Godzilla 2: Die Menschen zerstören den bombastischen Monsterfilm

Godzilla: King Of Monsters - Final Trailer (English) HD
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Godzilla: King of the Monsters - King Ghidorah
05.06.2019 - 15:10 UhrVor 2 Jahren aktualisiert
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Godzilla 2: King of the Monsters wäre ein so viel besserer Film, wenn nicht ständig diese lästigen kleinen Menschlein durchs Bild laufen würden. Warum? Das erklären wir euch hier.

Achtung, es Folgen Spoiler zu Godzilla 2: King of the Monsters: Ich mag Monster im Film. Sie sind groß und stark und machen Sachen kaputt. Ich mag auch Menschen im Film. Sie lieben und leiden und sterben. Eigentlich sollte beides perfekt zusammenpassen. Tut es aber leider nicht.

In Godzilla 2: King of the Monsters sind die Menschen inmitten der Monsterkämpfe eine lästige Nebenerscheinung, die sich immer wieder ungefragt ins Bild drängt.

Die drei wichtigsten Anliegen zu Godzilla 2: King of the Monsters

  • Ich gehe nicht der Menschen wegen in einen Monsterfilm wie Godzilla: King of the Monsters, sondern wegen den Monstern.
  • Warum soll der Zuschauer sich mit dem menschlichen Personal in Hinterzimmern aufhalten, wenn draußen gigantische Ungeheuer kämpfen?
  • Menschliche Figuren mögen ein notwendiges Übel sein, aber dann sollten entweder ihre Rollen kleiner oder ihre Charaktere sympathischer werden.
Godzilla vs. King Ghidorah

Die Leinwand soll explodieren, wenn Godzilla Lichtstrahlen spuckt und King Ghidorah seine drei Mäuler blutlüstern im Hals seines gepanzerten Gegners vergräbt. Dafür besuche ich das (IMAX-)Kino. Niemand geht in einen Monsterfilm, um ein Familiendrama zu sehen.

Doch genau das quetscht Godzilla 2: King of the Monsters leider auf Teufel komm raus in seine Handlung. Wenn die Figuren wenigsten sympathisch wären oder nachvollziehbar handeln würden.

Egal ob Dr. Emma Russell (Vera Farmiga) die Erde mit einer Monster-Apokalypse entvölkern will, Ex-Mann Mark Russell (Kyle Chandler) keine Lust hat, sich einzumischen, oder Madison Russell (Millie Bobby Brown) sich nicht zwischen den seltsamen Lebensphilosophien ihren Eltern entscheiden kann: Die Charaktere sammeln keinerlei Sympathiepunkte.

Eine Identifikation fand bei mir zu keinem Zeitpunkt statt. Selbst Rodan, der aus seinem Vulkan steigt, ist da nahbarer.

Der Mensch als unsympatischer Fremdkörper in Godzilla 2

Godzillas unsympatisches Personal: Vera Farmiga und Millie Bobby Brown

Hier hat Godzilla 2 leider nichts aus dem Vorgängerfilm gelernt: Schon 2014 überragte Godzilla all seine uninteressanten menschlichen Protagonisten (von Aaron Taylor-Johnson bis Bryan Cranston). Und hier ist nicht von reiner Körpergröße die Rede.

Kein Wunder, dass mir da das Schicksal von "entsorgten" Figuren wie Sally Hawkins oder Juliette Binoche am allerwertesten Monsterpopo vorbeigeht. Kein Schauspieler kann glänzen, nicht einmal der sonst so fantastische Bösewicht-Darsteller Charles Dance.

Dass Godzilla 2: King of the Monsters keinen Drehbuchpreis gewinnen würde, war mir schon vorher klar. Solange die Action bei einem Popcornkinofilm stimmt, kann ich über holperige Dialogzeilen und peinliche Logiklücken hinwegwesen. Nicht aber, wenn die Menschen das Action-Erlebnis behindern.

