Horror-Einschlag auf der Berlinale: M. Night Shyamalan ist der aufregendste Jurypräsident seit Jahren

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M. Night Shyamalan
10.02.2022 - 17:55 UhrVor 6 Monaten aktualisiert
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Festivalkino und Genrefilm vertragen sich nicht. Gegen dieses Vorurteil setzt M. Night Shyamalan als Jurypräsident bei der Berlinale 2022 ein eindeutiges Zeichen.

Die Berlinale 2022 hat begonnen. Im Angesicht der Corona-Pandemie erwartet uns ein ungewöhnliches Festival. Ungewöhnlich sind nicht nur die Umstände, sondern auch die Wahl der Jurypräsidenten, der mit seinem Team am Ende des Wettbewerbs über die Vergabe des Goldenen Bären entscheidet. Old-Regisseur M. Night Shyamalan nimmt die prestigeträchtige Position dieses Jahr ein und setzt damit ein starkes Zeichen.

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Mit einem Festival wie der Berlinale verbindet man für gewöhnlich Filme, die sich weit abseits des Mainstreams bewegen. Große Sci-Fi-Abenteuer und Fantasy-Blockbuster sind rar im Programm. Dass vor fünf Jahren mit Logan - The Wolverine ein Marvel-Spektakel im Berlinale Palast seine Premiere feierte, wirkt nach wie vor ein bisschen surreal. Doch für Shyamalan existiert dieser Graben zwischen Arthaus und Genrekino nicht.

M. Night Shyamalan lässt seiner Genreliebe freien Lauf

Er unterteilt Filme nicht strikt in Kategorien. Wie nur wenige andere zeitgenössische Filmschaffende steht er für die Vereinigung unterschiedlichster Genres. Kein Wunder, dass er sich auch bei der ersten Pressekonferenz der Berlinale die Zeit nimmt, um ausführlich über den Horrorfilm zu sprechen – ein Genre, in dem er selbst oft unterwegs ist. Es ist jedoch nie nur der Horror, wie er betont.

[Man kann] Genres mixen und eine große Geschichte erzählen. Filme können sich dann steigern – vom Drama, zum Mystery, zum Thriller und auch bis hin zum Horror. Aber das weiß man natürlich nicht von Anfang an.

Shyamalan selbst ist dafür bekannt, dass er seine Filme mit Twists ausstattet, die unseren Blick auf die erzählten Geschichten verändern können. Das bekannteste Beispiel dürfte The Sixth Sense sein, mit dem ihm 1999 der Durchbruch gelang.

Meine Filme beginnen meistens als Drama, auch wenn sie sich in den letzten Minuten zum Horror steigern. Das ist eine gute Möglichkeit, um verschiedene Kinosprachen zu vereinen.
The Sixth Sense

Dass Shyamalan immer wieder und vor allem zum Horrorfilm zurückkehrt, hat einen bestimmten Grund, wie der Regisseur sagt.

Wir nehmen Horrorfilme oft als etwas Beunruhigendes wahr. Das sind Erfahrungen, die man lange im Kopf behält. Das Ziel [für mich als Filmemacher] ist es, Resonanz zu erzeugen, die bleibt. Deswegen entscheide ich mich oft für das Horrorgenre. Ich nutze es als Werkzeug und nicht zur Ausbeutung.

Entscheidend für seine Genreliebe waren vor allem die Begegnungen mit großen Filmschaffenden. Shyamalan berichtet von Robert Wise (Star Trek: Der Film, The Haunting, West Side Story), der ihn sehr inspirierte. Noch genauer geht er auf seine allererste Kinoerfahrung ein, bei der er nichtsahnend in einem Abenteuerfilm von Steven Spielberg saß, der Filmgeschichte schreiben sollte.

Ich hatte anfangs gar keine Lust, als mich ein Freund mit ins Kino nehmen wollte. Da ging es um Archäologie und ich dachte: 'Oh Gott, Wissenschaft, bloß nicht!' Doch er zwang mich. Wir mussten ewig in der Schlange stehen und kamen als letztes in das riesige Kino.

Ihr ahnt sicherlich schon, welcher Film gleich kommt.

Ich war damals extrem schüchtern und wir konnten nicht einmal zusammen sitzen. 1200 Plätze hatte das Kino – mit Statuen und Deko! Ich saß neben einem Paar, das merkte, das ich sehr schüchtern war und mir etwas zum Trinken und Popcorn kaufte. Das waren unschuldige Zeiten. Ich saß mit meinem Popcorn da und das Logo von Paramount tauchte auf – und dann kam der Berg und Jäger des verlorenen Schatzes.
Jäger des verlorenen Schatzes

Neben dem Film selbst hat Shyamalan damals besonders das Gemeinschaftsgefühl begeistert. Mehrmals wird das Kino in der einleitenden Pressekonferenz der Berlinale 2022 als Religion bezeichnet – und gleichzeitig auch als Ort, an dem diese Religion lebendig wird.

Für Shyamalan hat im Kino jede Art von Film seinen Platz. Für ihn stellt das Genre keine Abstufung dar, sondern eine Erweiterung der filmischen Ausdrucksmöglichkeiten.

Eines seiner größten Ziele beim Filmemachen beschreibt er so:

Die Person, die den Film macht, ist ein spezifischer Mensch, der Dinge von sich berichtet und dem Publikum nahebringen will. Das heißt, die Menschen, die ins Kino gehen, sehen eine neue Perspektive, sodass man vielleicht mit einer anderen Sicht aus dem Film geht. [...] Frei nach dem Motto: Wir sehen uns gegenseitig ein wenig. Das ist meine Hoffnung, wenn ich Filme mache. Das ist die schönste Art und Weise, Geschichten zu erzählen.

Auch wenn Genrefilme im diesjährigen Wettbewerb der Berlinale keine vordergründige Rolle spielen, ist die Wahl von Shyamalan als Jurypräsidenten bemerkenswert. Für gewöhnlich walten Persönlichkeiten über dieses Amt, die regelmäßig auf Filmfestivals zu Gast sind. Nun ist es der Regisseur, der uns mit Signs und The Village das Fürchten lehrte, sich an Blockbustern probierte und zuletzt im Genre-Rahmen neu erfunden hat.

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Wie steht ihr zu M. Night Shyamalans Sicht auf die Möglichkeiten von Genres?

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