Findet Dorie - Christian Tramitz und Anke Engelke im Interview

Christian Tramitz als Marlin und Anke Engelke als Dorie
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Christian Tramitz als Marlin und Anke Engelke als Dorie
03.10.2016 - 09:40 UhrVor 5 Jahren aktualisiert
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Zum Kinostart von Findet Dorie haben wir mit den deutschen Synchronsprechern Anke Engelke und Christian Tramitz ein E-Mail-Interview durchgeführt.

2003 machte sich Clownfisch Marlin auf die Suche nach seinem verlorengegangenen Sohn in Findet Nemo. Auf seiner Reise lernte er unter anderem die an Gedächtnisschwund leidende Dorie kennen. Im neuen Pixar-Abenteuer Findet Dorie wird der Paletten-Doktorfisch selbst vermisst. Wie schon 2003 übernehmen die deutschen Comedystars Christian Tramitz und Anke Engelke die Synchronrollen von Marlin und Dorie. Wir haben ihnen dazu einige Fragen im Interview gestellt.

Fragst du dich auch öfter: Was würde Dorie tun?
Anke Engelke: Manchmal frage ich mich, ob ich mal kurz auf die Bremse treten sollte. Manchmal halte ich inne und überlege, bevor ich vorschnell etwas tue, was ich hinterher bereue.
Christian Tramitz: Bei Dorie jetzt genau nicht, aber ich frage mich schon bei Leuten, von denen ich weiß, dass sie cleverer sind, was sie in einer bestimmten Situation tun würden. Meistens ist es aber doch so, dass ich nach meinem Bauch entscheide, weil die Erfahrung zeigt, dass das immer gut ist. Wenn ich eins gelernt habe in meinem Leben, dann, dass ich ein Bauchmensch bin, kein Kopfmensch. Bauchmenschen sollten sich nach dem Bauch richten, Kopfmenschen natürlich nach dem Kopf. Das muss man aber erst mal herausfinden.

Wie war es für dich, 13 Jahre später Dorie/Marlin wieder die Stimme zu leihen?
Anke: Ein ganz großes Fest, eine ganz große Ehre! Viele loben mich noch heute für Findet Nemo und dann werde ich immer ganz klein und sage, da kann ich gar nichts dafür, ich bin nur die deutsche Stimme. Aber jetzt mit Findet Dorie merke ich wieder, wie viel Spaß mir das macht und wie sehr ich mich selber auch über die Qualität der Geschichte und des Films freue und wie sehr es mir gefällt, davon Teil sein zu dürfen.
Christian: Das war sehr interessant. Ich hab den Film angeguckt und nach einer Minute war ich wieder drin und hab mir gedacht, ja genau, so war es, das war das Tolle daran. Man hat dann plötzlich so ein Wohlfühlerlebnis und denkt sich, endlich wieder! 13 Jahre sind ja schon eine verdammt lange Zeit. Die zweite Sache war, ich hab mir den Film dann weiter angeschaut und nach zehn Minuten das erste Mal zum Heulen angefangen, was auch für den Film spricht. Dabei hab ich völlig vergessen, dass ich eigentlich zum Arbeiten da war.

Gibt es Parallelen zwischen dir und Dorie?
Anke: Interessant ist, dass wir beide manchmal so naiv und gutgläubig sind. Bei ihr ist das natürlich durch ihr Kurzzeitgedächtnisproblem bedingt, bei mir ist es manchmal Denkfaulheit oder Blauäuigkeit, dass ich Menschen freundlich und offen gegenübertrete und mir gar nicht vorstellen kann, dass sie es manchmal nicht so gut mit mir meinen.
Christian: Ja, absolut. Ich hab vier Kinder, Marlin hat eins. Und ich bin bei allen vier Kindern mindestens so hysterisch wie Marlin bei Nemo. Ich sage 40 Mal, schnall dich an im Auto, ich sage 50 Mal, zieh dir einen Helm an, wenn du Fahrradfahren gehst, und ich sage, kletter nicht so hoch auf den Baum. Ich kann diese Sorge absolut nachvollziehen. Meine Ältesten sind jetzt 25 und selbst bei denen, wenn sie irgendwohin fahren, hab ich noch diese Angst. Die ist anscheinend eingepflanzt bei mir.