Godzilla: King of the Monsters

Bei Kong: Skull Island hatte das reines Spektakel der Sinne doch schon mal besser funktioniert. Bei der stattlichen Anzahl an Monstern in Godzilla 2: King of the Monsters sollte das Monster-Fest eigentlich kein Problem sein: insgesamt 17 Titanen bevölkern den Film. Nur leider nicht häufig genug. Was bleibt, ist der Eindruck: Die Menschen stören. Und das stört den gesamten Film.

Angeödet: Die Hinterzimmer-Kriegsführung in Godzilla 2

Viel zu häufig hält sich Godzilla 2: King of the Monsters in Schaltzentralen und Hinterzimmern auf. Hier starren Menschen auf Bildschirme und treffen Entscheidungen, während sie entgeisterte und zerrissene Gesichtsausdrücke zur Schau stellen. Spannend würde ich das nicht nennen.

Auch wenn die Wissenschaftler Orca-Kästen entwickeln und so mit Alpha-Klängen versuchen, im Monsterkampf mitzumischen, sind sie nicht wichtig. Nicht wirklich. Sie mögen die Monster im Eis freigelegt haben, Godzilla fast töten und gelegentlich sogar selbst draußen unterwegs sein, aber für das eigentliche Aufeinandertreffen der Titanen hat das kaum eine Bedeutung.

Godzilla 2: Entscheidungen in Hinterzimmern

Mir ist schon klar, dass ein Monsterfilm ohne Menschen ein Wunschtraum ist, der vermutlich ewig unerfüllt bleiben wird. Trotzdem hätte ich lieber eine Kürzung dieses menschlichen Übels zu Gunsten längerer Titanenkämpfe gesehen.

Zwischen Monstern: Der Mensch als notwendiges Übel in Godzilla 2

Ich verstehe durchaus, dass Menschen in Filmen notwendig sind, weil ein menschlicher Zuschauer sich nun einmal am besten mit der eigenen Spezies identifiziert. Auch dass gecastete Stars als Publikumsmagnet dienen sollen, ist eine nachvollziehbare Entscheidung seitens der Godzilla 2-Produzenten.

Zudem dienen Hauptfiguren als Vorlage, wann wir staunen dürfen, denn ihre Leinwand-Reaktionen auf gewaltige Monster sind im Idealfall deckungsgleich mit denen der staunenden Zuschauerschaft.

Der Mensch in Godzilla: King of Monsters

Insofern haben Menschen in Monsterfilmen zwar wichtigen Rollen, lassen sich aber auf einige unerlässliche Aufgaben reduzieren:

  • Menschen lenken die Dramaturgie: Natürlich ist ein Monster viel beeindruckender, wenn es erst langsam enthüllt wird, statt von Anfang an gezeigt zu werden.
  • Menschen erklären die Handlung - geschulte Wissenschaftler verstehen, warum Godzilla und Ghidorah kämpfen. Aus Godzillas Schrei allein könnten wir das nicht herauslesen.
  • Menschen sind der perfekte Maßstab. Weil jeder weiß, wie groß ein Mensch ungefähr ist, eignen sie sich hervorragend als Größengeber - als Messlatte, damit die Städte-Zertrampler auch wirklich groß erscheinen.
Godzilla 2: King Ghidorah und menschliche Technik als Maßstab

Wenn diese Aspekte des Menschen im nächsten Monsterfilm besser gehandhabt werden und das Personal sympatischer angelegt wird, könnte vielleicht sogar schon die im nächstem Jahr startende Monsterverse-Erweiterung namens Godzilla vs. Kong ein besserer Film werden.

Bis dahin werde ich aber weiter von einem Monsterfilm träumen, in dem tatsächlich das Monster die Hauptfigur ist und Menschen nur als Ameisen am unteren Bildrand existieren: pures visuelles Kino-Vergnügen.

Hat die menschliche Handlung euch in Godzilla 2: King of the Monsters auch so gestört?

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