltung, nämlich die Serie kitschig und albern zu finden, zu befriedigen. Am Ende des Wochenendes war die erste Staffel durchgeschaut und ich gierte nach mehr. Wie konnte das denn nur passieren?

Country, Kitsch und starke Charaktere

Nashville ist nicht nur der Titel der Serie, sondern auch die Hauptstadt der Country-Musik-Szene, die seit Jahrzehnten Musikgrößen wie Johnny Cash und Dolly Parton anzieht. Hier treffen die alternde Country-Königin Rayna James (Connie Britton) und das aufstrebende Teenie-Sternchen Juliette Barnes (Hayden Panettiere) aufeinander. Rayna ist zwar eine Legende in der Szene, doch sinkende Plattenverkäufe, übersichtlich gefüllte Konzerthallen und der neue Chef des Plattenlabels gefährden ihren Rang als Königin des Country. Juliette hingegen ist frisch aus dem Trailerpark in die Musik-Metropole umgesiedelt, um in die Country Hall of Fame aufzusteigen. Mangelnde Erfahrung im Geschäft macht sie durch aggressive Kratzbürstigkeit wett.

Die Ausgangssituation könnte also die perfekte Bühne für einen ausgewachsenen Bitch Fight bieten. Zum Glück zeichnete Serienschöpferin Callie Khouri zwei starke Frauenfiguren. Sie selbst lebte vier Jahre in Nashville, bevor sie das Drehbuch zu Thelma & Louise schrieb und dafür einen Oscar erhielt. Angesichts ihrer traurigen Biografie verzeiht man Juliette gerne mal den einen oder anderen Wutausbruch. Rayna hingegen ist eine gestandene Frau, die seelenruhig Zickereien abwehrt und nicht von ihrem Weg abweicht. Im Verlauf der vier bisher erschienenen Staffeln verbindet die beiden Frauen eine wechselhafte, aber intensive Beziehung, die sich nicht einfach auf das Konkurrenzverhalten von zwei Musikerinnen reduzieren lässt. Sowohl Connie Britton als auch Hayden Pannettiere wurden nicht ohne Grund für ihre schauspielerische Leistung in Nashville mit einer Golden Globe-Nominierung bedacht.

Ins Kitschige droht die Handlung jedoch allzu oft abzurutschen, wenn es um den familiären Bereich geht. Rayna scheint als Übermutter, die Kinder und Karriere stets zu vereinen mag, ein bisschen zu perfekt zu sein. Genau wir ihre entzückenden, wohlerzogenen Töchter Maddie und Daphne, die selbstverständlich auch super singen können. Aber warum einer sympathischen Serienfigur nicht einfach mal das private Glück gönnen? Das Musikgeschäft ist hart genug und die leidenschaftlich-nervenaufreibende Beziehung zwischen Rayna und dem Musiker Deacon Clayborne (Charles Esten) ist auch nicht immer der sichere Hafen, in dem sich Kraft und Ruhe für die nächste ausverkaufte Tournee sammeln lassen.

Honky-Tonk und handgemachte Musik

Selbst wer kein Freund von Country ist (und es auch nach vier Staffeln Nashville nicht sein wird), findet mindestens einen Song, der ihm eine Weile im Ohr schwirren wird. Da bin ich mir sicher. Rayna James und Luke Wheeler (Will Chase) gehören zur alten Garde der Countrybarden, die auf eine lange Karriere zurückblicken können. Juliette Barnes ist Teil der jungen Generation aufstrebender Sternchen, die eher poppige Töne anschlagen (auch verunglimpfend Bubblegum Country genannt) und sich mit dem Nachwuchs aus Casting-Shows herumplagen müssen (in Persona ist das ist diesem Fall die von Aubrey Peeples gespielte Layla). Dazu tummeln sich zahlreiche talentierte Singer/Songwriter in Nashville, die ihre handgemachte Musik im legendären Bluebird Café zum Besten geben und hoffen, entdeckt zu werden. Die Musikkneipe existiert tatsächlich und die Karriere einer gewissen Taylor Swift nahm hier ihren Anfang. Die Schauspieler singen ihre Song übrigens selbst ein und überzeugen ihre Zuschauer auf Live-Konzerten von ihrem Können.

Das Grand Ole Opry darf selbstverständlich in einer Serie rund um das Musikgeschäft von Nashville nicht fehlen. Die wöchentlich stattfindende Konzertreihe, die im Radio übertragen wird, findet seit 1925 statt und trieb die Popularität der Country-Musik ordentlich voran. Für die fiktiven Musiker der Serie ist es jedes Mal eine besondere Ehre, wenn sie in der altehrwürdigen Halle auftreten dürfen und sie vermittelt uns Zuschauern vor den Bildschirmen zumindest ein Gefühl der Atmosphäre, die in Tennessees Musik-Metropole herrschen muss.

Zugegeben, für meinen Geschmack steckt in Nashville manchmal fast zu viel Drama: Das ständige Auf und Ab der Karrieren und der Liebesbeziehungen, die ständigen Partnertäusche nach Rotationsprinzip und das pathetische Ableben einiger Figuren sind schon recht dick aufgetragen. Aber genau diese Mischung aus Leidenschaft, Pathos und Emotionen unterhält mich wunderbar. Mit diesem öffentlichen Bekenntnis dürfte ich das Attribut "guilty" gestrichen haben und nenne das Kind nun beim Namen: Nashville ist mir ein reines Vergnügen.

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