Eine Tragödie: Mit Ben Affleck verliert DC seinen besten Batman

Ben Affleck in Batman v Superman
© Warner Bros.
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Als im August 2013 bekanntgegeben wurde, dass Ben Affleck der neue Batman-Darsteller wird, lief die DC-Fangemeinde Sturm. Die Besetzung der Fledermaus mit dem Argo-Star stand also von Anfang an unter keinem guten Stern. Wahrscheinlich ist es völlig egal, wen Warner damals für die ikonische Superheldenrolle ausgewählt hätte, der Shitstorm war eigentlich nicht zu vermeiden. Wer sollte schon den gefeierten Christian Bale aus der The Dark Knight-Trilogie ersetzen können? Zudem war Ben Affleck seinen unglücklichen Daredevil-Ruf noch nicht ganz los. Außerdem ist der heute 46-Jährige ein besserer Regisseur als Schauspieler, die Skepsis war also durchaus angebracht. Nun ist klar: Ben Affleck wird nie wieder Batman spielen, und während Ines das als Chance für die Zukunft sieht, ist es für mich ein schmerzhafter Verlust.

Ben Affleck war als Batman kein guter Film vergönnt

Seinen ersten Auftritt als selbsternannter Rächer hatte Affleck 2016 im viel gescholtenen Batman v Superman: Dawn of Justice. Zugegeben ein sehr misslungener Film, was jedoch nicht am Debüt Afflecks lag. Im Gegenteil, die Szenen, in denen sein Bruce Wayne ohne Henry Cavills Superman zu sehen war, werteten Zack Snyders episch aufgeladene Seifenoper richtig auf. Unvergessen bleibt der brachiale Faustkampf im Lagerhaus, bei dem der Dunkle Ritter seine Gegner ganz wie in den Arkham-Videospielen mit genialen Kampfmanövern vermöbelte, um Martha Kent zu retten. Das tat beim Zusehen nicht nur richtig weh, sondern machte Lust auf mehr, doch die dramaturgischen Schwächen des Films konnten Momentaufnahmen wie diese auch nicht retten.

Richtig enttäuschend geriet dann Afflecks Auftritt in Justice League, was erneut auf Chris Terrios Drehbuch und Joss Whedons unangebrachten Erzählansatz zurückzuführen ist: Batman als optimistischer Teamleader, der mit fester Überzeugung der Notwendigkeit eine Gruppe von Superhelden rekrutiert? Diesen Nick Fury-Verschnitt nehme ich dem düsteren Solokämpfer und einsamen Vigilanten einfach nicht ab. Mit The Batman hätte Affleck dagegen vielleicht endlich den auf ihn zugeschnittenen Film bekommen, den er verdient.

Ben Affleck ist Batman

Den Gegenwind, dem Affleck ausgesetzt war, konnte ich nie nachvollziehen, denn der Mann war die Idealbesetzung. Von allen bisherigen Batman-Darstellern hat es keiner geschafft, so glaubhaft die von Bob Kane und Bill Finger kreierte Heldenfigur zu verkörpern. Afflecks Interpretation wirkte so, als wäre sie direkt dem Bruce Wayne aus Frank Millers Graphic Novel-Meisterwerk The Dark Knight Returns entsprungen.

Zu Millers (noch besserem) Year One passte Affleck ebenfalls hervorragend, auch wenn er einen gealterten Helden ohne Vorgeschichte gab. Die brauchte es auch gar nicht. Dass der Werdegang vom Waisenkind zum selbstgerechten Ritter seine Spuren hinterlässt, konnten wir allein Afflecks Physis und Präsenz entnehmen. Ein furchteinflößendes Ungetüm, vor dem auch die Bewohner Gothams Angst haben – das war zwar nicht mit den auf ihre Weise ebenfalls sehr gut besetzten Fledermäusen von Bale und Keaton zu vergleichen, doch Affleck erweckte erstmals den erwachsenen Comic-Batman der 1980er-Jahre zum Leben.

Warum soll ich The Batman jetzt noch sehen wollen?

Das The Batman-Projekt ist, wie es jetzt ist, nicht mehr mit dem Film zu vergleichen, der ursprünglich geplant wurde. Der Solofilm war zu Beginn noch ein komplettes Affleck-Werk: Regie, Drehbuch, Hauptdarsteller – alles sollte der neue DC-Star persönlich stemmen. Mit The Town, dem Oscar-Gewinner Argo oder Gone Baby Gone bewies Affleck bereits, dass er solche Herausforderungen zuverlässig stemmen kann (blenden wir mal die Ganoven-Gurke Live By Night aus). Jetzt ist nichts mehr davon übrig, folglich habe ich wenig Interesse am nächsten Batman-Film von Matt Reeves. Vor allem aber bin ich unsicher, wie diese Neuausrichtung nun aussehen soll. Bei DC wirkt das Konzept nicht zuletzt durch die Suicide Squad-Sanierung oder die jüngsten Joker-Gerüchte ziemlich konfus. Ohne die Säule Ben Affleck wackelt das fragile Kartenhaus jetzt gar noch etwas mehr.

Hier lest ihr die Gegenmeinung: Endlich: Ohne Ben Affleck hat Batman wieder eine Chance

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