Wo liegt für dich der Unterschied zwischen Synchronisation und Schauspielerei?
Anke: Synchronsprechen ist Teil der Schauspielerei, das kann man nicht voneinander trennen. Mann kann als Schauspieler durchaus synchronisieren, wenn man es schafft, die drei Teile des Synchronisierens (1. man lernt kurze Passagen des Textes ("takes") auswendig, 2. man ist lippensynchron, und 3. man spielt während man spricht) hinzukriegen. Auf der anderen Seite kann man nicht synchronisieren ohne schauspielerisches Talent.
Christian: Das ist unterschiedlich. Wenn ich drehe und selber spiele, dann denke ich mir, warum sitze ich jetzt nicht lieber am Schreibtisch und synchronisiere was, dann müsste ich jetzt keinen Text lernen. Es ist ein bisschen so, wie wenn man Fahrrad fährt oder Auto, je nachdem, was man gerade bewegt. In dem Moment, in dem man das eine macht, sehnt man sich nach dem anderen, kann aber ohne das jeweils andere nicht auskommen. Es ist so, dass man immer in dem Moment das machen möchte, was man gerade nicht macht.

Was hat dir bei der Synchronisation von Findet Dorie am meisten Spaß gemacht?
Anke: Hank!! Das war spitze, diesen Charakter, diesen scheinbar mürrischen Nörgler mit großem Herz, bzw. mit drei großen Herzen, zu erleben. Er ist für mich der eigentliche Star des Films.
Christian: Marlin ist jetzt nicht so die Witzfigur. Dieses Tiefgehen, wenn er dann plötzlich in eine Sinnkrise gerät, das ist jetzt beim Fisch äußerlich zwar mal ganz lustig, aber dass man mal nicht so den Comedian-Fisch hat, sondern den Realo, das hat mir wahnsinnig Spaß gemacht.

In Findet Dorie erklärt Dorie Hank, dass sie nichts von Plänen hält. Bist du eher ein Planer oder für Spontaneität?
Anke: Ich bin nicht wirklich ein Planer. Meine Karriere wirkt im Rückblick durchstrukturiert, aber ich habe eigentlich nie etwas geplant. Ich hab nie gesagt, als nächstes würde ich gerne einen Fisch sprechen, oder eine Therapeutin und eine Journalistin spielen, sondern ich habe immer geschaut, dass ich das, was ich tue, mit Leidenschaft tue und mit so viel Aufrichtigkeit wie möglich. Niemand möchte sich verbiegen, und ich bin jetzt privilegiert, weil ich mir aussuchen darf, was ich mache. Wichtig ist mir auch immer, zu erkennen, was ich nicht kann und davon dann die Finger zu lassen.
Christian: Ich bin ein ganz schlechter Planer, ich plane etwas und schmeiße es sofort wieder über den Haufen. Da unterscheide ich mich ganz entscheidend von meiner Frau und das ist auch gut so, denn sie plant immer alles minutiös. Wie gesagt, da gehört Bauchgefühl und Spontaneität irgendwie zusammen.

Hast du eine Idee, wie du mit solch einer Vergesslichkeit umgehen würdest?
Anke: Ich würde mir wünschen, dass mein Umfeld genauso gut damit umgehen würde wie Dories Umfeld, also sich nicht darüber lustig macht oder das Problem ignoriert, sondern damit umgeht, auf menschliche, oder fischige, großherzige Weise. Ein gutes Beispiel ist eigentlich, dass Dorie nur durch die Spiegelung von Marlin erkennt, dass ihr Defizit nicht negativ ist. Marlin sagt, dass er auf der Suche nach Dorie gemeinsam mit Nemo immer wieder inne hielt und sich fragte, was würde Dorie tun. Das ist der bestmögliche Umgang mit dem Defizit von Dorie. Durch die Vergesslichkeit ist Dorie immer im Hier und Jetzt und das nehmen sich Marlin und Nemo selbst zu Herzen.
Christian: Diesen Plan, den hat man natürlich nicht, weil man in dem Moment gar nicht weiß, dass man was vergisst. Ein Alzheimer-Kranker kann ja auch nicht entscheiden, dass er jetzt nichts mehr vergisst. Wenn es Zerstreutheit ist, wie bei mir, oder kein Namensgedächtnis, gibt es verschiedene Eselsbrücken. Aber wenn es mal so weit ist wie bei Dorie, findet man sich automatisch mit seinem Schicksal ab.

Freut ihr euch auf das neue Animationsabenteuer mit Dorie und Marlin?

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