Horror-Geniestreich: Der Unsichtbare terrorisiert eure Ohren

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Der Unsichtbare
01.03.2020 - 16:00 UhrVor 12 Monaten aktualisiert
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Der Unsichtbare weiß als Gänsehaut provozierender Horrorfilm den Zuschauer nicht nur mit seinem Bildern, sondern vor allem auch auf der Tonebene zu schockieren.

Ich sitze im Kino und die Nackenhaare stehen mir zu Berge. Der Unsichtbare schleicht sich durch den Kinosaal und fast schon kann ich ihn auf dem Platz neben mir spüren. Wenn ich gerade nicht damit beschäftigt bin zusammenzuzucken, grabe ich meine Finger in die Armlehnen des Sessels. Denn ja: Der Unsichtbare ist grandios schauerlich.

Die gruselige Anspannung, die ich hier spüre, ist aber nicht allein darin begründet, dass ich die in jeder Ecke lauernde Bedrohung nicht sehen kann. Der Film, in dem eine Frau von einem Unsichtbare gestalkt wird, punktet beim Verzicht auf den Sehsinn mit einem fantastischen Sounddesign.

Der Unsichtbare mit Elisabeth Moss

Für mich wird Der Unsichtbare damit zum (bislang) besten Vertreter der Horrorfilme 2020 im Kino, an die andere Horror-Unterhaltung dieses Winters erstmal heranreichen muss.

Der Unsichtbare: Zum Horror gehört mehr als ein Sinn

Es ist ein bisschen wie diese ausgetretene Aussage, dass sich bei Blinden durch das fehlende Sehvermögen andere Sinne stärker herausbilden: Weil in Der Unsichtbare die Gefahr meist nicht zu sehen ist, muss der Grusel von anderswo kommen. Dessen ist sich das Horror-Remake sehr wohl bewusst.

Das soll nicht heißen, dass das The Invisible Man-Remake nicht auch auf der visuellen Ebene funktioniert. Angenehm zurückgekommen konnte ich mich schon im verstörenden Trailer an unheimlichen Details ergötzen, wenn ein Atem körperlos in der Luft stand oder sich Fußabdrücke unsichtbarer Füße im weichen Teppichboden abzeichneten.

Der Unsichtbare

Dennoch ist die ganzkörperliche Kinoerfahrung für mich vor allem durch den Ton geprägt. Vom ersten laut-brachialen Aufbranden der Ozeanwellen bis zum letzten grausamen Pfeifen des Windes setzt der Unsichtbare auf seine Tongestaltung.

Der Unsichtbare: Sich mit den Ohren gruseln

Dass der Horrorfilm sich stärker als manch andere Genres auf die Ohren seiner Zuschauer lässt, ist nichts Neues. Schockeffekte plötzlicher Jumpscares, mit dem der schreckhafte Kinogänger (aka: ich) aus seinem Sitz in die Höhe getrieben wird, ist schließlich ein gängiges Mittel dieser Filmgattung.

Auch in Der Unsichbare gibt es diese unerwarteten Momente des Erschreckens, bei der nach langer Stille der Puls gemeinsam mit der schlagartigen Lautstärke in die Höhe schnellt. Doch hier treffen wir seltener das billige Monster-springt-zum-Paukenschlag-aus-dem Schrank-Szenario an. Stattdessen kann hier durch gezielten Einsatz von Tönen schon der versehentlich angestoßene Fressnapf eines Hundes schockieren.

Der Unsichtbare: Regen als Gefahr

Mehr noch: Indem Der Unsichtbare Wert auf ruhige Augenblicke legt, wird selbst das leise Knarzen einer Holzdiele zur Bedrohung. Ich beginne, mich so sehr auf meine Ohren zu verlassen, dass ein Regenschauer unerwartet zur auditiven Gefahr statt zum Vorteil wird. Statt eine unsichtbare Silhouette zu enthüllen, überdeckt das gleichförmige Rauschen die zuvor so wichtigen warnenden Geräusche.

Kommt dann noch Benjamin Wallfischs wunderbar paranoider Soundtrack dazu, ist der angsteinflößende Ohrenschmaus perfekt.

Der Unsichtbare: Im Kino gibt's die volle Audio-Breitseite des Schreckens

Als ich vor dem Kinobesuch las, dass der Der Unsichbare 2 Stunden lang sei, war ich skeptisch. Schließlich sind die meisten Horrorfilme aus gutem Grund nur Anderthalbstünder. Doch der Film hält seine Spannung aufrecht - insbesondere im Kino, wo kaum etwas vom Geschehen auf der Leinwand ablenkt.

Indem die Handlung sich zu Beginn Zeit lässt, als Cecilia (Elisabeth Moss) die Flucht aus ihrer Beziehung mit quälender Langsamkeit antritt, wird jedes Geräusch bedeutsamer und unheimlicher als das vorige.

Der Unsichtbare: Elisabeth Moss' Flucht am Anfang

Dieses unheimliche Aufeinanderprallen von Stille und Lautstärke habe ich im Kino eigentlich nur in A Quiet Place in ähnlich eindringlicher Art erlebt. Wenn es in Der Unsichtbare dann aber doch mal laut wird, dann wird er richtig laut.

Umso mehr kann ich allen einen Kinobesuch von Der Unsichtbare ans Herz legen. Denn wenn die Soundanlage fast trommelfellsprengend den Saal beschallt und die Sitze davon förmlich wackeln, ist das genau die richtige Lautstärke, um genau wie dieser Horrorfilm durch Mark und Bein zu gehen.

Der Ton macht hier die Musik ... beziehungsweise den Grusel.

Habt ihr Der Unsichbare mit voller Ton-Dröhnung im Kino gesehen?

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