Kreativer Bankrott: Der Spider-Man: Far From Home-Trailer enttäuscht massiv

Spider-Man: Far From Home
© Sony
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"I read about this guy, gets on the MTA here, dies. Six hours he's riding the subway before anybody notices his corpse doing laps around L.A., people on and off sitting next to him. Nobody notices."

Wer Ende letztes Jahr nicht Teilnehmer auf der Comic Con Experience in São Paulo war, musste sich mit überwiegend schriftlichen Berichten über den ersten Trailer zum kommenden Spider-Man: Far From Home begnügen. Nur dort wurde das erste Bewegtbildmaterial exklusiv gezeigt, während der Rest der Welt leer ausging. Gestern war es dann aber endlich so weit und der Trailer zum Startschuss für Phase 4 des Marvel Cinematic Universe (MCU) wurde für alle veröffentlicht. Nach einer ausführlichen Trailer-Analyse von uns lässt sich die Meinung gegenüber den ersten gezeigten Szenen aus dem Marvel-Blockbuster aber auch weniger analytisch ausdrücken. Der Trailer wirkt aus mindestens zwei Gründen wie ein Schritt in die falsche Richtung.

Spider-Man: Far From Home lässt Spider-Man: A New Universe vermissen

Unabhängig von Tom Hollands erstem Soloauftritt im MCU mit Spider-Man: Homecoming vor gut eineinhalb Jahren stellte das verantwortliche Studio Sony erst im Dezember 2018 eindrucksvoll unter Beweis, in welche stilistischen Höhen sich die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft im Kino schwingen kann. Der Animationsfilm Spider-Man: A New Universe erwies sich als ein in Bewegung gegossenes Comicheft, das 2D- und 3D-Animationen, Pop Art-Stilistik, reizüberflutende Trip-Sequenzen und einen poppigen Soundtrack zu einem audiovisuellen Spektakel vermengte.

Der Animationsfilm unter der Produktion der 21 Jump Street- und The Lego Movie-Kreativköpfe Phil Lord und Christopher Miller bot damit das, was das MCU in der Regel und der neue Spider-Man: Far From Home-Trailer ebenso vermissen lässt: Eine eigene Handschrift sowie Wagemut zur stilistischen Experimentierfreude. Spider-Man: Homecoming bot durchaus kurzweilige Unterhaltung. Immerhin war der Film viel lieber leichtfüßigen High-School-Komödien verschrieben, wie sie beispielsweise John Hughes in den 1980er-Jahren gedreht hat, als lärmendem Effektfeuerwerk oder überdimensionalen Materialschlachten. Der erste Trailer zu Spider-Man: Far From Home macht diesen Eindruck nun leider weitestgehend zunichte.

Spider-Man: Far From Home sieht mal wieder nach mehr vom Gleichen aus

Auch wenn die grundlegende Handlung des Europa-Trips von Peter Parker und seinen Klassenkameraden eine schöne Idee ist und viel Potenzial bietet, die mittlerweile abgenutzte Superheldenfilm-Formel aufzulockern, will der Trailer zum Sequel sein Publikum überwiegend mit generischem Getöse locken. Zunächst ist der Trailer in der ersten Hälfte um bewährte Postkartenmotive bekannter europäischer Schauplätze wie die Tower Bridge in London oder die Kanäle Venedigs bemüht, bis mit Nick Fury, der Grundstein des MCU höchstpersönlich, als eine Art neuer Mentor von Peter seinen Auftritt erhält.

Spätestens nach diesem Abschnitt wird der Trailer zu Spider-Man: Far From Home mit möglichst großen Gefahren überladen, um erneut das altbewährte Gefühl eines typischen Marvel-Blockbusters zu erzeugen. Wenn sich der Superheld gegen die sogenannten Elementals, monströse Kreaturen aus Wasser, Erde und Feuer, stürzt und ganze Stadtteile erneut in Schutt und Asche gelegt werden, weicht der knallbunte Farbexzess aus Spider-Man: A New Universe umgehend abgestandenen Bildern unfertig wirkender Spezialeffekte. Nur durch die Betrachtung des Trailers wird der Zuschauer schon jetzt mit Fast-Food-Spektakel übersättigt.

Zu viele böse Köche könnten den Spider-Man-Brei erneut verderben

Neben den Elementals gewährt der Trailer zu Spider-Man: Far From Home aber auch einen ersten Blick auf Bösewicht Mysterio, der bei seinem Auftritt gar nicht mal so böse daher kommt. Für Jake Gyllenhaal, der mit seiner Präsenz schon mal grundsätzlich jeden Trailer aufwertet, wird es die erste Rolle als Comic-Bösewicht sein, wobei er im Trailer eher wie ein Verbündeter von Spider-Man wirkt, der den Superheld beim Kampf gegen die Elementals zu unterstützen scheint. Sollte sich sein Mysterio aber ebenfalls als Bösewicht entpuppen, was alles andere als unwahrscheinlich ist, könnte das Sequel eine unliebsame Tradition der schlechtesten Spider-Man-Filme fortführen.

Bereits Spider-Man 3 und The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro litten merklich darunter, ihre Handlungen mit zu vielen Bösewichten vollzustopfen. Der Umgang mit dem Sandman, Venom und Harry Osborn als neuer Grüner Kobold erwies sich in Sam Raimis Film von 2007 als ebenso überladene, unausgeglichene Enttäuschung wie in dem Spider-Man-Film von 2014, in dem Electro, wieder ein neuer Grüner Kobold sowie Rhino als Bösewichte untergebracht auftraten.

Vielleicht erweisen sich diese Bedenken noch als unbegründet und Spider-Man: Far Frome Home ist als fertiger Film im Kino tatsächlich ein überwiegend unbeschwerter Europareise-Spaß, der nur in den letzten 20 Minuten den obligatorischen Effektgewitter-Showdown heraufbeschwört. Abseits von Fragen darüber, ob der Film vor oder nach Avengers 4 spielt und wie sich schon jetzt erkennen lässt, wer dieses Sequel überleben wird, hinterlässt der Trailer zu Spider-Man: Far From Home bei mir jedoch erstmal große Skepsis, was die angeblich revolutionäre Vielfalt anbelangt, die MCU-Chef Kevin Feige in Hinblick auf die kommende Phase 4 versprach.

Seid ihr vom ersten Trailer zu Spider-Man: Far From Home auch enttäuscht?

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