Nach Big Bang Theory: Jim Parsons’ Netflix-Film ist problematisch und revolutionär

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The Boys in the Band
01.10.2020 - 12:15 UhrVor 23 Tagen aktualisiert
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Netflix legt mit The Boys in the Band einen Meilenstein der Filmgeschichte neu auf - mit Big Bang Theory-Star Jim Parsons und weiteren bekannten Schauspielern in den Hauptrollen. Was dahinter steckt, erfahrt ihr hier.

Für beachtliche 300 Millionen Dollar schnappte sich Netflix den unermüdlichen TV-Produzenten Ryan Murphy. Gerade erst startete sein American Horror Story-Ersatz Ratched mit riesigem Erfolg, da folgt auch schon das nächste Projekt mit namhaften Cast und extravaganter Ausstattung bei Netflix.

Für The Boys in the Band versammelt Regisseur Joe Mantello (bekannt aus Murphys Netflix-Serie Hollywood) bekannte Gesichter wie The Big Bang Theory-Star Jim Parsons, Zachary Quinto und Matt Bomer, die hier ein bedeutendes Stück queerer Filmgeschichte wieder aufleben lassen.

Netflix-Film mit Big Bang Theory-Star Jim Parsons: Das ist The Boys in the Band

The Boys in the Band ist die Verfilmung des gleichnamigen Theaterstücks von Mart Crowley aus dem Jahr 1968. Dieses wurde nur zwei Jahre später von Regisseur William Friedkin als Die Harten und die Zarten verfilmt. Die Handlung folgt acht homosexuellen Freunden, die für eine Geburtstagsfeier zusammenfinden. Als der College-Kumpel von Gastgeber Michael (Jim Parsons aus The Bing Bang Theory) unerwartet auftaucht, beginnt die feuchtfröhliche Stimmung zu kippen.

Schaut den Trailer zum Netflix-Film The Boys in the Band:

The Boys in the Band - Trailer (English) HD
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Der Film präsentiert uns einen interessanten Moment der Zeitgeschichte und ist unmittelbar vor den Stonewall-Unruhen verortet, die 1968 in New York die Befreiungsbewegung der LGBT-Community und den Kampf gegen Diskriminierung entfachten. Statt Einigkeit und Offenheit sind die Charaktere in The Boys in the Band von Angst, Isolation, Schmerz und Selbsthass gezeichnet, was auf heutige Zuschauer befremdlich wirken kann.

The Boys in the Band bei Netflix ist revolutionär und problematisch

Gerade deshalb ist The Boys in the Band kontrovers aber nicht minder wichtig. Das Theaterstück gilt auch heute noch als revolutionär und eines der ersten kommerziell erfolgreichen Broadway-Stücke, das sich komplett dem Leben und der Kultur homosexueller Männer widmet. Friedkins Verfilmung folgte nur kurz darauf und schrieb erneut Geschichte als einer der ersten Hollywood-Filme mit ausschließlich homosexuellen Hauptfiguren.

The Boys in the Band: Jim Parsons und Matt Bomer

Der Meilenstein queerer Repräsentation ist unbestreitbar ein wichtiges Stück Kulturgut, das allerdings auch kritisch gesehen werden muss. Hier werden die queeren (und klischeehaften) Figuren als selbsthassende Menschen dargestellt, die sich gegenseitig zerfleischen und in den Abgrund reißen - ein starker Kontrast zu dem Bild, dass die LGBTQ+-Gemeinschaft nach außen trägt.

Gleichzeitig bleibt The Boys in the Band aber auch heute noch relevant als Spiegel der unbequemen Wahrheit, dass noch immer Menschen, die Diskriminierung und Hass erfahren, diese auf sich selbst und womöglich auch auf andere Menschen übertragen.

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Eine schmerzende Wahrheit, die Jim Parsons' Michael in seinem niederschmetterndsten Moment zusammenfasst: "Wenn wir doch bloß lernen könnten, uns selbst nicht so sehr zu hassen.". Jeder von uns soll einmal in den Spiegel blicken und das eigene Verhalten den Mitmenschen gegenüber evaluieren.

The Boys in the Band: Ein mutiges Statement von Jim Parsons und Co.

Im Jahr 2018 brachten Ryan Murphy und Joe Mantello das Theaterstück mit einer runderneuerten Inszenierung erneut an den Broadway - auch diese ist nicht minder revolutionär.

Der Cast von The Boys in the Band

Denn die Darsteller - sie alle spielen auch in der Netflix-Verfilmung wieder ihre Rollen - sind offen homosexuell. Somit wurde die Besetzung des Stücks zu einem Statement mutiger Schauspieler, die ihre Karrieren aufs Spiel setzten, um unverfälscht in der Öffentlichkeit leben zu können.

Die Besetzung von The Boys in the Band von 1968 hingegen konnte so ein Risiko nicht eingehen. Der Cast bestand zum großen Teil aus ungeouteten homosexuellen Schauspielern. Viele von ihnen starben wenige Jahre später während der AIDS-Krise.

The Boys in the Band auf Netflix ist also nicht nur ein schrulliger Spaß mit queeren Hauptfiguren und etwas veralteten Begriffen und Ansichten, sondern ein queer-historisches Phänomen, das für eine neue Generation von Zuschauern aufbereitet wurde und zu einer Einordnung und Auseinandersetzung mit der Geschichte einlädt.

Habt ihr The Boys in the Band schon gesehen oder auf eurer Netflix-Merkliste?

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