Jurassic World 3 ist die größte Dino-Katastrophe der letzten 65 Millionen Jahre

Jurassic World 3: Ein neues ZeitalterUniversal
10.06.2022 - 15:00 UhrVor 8 Monaten aktualisiert
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Es könnte so einfach sein: Coole Dinos fressen Menschen. Aber Jurassic World 3: Ein neues Zeitalter fährt das Konzept komplett gegen die Wand. Was für eine Voll-Katastrophe!

Sollte ein Archäologen-Alien in 2000 Jahren auf eine Blu-ray von Jurassic World 3: Ein neues Zeitalter stoßen, wird es sich als erstes eine Frage stellen: Was haben die Dinos den Menschen getan?

65 Millionen Jahre, nachdem sie unschuldig von einem Asteroiden dahingerafft wurden, erschufen die Menschen sie nämlich neu – für den beleidigend schlechten Jurassic World 3. Der Tiefpunkt einer einst wegweisenden Blockbuster-Reihe läuft jetzt in den Kinos. Egal ob ihr Aliens aus der Zukunft oder Dino-Fans der Gegenwart seid: Die armen Killer-Echsen verdienen euer Mitleid.

Jurassic World 3 mit Chris Pratt besitzt keinerlei Seele

Nur in wenigen Momenten zeigt Jurassic World 3: Ein neues Zeitalter einen Hauch von Charakter – einen sadistischen Charakter, den wir schon aus dem kontroversen Flugsaurier-greifen-Aufpasserin-an-Moment in Jurassic World kennen.

Jurassic World 3: Ein neues Zeitalter - Trailer (Deutsch) HD
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Beispielhaft ist diese Szene in Jurassic World 3: Ein todernster Chris Pratt fragt einen Handlanger des teuflischen Konzerns BioSyn aus. Klingt gewöhnlich, ist es jedoch nicht. Der Typ liegt auf dem dreckigen Betonboden eines Schwarzmarkts auf Malta, in Jesus-Pose. Klingt immer noch gewöhnlich, aber: Seine beiden Arme werden gerade von Dinosauriern verspeist. Er liegt rum, wird bei lebendigem Leibe aufgefressen und Chris Pratt redet mit ihm, als säßen sie im Coffee Shop mit einem Iced Caramel Macciato an den Lippen.

Es ist unglaublich und das in einem familienfreundlichen Blockbuster!

Da der restliche Film so viel Seele besitzt wie eine Supermarkt-Kühltruhe mit Ramsch-Fleisch, nimmt man, was man kriegen kann.

Die Handlung des Dino-Blockbusters interessiert eh niemanden

Chris Pratts Owen findet sich in diesem Dino-Schwarzmarkt auf Malta wieder, weil er das entführte Klonmädchen Maisie aus Jurassic World 2: Das gefallene Königreich und das Baby seines Raptor-BFFs Blue sucht. Das ist letztlich nur ein Vorwand, um die neue Generation von "World" mit der alten aus "Park" zu vereinen und zwar im Hauptquartier von BioSyn.

Schaut euch den Prolog von Jurassic World 3 an:

Jurassic World 3: Ein neues Zeitalter - Prolog (Deutsch) HD
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Dann beginnt der eigentliche Jurassic-Film, in dem lauter Leute, von denen wir wissen, dass sie nicht sterben werden (weil dieser Film keinen Mut besitzt), ums Überleben kämpfen. Davor züchtet Ein neues Zeitalter zahlreiche Story-Elemente heran, die niemanden interessieren, außer die Drehbuch-Verantwortlichen Colin Trevorrow und Emily Carmichael:

  • Riesen-Heuschrecken von BioSyn, die Weizen-Felder der Konkurrenz vernichten
  • Die Wiedergutmachung des gewissenlosen Wissenschaftlers Henry Wu (BD Wong)
  • Owens Beziehung zu Blue
  • Maisies Beziehung zu Owen und Claire (Bryce Dallas Howard)
  • Maisies Überleben
  • Maisies Hintergrundgeschichte
  • Überhaupt: Maisie

Maisie-Schauspielerin Isabella Sermon kann nichts dafür. Das Drehbuch von Jurassic World 3 ist eine Totgeburt des modernen Blockbuster-Kinos. Es plustert die Story unnötig auf im Irrglaube, die Jurassic-Filme müssten so funktionieren wie Star Wars oder Marvel. Als müssten sie über drei Filme hinweg eine kontinuierliche Story erzählen, um die Existenz der endlosen Sequels zu rechtfertigen. Dabei besteht die DNA der Reihe aus simpler Monster-Unterhaltung, die einschüchternden Viechern in jedem Film neues Futter vorwirft. Der neuste Teil manipuliert die DNA so stumpf, dass das Ergebnis nicht lebensfähig ist.

Tiefpunkt der Jurassic-Reihe: Irgendwann nerven sogar die Dinos

Jurassic World 3: Ein neues Zeitalter

Dieser waschechte Zombie-Blockbuster ließe sich vielleicht noch ertragen, würde die Dino-Action überzeugen. Das Todesurteil für Jurassic World 3: Ein neues Zeitalter verlesen ausgerechnet die Dinosaurier.

Es gibt viele Dinos in diesem Film, vielleicht so viele wie in keinem anderen der Reihe. Zumindest erweckt die Inszenierung den Eindruck. Neue Raptoren, Gift speiende Dilophosaurier, Compys, Flugsaurier: Sie quillen aus allen Ecken und Enden der Bilder. Der grauenhaft zerfaserte Schnitt und der spannungsfreie Aufbau der Dino-Angriffe verhindern, dass sie groß Eindruck hinterlassen.

All die Arbeit, die in die liebevoll gestalteten animatronischen Saurier gesteckt wurde, verliert an Wert, wenn sie in Jurassic World 3 auf die Leinwand geschmissen werden in der Hoffnung, ein Kadaver bleibt kleben.

Indominus rex in Jurassic World

Mehr Stars, mehr Dinos, mehr Schauplätze, mehr Story: Jurassic World 3 verzichtet auf Dino-Hybride, funktioniert allerdings selbst wie einer. Alles, was irgendwo erfolgreich war, wird in einen Film gequetscht.

Im großen Finale stellt die Blockbuster-Reihe durch ihre Hässlichkeit selbst den hybriden Indominus rex aus Jurassic World 1 in den Schatten. Hinterher hat man Owen und Maisie und sogar die Dinos einfach nur satt. Das verdienen die erhabenen Urzeit-Wesen nicht.

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