Game of Thrones - Wissenschaftler erklärt das Ende der letzten Folge

Bran und Three-Eyed Raven in Game of Thrones
© HBO
Bran und Three-Eyed Raven in Game of Thrones
Community Autor
folgen
du folgst
entfolgen
"Frankly, my dear, I don't give a damn."

Achtung, Spoiler zu Game of Thrones! Für alle, denen nach der letzten Folge von Game of Thrones ebenfalls der Verstand zerborsten ist, präsentiert Tech Insider ein Gespräch mit dem theoretischen Physiker Sean Carroll, der das chronologische Chaos von Brans Warg-Visionen zu bereinigen versucht. Denn wie wir gesehen haben, passierte etwas, das nach den Regeln der Physik eigentlich unmöglich ist.

Bran (Isaac Hempstead-Wright) war in zwei Zeiten zugleich präsent und schmorte mit seinem Zeitreise-Move nicht nur die Gehirne der Zuschauer, sondern auch das des armen Stallburschen Wylis. Mithilfe des Three-Eyed Raven (Max von Sydow) war es ihm möglich, ein Winterfell zu sehen, wie es Jahrzehnte vor den Ereignissen der Serie existiert hat. Dort erblickt er das frühere Selbst seines einsilbigen Gefährten Hodor (Kristian Nairn), der zu diesem Zeitpunkt noch bei vollem Verstand ist. Als jedoch eine Zombie-Horde unter Führung der Weißen Wanderer ihr Versteck in der Gegenwart aufspürt, schlägt Bran mit seinen hellseherischen Kräften eine Brücke zwischen beiden Zeiten.

Sean Carroll erklärt uns, was es damit auf sich hat:

Er ist in der Vergangenheit mit dem jungen Hodor und irgendwie entsteht eine Verbindung zwischen dem jungen Hodor und dem Hodor der Gegenwart. Die Angst davor, dass die Zombies sie ergreifen, wird irgendwie auf den jungen Hodor übertragen, wodurch der junge Hodor einen Krampfanfall erleidet.

So weit, so gut.

Der junge Hodor bekommt den Eindruck, unbedingt die Tür halten zu müssen, was den Anfall auslöst und ihn forthin nur noch 'Hodor' sagen lässt. Er verbleibt weiter in den Diensten der Starks und wird später selbst die Person, die diese mentale Wirkung an sein jüngeres Selbst sendet.

Hat Bran damit den Lauf der Geschichte von Westeros nachhaltig verändert?

Um es kurz zu sagen: Er veränderte die Vergangenheit nicht, er hat sie beeinflusst. Es gibt nur eine Vergangenheit und nur einen Hodor, der einen Krampfanfall hatte. Es ist völlig verrückt.

Na, da sind wir ja beruhigt.

Carroll fährt fort, die logischen Implikationen von Zeitreisen näher zu erläutern:

Sobald du Zeitreisen in deinem Universum erlaubst, heißt das interessanterweise nicht, dass alles, was geschieht, einen Ursprung haben muss, sondern, dass alles konsistent ist und alle Informationen ohne einen Ursprung durch die Zeit kreisen.

Dieses Phänomen bezeichnen Physiker als konsistente kausale Schleife. Menschen aus späterer Zeit reisen zurück, um Ereignisse in der Vergangenheit zu ändern, aber dies ergibt eine Übereinstimmung damit, wie sich diese Ereignisse dann später tatsächlich entfalten.

Im Gegensatz dazu werden wir in Filmen wie Zurück in die Zukunft mit einer inkonsistenten kausalen Schleife konfrontiert. Marty und Doc greifen in die Vergangenheit so ein, dass dadurch der Lauf der Geschichte geändert wird, worauf sich beispielsweise die Familienfotos der McFlys wie von Geisterhand verändern. Anders als bei der konsistenten Schleife handelt es sich hierbei um ein Zeitreise-Paradoxon.

Was aber sagt Brans zeitübergreifende Kommunikation mit Wylis/Hodor über den freien Willen aus? Hatte Hodor überhaupt eine freie Wahl? Oder Bran? Hätte er die Veränderung der Zeitlinie verhindern können? Auch darauf hat Carroll eine Antwort:

[Bran] hat einen freien Willen in dem Sinne, dass dir eine Wahl bleibt, solange du nicht weißt, was passieren wird. Nachdem es aber geschehen ist, hat niemand einen freien Willen.

Mit anderen Worten hatte Bran so lange eine Wahl, bis er diese traf.

Aus Sicht eines Physikers gibt es den freien Willen, Entscheidungen treffen zu können. Aber in dem Sinne, dass diese Entscheidungen konsistent sein müssen, hat man keine freie Wahl.

So betrachtet war es Wylis also immer bestimmt, zu Hodor zu werden. Unwissentlich opferte er als Kind seinen Geist und als Erwachsener seinen Körper, um Bran zu retten - und all dies, weil der die Zeiten biegende Bran sich ohne Wahl dazu entschied, diese Zeitschleife in Bewegung zu setzen.

Klar soweit?

Community Autor
folgen
du folgst
entfolgen
"Frankly, my dear, I don't give a damn."
Deine Meinung zum Artikel Game of Thrones - Wissenschaftler erklärt das Ende der letzten Folge
C93dfa6fdd194e27bb3d073f2c08feb5